Körpersprache Wie unser Körper spricht und warum wir nichts davon wissen

Die beiden mögen sich: Mariettas und Oles Körpersprache zeigt das. Das Lächeln ist übrigens das größte Signal für Sympathie. Damit öffnen wir uns unserem Gegenüber. Foto: Tanja Pfeffer

Wenn wir uns unterhalten, wählen wir unsere Worte genau. Wir versuchen, alles, was wir sagen, passend zu formulieren: nett, aggressiv oder ärgerlich. Doch etwas an uns spricht viel lauter - ohne dass es unser Gegenüber versteht: unser Körper.

Marietta und Ole sitzen sich in der Mittagspause gegenüber. Sie reden über den Unterricht und was sie von der Lehrerin halten. Marietta stützt ihren rechten Ellbogen auf den Tisch vor sich. Sie lächelt. Ole nickt. Er freut sich schon auf die nächste Stunde. Oberflächlich sprechen die beiden nur über die Schule. Wer aber genauer hinsieht, erkennt eine zweite Sprache: die Sprache des Körpers. Auch Ole hat seinen Ellbogen auf den Tisch aufgestellt, aber seinen linken. Er lächelt ebenfalls und sein Oberkörper ist Marietta zugewandt. Die beiden sitzen nebeneinander auf der grauen Holzbank. Es sieht fast so aus, als würde Marietta in einen imaginären Spiegel blicken. Denn Ole spiegelt Mariettas Körperhaltung in vielen Punkten. Was das mit dem Gespräch zu tun hat? Mit dem Inhalt wenig, aber auf einer anderen, der nonverbalen Ebene, sprechen die beiden auch miteinander. Sie sagen: "Hey, ich find' dich nett. Du bist mir sympathisch."

Unbewusste Botschaften

Körpersprache ist nicht nur etwas, das wir sehen können. Der Mensch hat fünf Sinne: Hören, Sehen, Schmecken, Riechen und Fühlen. Mit diesen Sinnen nimmt er die Körpersprache seines Gegenübers wahr. Alles, was nonverbal ist, also ohne Worte läuft, zählt zur Körpersprache. Die Kommunikation zwischen zwei Menschen läuft in drei Ebenen ab. Die anscheinend offensichtlichste ist die verbale Ebene. Das, was inhaltlich gesprochen wird. Die tonale Ebene meint das Wie: Wie sage ich etwas. Auf der nonverbalen Ebene spricht dann unser Körper in Mimik, Gestik, Körperhaltung, Kleidung und vielem mehr. "Diese drei Ebenen müssen als Einheit funktionieren", erklärt Meike Fabian. Sie ist die stellvertretende Leiterin der Akademie für Darstellende Kunst in Regensburg und schult ihre Schüler unter anderem auch in der Wahrnehmung der Körpersprache. "Körpersprache geht schon los bei Dingen, die ich selbst beeinflussen kann, also meinen Schmuck, meine Kleidung, mein Make-Up", zählt Meike Fabian auf. "Meine Haltung, meine Mimik und Gestik kann ich auch noch etwas beeinflussen. Das ist aber schon schwerer." Dinge, die von innen kommen, wie Atmung oder Körpergeruch sind demnach ebenfalls Teil der Körpersprache.

Erster Eindruck entscheidet

Aber auch Eigenschaften, die nicht in meiner Hand liegen, zählen zur Körpersprache. Zum Beispiel: Bin ich ein Mann oder eine Frau. Bin ich dick oder dünn. Durch diese Dinge schließe der Gegenüber sofort auf die Lebenserfahrung eines Menschen. "Jeder erzählt seine Geschichte, schon lange bevor er den Mund aufgemacht hat", bringt es Meike Fabian auf den Punkt.

Das bestätigt auch Andrea Nitzsche. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin und Trainerin für Körpersprache. Der erste Eindruck entsteht innerhalb von Sekunden, in denen wir jemanden wahrnehmen. "Das ist unser Instinkt, der immer noch vorhanden ist. Es war früher besonders wichtig, sofort zu wissen, ob der Mensch gegenüber eine Bedrohung ist oder nicht.

Vorurteil auf. Natürlich könne uns unser Körper verraten, wenn wir gerade schwindeln, aber es reiche eben nicht nur ein Zeichen wie die Hand am Mund aus. Ein weiteres Zeichen dafür könne laut Andrea Nitzsche zum Beispiel ein eingefrorenes Lächeln sein. "Hier lächelt nur der Mund. Das hat ein bisschen was von Zähne zeigen. Bei einem echten Lächeln sieht man das auch an den Augen. Sie strahlen dann richtig", erklärt die Expertin. Nervöse Stressflecken oder auch ein hektisches Stolpern beim Sprechen können ebenfalls darauf hindeuten - müssen es aber nicht.

Den Körper programmieren

Wer nervös ist, neige übrigens auch zu Schattenbewegungen. Es kann sein, dass sich jemand gern die Haare aus dem Gesicht streicht, obwohl sie gar nicht stören. Diese Bewegung gibt demjenigen Sicherheit in einer Situation, in der er sich gerade überfordert fühlt. Das kann bei Referaten in der Schule oder auch beim ersten Date sein. Andrea Nitzsche hat für solche Situationen einen besonderen Tipp: "Mehr ausatmen als einatmen kann helfen, etwas ruhiger zu werden." Ansonsten helfe es, seinen Körper positiv zu programmieren. "Das geht. Ich muss von dem überzeugt sein, was ich gerade mache. Dann wirkt auch mein Körper souveräner", erklärt Andrea Nitzsche. Will ich also dieses Referat für eine gute Note halten und will ich das für mich selbst, strahlt auch mein Körper mehr Souveränität aus, als wenn ich mir sage: "Hilft ja nicht, da muss ich durch."

Für besonders Nervöse hat Andrea Nitzsche noch einen Geheimtipp: "Wer seine Lieblingsklamotten anzieht, fühlt sich schon viel wohler. Auch das wirkt auf mein Gegenüber. Außerdem hilft es, sich am Morgen schon seine Lieblingssongs vorzusingen und sich zu sagen: Jetzt geht's mir gut. Was ich heute mache, ist etwas, wofür es sich lohnt."

Wer etwas aufmerksam ist und auch darauf schaut, was seine Mitmenschen sagen, obwohl sie eigentlich nichts sagen, versteht seinen Gegenüber oft besser. Das kann auch bei Streitereien helfen. Aber keine Angst: Völlig durchschaubar werden wir deshalb nicht für andere: Körpersprache wirkt genauso wie Wortsprache und Stimmlage nur als Gesamtpaket. Gedankenlesen können auch Körpersprache-Experten nicht.

 

So wirkt deine Körpersprache auf andere

Selbstbewusst

Wie viel Platz wir brauchen, also wie viel Anspruch wir auf unser Territorium haben, zeigt wie selbstsicher wir sind.

Hier nimmt Marietta viel Platz ein durch die weit auseinanderstehenden Beine, ihren offenen Oberkörper und ihre Hände, die sie in die Hüfte gestemmt hat.

Schüchtern

Hier ist das Gegenteil zu sehen. Marietta braucht so wenig Platz wie sie nur kann. Sie verschränkt ihre Arme vorm Körper genauso wie ihre Beine. Außerdem hat sie ihren Kopf leicht eingezogen.

Misstrauisch

Verschränkte Arme, vom anderen abgewandter Oberkörper, hochgezogene Augenbrauen

Sympathisch

Zugewandter Körper, offene Haltung, Lächeln, lockere Armhaltung

 
 
 

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