Kriminalstatistik 51 Tote in Verbindung mit häuslicher Gewalt in Bayern

Die Zahl der gemeldeten Gewalttaten in Partnerschaften oder von Ex-Partnern ist im vergangenen Jahr in Bayern ungebrochen hoch geblieben. Hilfe gibt es unter anderem auch telefonisch. Foto: as

Es ist ein wenig beachtetes Thema, doch Frauen und Männer leiden und sterben Jahr für Jahr daran. Allein in Bayern sind im vergangenen Jahr 51 Menschen durch Gewalt im privaten Umfeld ums Leben gekommen. Die Anzahl der registrierten Gewalttaten liegt im fünfstelligen Bereich.

Von Drohungen und Stalking über Schläge bis zum Mord: Die Zahl der angezeigten Gewalttaten unter Paaren und Ex-Partnern in Deutschland ist alarmierend hoch – Tendenz steigend. Ob die häusliche Gewalt während der Corona-Krise noch zugenommen hat, lässt sich anhand der Zahlen aus der aktuellen Kriminalstatistik zum Thema Partnerschaftsgewalt noch nicht erkennen – sie beziehen sich auf das vergangene Jahr. Es sei aber "sehr wahrscheinlich", dass die Pandemie die Lage verschärft habe, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bei der Vorstellung der Statistik vergangene Woche.

In Bayern spiegelt sich der bundesweite Trend nicht in dem Maße wider. Zuletzt sind die Zahlen sogar um knapp 300 Fälle gesunken. Allerdings sind sie auf einem erschreckenden Niveau. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 16.660 Fälle, die in Verbindung mit häuslicher Gewalt stehen. Das geht aus der entsprechenden Auswertung der Statistik des Landeskriminalamts hervor. Opfer und Täter waren laut Auswertung entweder verheiratet, verlobt, in einer Beziehung, in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, getrennt lebend, geschieden oder Ex-Partner. Es geht unter anderem um Delikte wie Mord und Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung oder Freiheitsberaubung.

Die Anzahl der Fälle in Bayern verharrt seit etwa fünf Jahren auf diesem Niveau. In durchschnittlich 78 Prozent aller Fälle war die Frau das Opfer. 51 Menschen wurden vom eigenen Partner getötet. 

Häusliche Gewalt in Niederbayern und der Oberpfalz

Wie zeigt sich die Situation in den Regierungsbezirken? 2019 gab es in der Oberpfalz 1.273 Fälle von häuslicher Gewalt. Drei Menschen kamen durch Gewalt in ihrer Beziehung zu Tode. 81 Prozent der Opfer waren Frauen. In Niederbayern sind 1.582 Fälle zu verzeichnen. Zu 78 Prozent waren Frauen das Opfer. Sechs Menschen sind hier im privaten Umfeld gestorben. Zum Vergleich: Die meisten Fälle gab es mit 5.615 im Regierungsbezirk Oberbayern.

Betrachtet man die Zahlen für Ostbayern auf Kreisebene, so lässt sich feststellen, dass das Niveau in den Städten höher ist als in den Kreisen. Die Stadt mit den meisten Fällen, 196, ist Landshut. Dahinter kommen die Städte Straubing mit 107 und Passau mit 90. Bei den Kreisen ist ebenfalls Landshut der traurige Spitzenreiter mit 183. Die tragischen Vorfälle, bei denen Menschen durch Gewalt des Partners starben, ereigneten sich in der Stadt Landshut und in den Kreisen Deggendorf, Freyung-Grafenau, Kelheim, Straubing-Bogen und Dingolfing-Landau.

In der Oberpfalz mussten die meisten Fälle in Regensburg verzeichnet werden – 234 waren es hier. In Amberg gab es dagegen die wenigsten Fälle, nur etwa ein Drittel des Wertes von Regensburg. Die meisten Fälle auf Kreisebene gab es in den Landkreisen Schwandorf mit 185 und Regensburg mit 174. In Beziehungen zu Tode kamen Menschen in Weiden in der Oberpfalz und in den Kreisen Neumarkt in der Oberpfalz und Neustadt an der Waldnaab.

"Die Fallzahlen sind seit 2015 heterogen und bewegen sich in ihrer Zu- und Abnahme im jeweils niedrigen einstelligen Prozentbereich", sagt ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamts zu der Entwicklung auf idowa-Nachfrage. Zu beachten ist in jedem Fall: Die Polizeiliche Kriminalstatistik bildet grundsätzlich das Aufkommen im sogenannten „Hellfeld“ ab. Angaben zur Dunkelziffer könne das Landeskriminalamt nicht machen. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der nicht registrierten Fälle gerade im Feld häuslicher Gewalt sehr hoch ist.

Wenn Sie Hilfe brauchen

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen hat die Nummer 08000/116016, Männer erreichen einen entsprechenden Gesprächspartner unter Telefon 0800/1239900. Es ist auch während des Teil-Lockdowns rund um die Uhr besetzt. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite staerker-als-gewalt.de, die unter anderem Hilfsmöglichkeiten auflistet. 

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