Kinder und Jugendliche Lob und Kritik für neue Quarantäne-Vorgaben für Schulen

Unterreicht im Klassenzimmer: Schüler eines Gymnasium in Dresden. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/dpa

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben für Schulen einheitlichere Quarantäneregeln festgelegt. Das wird grundsätzlich begrüßt, an den Details gibt es Kritik.

Berlin - Bildungsgewerkschaften haben die Vereinbarung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern für einheitlichere Quarantäne-Regeln in Schulen grundsätzlich begrüßt, aber auch Kritik geübt.

"Damit werden die Alleingänge der Länder beendet, das war überfällig", sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Maike Finnern. Ein regelmäßiger Einsatz aussagekräftiger, verlässlicher PCR-Tests und das Tragen von Masken in Räumen seien aber Voraussetzung dafür, "dass das Konzept klappt", fügte sie hinzu. Kritik gab es an den Details der Quarantäne-Vereinbarung.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nannte es "richtig", dass die Dauer und die Zahl der Betroffenen der Quarantäne maßvoll eingeschränkt würden. Das werde dazu beitragen, dass der Präsenzunterricht für möglichst viele Kinder und Jugendliche aufrechterhalten werde, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Wichtig ist aber auch, dass die Gesundheitsämter immer auf den Einzelfall schauen werden."

Die Bildungsgewerkschaft VBE kritisierte das. Die eigentliche Aufgabe bleibe, nachvollziehbar und möglichst ebenso bundesweit festzulegen, nach welchen Indikatoren entschieden werde, wer in Quarantäne gehen müsse, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. Es könne nicht sein, dass bei vergleichbaren Bedingungen mal die Sitznachbarin, mal der Gruppentisch in Quarantäne gehen müsse, sagte er.

Positiv bewertet wurde vom VBE die Vereinbarung, dass symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne sind, diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können sollen. Das trage dazu bei, transparente Regelungen zu schaffen und baue "Unmut und Unverständnis der Menschen ab".

Kritisch äußerte sich der Allgemeine Schulleitungsverband Deutschlands. Die Verbandsvorsitzende Gudrun Wolters-Vogeler nannte die Quarantäne-Vorgaben am Dienstag im rbb-Inforadio "realitätsfern". "Sie gehen davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler ständig an festen Plätzen arbeiten. Das entspricht nicht moderner Pädagogik." Schülerinnen und Schüler hätten im Laufe eines Schultags enge Kontakte nicht nur zu immer denselben Schülern.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach in der "Rheinischen Post" zwar von einem Fortschritt gegenüber der aktuellen Lage, wenn bei einem Corona-Fall nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne geschickt würden. "Besser wäre es, wenn nur das infizierte Kind in Quarantäne geht und alle anderen morgens in der Schule fünf Tage lang getestet werden", fügte er hinzu. Das bringe maximale Sicherheit bei minimaler Quarantäne. "Es darf nicht wieder einen Winter mit viel Homeschooling geben."

© dpa-infocom, dpa:210907-99-126104/2

 

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