Nach Warnstreiks Bahn-Tarifkonflikt schwelt weiter

Die EVG hatte am Montag zu einem Warnstreik aufgerufen, der den Zugverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahmlegte. Foto: Friso Gentsch/dpa

Nicht nur am Bahnsteig, auch bei Tarifverhandlungen der Bahn gilt: Manchmal dauert es. Seit Tagen wird verhandelt - das birgt Unsicherheit für alle, die Reisepläne haben.

Berlin - Eine Woche vor der Weihnachtsreisewelle ist der Tarifkonflikt bei der Bahn noch immer nicht gelöst. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und das Management setzten ihre fünfte Verhandlungsrunde fort.

Dabei geht es vor allem um mehr Lohn und Gehalt für rund 160.000 Beschäftigte der Bahn. Ob ein Abschluss gelingt, blieb aber auch am dritten Tag der Gespräche in Berlin offen. Die Verhandlung dauerte am Abend noch an. Ein weiterer Warnstreik ist derzeit nicht angekündigt.

"Wir werden uns die Zeit nehmen, die nötig ist", sagte ein EVG-Sprecher. "Wir sind nach wie vor bemüht, ein Ergebnis am Verhandlungstisch zu erreichen." Eine Bahnsprecherin bestätigte: "Der Gesprächsfaden ist nicht abgerissen." Die Verhandlungen waren in der Nacht unterbrochen worden, am Vormittag beriet die Gewerkschaft zunächst intern.

Die EVG hatte am Montag zu einem Warnstreik aufgerufen, der den Zugverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahmlegte. Die Bahn legte der EVG und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Mittwoch ein neues Angebot vor, machte aber keine Details öffentlich.

Vor dem Warnstreik hatte der Konzern eine Einkommenserhöhung in zwei Stufen angeboten: 2,5 Prozent zum 1. März 2019, weitere 2,6 Prozent zum 1. Januar 2020, sowie eine Einmalzahlung von 500 Euro, bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten.

Das jetzt vorliegende Angebot sieht nach Angaben von GDL-Chef Claus Weselsky in der ersten Stufe ein Lohnplus von 3,2 Prozent vor - jedoch bei einer Laufzeit von 34 Monaten. Aus Weselskys Sicht ist das keine Verbesserung. Je länger die Laufzeit eines Vertrages ist, desto geringer fällt die effektive Lohnerhöhung auf ein Jahr gesehen aus.

Die GDL hatte schon am Mittwochmorgen die Verhandlungen für rund 36.000 Beschäftigte der Zugpersonals für gescheitert erklärt. Anders als die EVG kann die GDL im Moment aber nicht zu Streiks aufrufen. Laut einer Vereinbarung mit der Bahn muss es zunächst ein Schlichtungsverfahren geben.

Die Gewerkschaften waren vor zwei Monaten mit der Forderung von insgesamt 7,5 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen.

 

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