Kleine Pille, großes Risiko So gefährlich ist die Party-Droge Ecstasy

Der Extra-Kick fürs Feiern: Ecstasy zählt zu den Klassikern unter den Party-Drogen. Foto: ccvision.de

Psychosen, Panikattacken, Depressionen – das alles kann die Partydroge Ecstasy auslösen. Doch diese Risiken gehen immer mehr Jugendliche für die begehrten Glücksgefühle ein. Johannes nimmt die Droge hin und wieder. Wir haben mit ihm und einem Experten gesprochen.

Der Herzschlag wird schneller, die Pupillen weiten sich, kalter Schweiß breitet sich aus. Jegliches Durst- und Hungergefühl verschwindet. Die Konsumenten nehmen das aber nicht wahr. Sie tanzen ausgelassen zu elektronischer Musik. Sie fühlen sich leicht, den Mitmenschen besonders nahe, wollen reden und sich austauschen.

Erzeugt werden diese Glücksgefühle durch MDMA. So heißt der Wirkstoff in der Droge Ecstasy – der Pille für einen vermeintlich unbeschwerten Partyabend. Johannes (Name von der Redaktion geändert) schmeißt sich zum Feiern immer mal wieder so eine Pille ein. Ihm fällt auf, dass die Hemmschwelle, Ecstasy auszuprobieren, sinkt. Dieselbe Beobachtung macht Wolfgang Haas, Leiter der Fachambulanz für Suchtprobleme der Caritas in Landshut – auch wenn es keine Zahlen gibt, die diesen Trend belegen.

Konsumenten immer jünger

Johannes probiert die Droge zum ersten Mal mit 24 Jahren aus. „Es ist immer ein Spiel mit dem Feuer“, sagt er. Der heute 27-Jährige ist schockiert darüber, wie jung die Konsumenten mittlerweile teilweise sind. Auf sogenannten „Afterhours“ trifft er immer öfters auf 18-, 19-Jährige, die MDMA nehmen. „Das ist so krass. Mit 18 Jahren wusste ich noch nicht mal, dass es so etwas überhaupt gibt! Da hatte ich vielleicht gerade mal meine erste Freundin“, erzählt er, „Das sind doch noch Kids. Die checken oft nicht mal, was sie da tun.“

Nach der Einnahme von MDMA kommt es im Gehirn zur Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin. Diese Stoffe sorgen für Glücksgefühle. „Man muss sich vorstellen, dass das Gehirn total auf Erregung hochgefahren wird“, erklärt Wolfgang Haas.

Generell besteht nach einer Einnahme die Gefahr, zu dehydrieren, also auszutrocknen. Denn die Konsumenten haben kein Durst-Gefühl mehr, tanzen aber zum Beispiel exzessiv und schwitzen dabei enorm. Ein Kreislaufzusammenbruch und Nierenschäden können die Folge sein.

Fast immer kommt es außerdem zu einem Kiefermalmen – die Konsumenten knirschen also stark mit den Zähnen. Das kann nicht nur sehr seltsam aussehen, sondern auch für Kieferschmerzen in den Tagen darauf sorgen.

Gefahr einer Psychose

Wer glaubt, dass ein einmaliges Ausprobieren von MDMA fast keine Risiken birgt, täuscht sich. Wolfgang Haas stellt klar: „Auch der Erstkonsum ist gefährlich. Auch hier kann man schon eine Psychose bekommen.“ Bei einer Psychose haben die Betroffenen starke Angst-Gefühle, Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Auf der Internetseite www.eve-rave.ch/forum tauschen sich Drogen-Konsumenten über ihre Erfahrungen aus.

Der User „TickTack“ schreibt: „Hi. Ich stecke gerade in einer wirklich miesen Situation! Ich war auf ‘nem Festival und habe drei Tage lang MDMA konsumiert. Ich war dann eine Woche lang verpeilt. Exakt eine Woche nach dem Festival habe ich gemerkt, wie schlecht es mir noch geht. Da hatte ich meine erste Panikattacke! Die Hölle!“

Psychologe Wolfgang Haas kennt das: „Wir haben einige Klienten hier, die auf MDMA ,hängen geblieben’ sind.“ Das bedeutet, dass unangenehme Nachwirkungen der Droge für längere Zeit bestehen bleiben. Die Betroffenen fühlen sich fern der Realität und leben in einer Art Traumwelt. Die meisten verspüren dabei auch starke Ängste.

Genau wie der User „TickTack“: „Eine Woche lang hatte ich dann emotionale Ups and Downs, mal total euphorisch, mal halb tot vor Angst. Immer in 12- bis 24-Stunden-Schüben. Jetzt ist das Festival fünf Wochen her und ich habe ab und zu immer noch ganz leichte Anflüge von Angst, die ich in der Brust merke. Und dann ist da noch die Derealisation, die bis heute da ist. Ich habe bald keine Kraft mehr. Mich macht das total fertig.“

Das Loch am nächsten Tag

So exzessiv die Stimmung am Vorabend war, so depressiv ist sie am nächsten Tag. Wolfgang Haas beschreibt diesen Kater so: „Man fällt in ein Loch, fühlt sich antriebslos, ist depressiv.“ Auch Johannes kennt diesen Zustand: „Wenn die Party am Vorabend phänomenal war, man aber am Tag darauf plötzlich alleine ist und viel Zeit zum Nachdenken hat, dann fühlt man sich schon ein bisschen depressiv.“ Manche wollen diesen Zustand umgehen und greifen deshalb wieder zur Droge – der Beginn einer psychischen Abhängigkeit.

Um die begehrten Glücks-Gefühle immer wieder zu bekommen, muss man mit der Zeit die Dosis erhöhen: „Man wird ziemlich schnell resistent dagegen und braucht immer mehr, um die gleiche Wirkung zu haben wie noch am Anfang“, erzählt Johannes.

Wer Ecstasy über einen längeren Zeitraum hin nimmt, muss mit Langzeitschäden rechnen. Psychologe Wolfgang Haas erklärt: „Nach der Einnahme einer Pille wird das Gehirn kurzzeitig umgebaut. Bei jahrelangem Konsum geschieht das dauerhaft.“ Die Betroffenen werden unkonzentriert, hibbelig und bekommen Gedächtnis-Probleme. Wie der User „nudelhaus“: „Ich habe Konzentrationsprobleme, ein sehr stark eingeschränktes Kurz- und Langzeitgedächtnis, eine ausgeprägte Lethargie Generell habe ich das Gefühl, dass mich dieses Jahr, in dem ich übertrieben habe, zehn Jahre geistig altern ließ.“

Dem Mitglied „1312Psycho“ ging es ähnlich: „Mich hat MDMA auf jeden Fall dümmer gemacht. Eine schlechtere Konzentration und kürzere Aufmerksamkeitsspanne sind mir aufgefallen. Keine gute Droge, wenn man im Leben auf geistiger Ebene noch was vor hat.“ In der Fachambulanz für Suchtprobleme hat Wolfgang Haas vor allem mit MDMA-Konsumenten zu tun, die eine zusätzliche Abhängigkeit haben. Und zwar von THC, also Cannabis. „Diese Klienten nehmen am Morgen MDMA und laufen dann den ganzen Tag über auf ,Hochtouren’. Am Abend kiffen sie, um wieder runterzukommen und schlafen zu können“, so der Psychotherapeut. „Irgendwann brechen sie dann zusammen, weil der Körper einfach komplett ausgetrocknet und überlastet ist.“

Mit Ersatzstoffen verunreinigt

Ein weiteres großes Risiko bei der Einnahme von Ecstasy ist, dass der Konsument letztlich nie weiß, was wirklich in der Pille enthalten ist. „Jeder kann dir viel erzählen, wenn der Tag lang ist“, sagt Johannes. Die Tablette kann zum Beispiel zu viel MDMA enthalten, was zu einer Überdosis führt. Oft sind die Tabletten auch mit Ersatzstoffen stark verunreinigt, wodurch man auf Dauer schwer krank werden kann – wie es Wolfgang Haas bei den Klienten der Fachambulanz für Suchtprobleme miterlebt hat.

Johannes ist sich dieser Gefahren bewusst. Bisher wurde er von schlimmeren Nebenwirkungen verschont. Doch er sagt deutlich: „Man muss sich im Klaren darüber sein, welche Folgen der Konsum haben kann.“

 

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