Jimi Hendrix zum 50. Todestag Musiker aus der Region über „den größten Gitarristen aller Zeiten“

Das musikalische Vermächtnis von Jimi Hendrix ist auch in der Region deutlich zu spüren. Wir haben zu seinem Todestag unter anderem mit Gitarrist und Gitarrenlehrer Andy Ruppert über seine Musik philosophiert. Foto: Collage Julian Heuschneider/Dieter Klar/dpa/idowa

Bereits vor seinem Tod vor 50 Jahren galt er als Gitarren-Gott. Danach erst recht. Die Erinnerung an Jimi Hendrix scheint noch immer lebendig. Auch sein musikalisches Vermächtnis? Wir haben mit Musikern aus der Region über den Schöpfer von „Purple Haze“ und „Voodoo Chile“ philosophiert.

Gitarrenlehrer und Musiker Andy Ruppert aus Straubing erinnert sich noch heute an seine erste Begegnung mit Jimi Hendrix. Anton-Bruckner-Gymnasium, Straubing, 1986. Der junge Andy schlägt sein Musikbuch auf. Auf einer der ersten Seiten: James Marshall, genannnt Jimi Hendrix, mit der Fender Stratocaster. Die Bildunterzeile sagt sinngemäß: „Für viele der beste Gitarrist der Welt“. Der Afroamerikaner auf dem Bild strahlt für Andy Ruppert die Coolness aus, die eben nur Gitarristen ausstrahlen. „Ein Jahr später hab ich selbst angefangen, Gitarre zu spielen. „Hey Joe“ war natürlich von der Akkordfolge her gigantisch“, erinnert sich Ruppert. Auch für ihn eines der ersten Stücke. Die Stratocaster ist noch heute Rupperts Lieblingsinstrument – „natürlich nicht nur wegen Jimi Hendrix.“ Das mit dem besten Gitarristen der Welt sieht Andy Ruppert heute übrigens als Blödsinn an: „Musik ist keine Sportart, das kannst du nicht messen, wie gut jemand darin ist. Aber das ist auch das Schöne.“

Damals war der legendäre Auftritt von Jimi Hendrix beim Monterey Pop Festival knapp 20 Jahre her und schon legendär, auch durch den frühen Tod des Musikers. Spielerisch hatte Jimi an diesem Abend fast alles vorgeführt, was ihn ausmacht: Die Vorliebe für unerwartete melodische Wendungen in Gitarrensoli, den Gitarrenverstärker, der quasi als eigenes Instrument benutzt wurde, dem mittels Rückkopplungen und unkonventioneller Spieltechniken Geräusche entlockt wurden, die damals wie heute nicht von dieser Welt scheinen. Zum Finale eine apokalyptische Version der Troggs-Nummer „Wild Thing“. Dann eine Szene, die anmutet wie ein okkultes Opferritual: Jimi Hendrix legt die Gitarre vor sich auf den Boden, in einem ekstatischen Tanz übergießt er die Gitarre mit Feuerzeugbenzin und wirft ein Zündholz auf die benzingetränkte Schlagplatte. Die Flammen lodern auf, während aus dem Verstärker der tausendfach per Bandecho gedoppelte Todesschrei der Gitarre erschallt.

Das Feuer von Monterey

Die in Flammen gesetzte Monterey-Strat war nicht die einzige Gitarre, die im Lauf von Jimis Karriere dran glauben musste. Andy Ruppert war als Nachwuchsgitarrist fasziniert von dem Gefühl, das der Halb-Indianer-Halb-Afroamerikaner Hendrix auf die Saiten brachte, eher abgestoßen allerdings von den ekstatischen und symbolhaft-selbstzerstörerischen Shows: „Was der Gitarren zusammengeschlagen hat… das empfand ich damals als uncool. Ich hab damals Zeitungen ausgetragen, um mir solche Gitarren kaufen zu können.“ Jimis Gitarren wären heute ein Vermögen wert, auch ohne prominenten Vorbesitzer.

Auch, wenn später von Gitarristen wie Eric Clapton noch größere Inspiration ausging – so wie die Flammen von Jimis Gitarre in den Monterey-Nachthimmel züngelten, blitzen immer wieder Jimi-typische Licks durch das Gitarrenspiel heutiger Gitarristen wie Andy Ruppert: „Die lange gehaltenen Bendings, die Seite erst ziehen, anschlagen und dann loslassen – das sind Stilmittel, die bei ihm erstmals so richtig prominent hervortraten. Ein Vibrato war vorher die Verzierung eines Tons. Bei ihm war es, als würde der Ton dadurch erst, was er ist.“ Heute, in einer Zeit in der verzerrte E-Gitarren die Chart-Musik erobert haben, ist das verblüffend: „Damals waren die verzerrten Gitarren bei Jimi Hendrix so ziemlich das Krasseste, was es bis dato zu hören gab. Man hört schon noch die Radikalität, mit der Hendrix seine Verstärker übersteuert hat. Aber gemessen an heutigen Hörgewohnheiten klingt es natürlich nicht mehr sonderlich brutal.“

Jimi über der Straubinger Rockszene

In Straubing stand Jimi vermutlich noch selbstverständlicher für Rock‘n‘Roll als anderswo. Sein Konterfei begleitete in der Stadt nicht nur Gitarristen, sondern mehrere Generationen von Nachtschwärmern: Ein im Stil des legendären Che-Guevara-Bildes überkontrastierter Jimi-Kopf war jahrzehntelang das Logo des „Roxy“ in der Rosengasse – in den Augen vieler heute noch Straubings einziger „echter Rockclub“.

Junge Gitarristen entdecken Jimi Hendrix noch immer bei ihren ersten Schritten auf dem Instrument. Beim Unterricht an der „A-R-T Musikschule“ in Straubing zeigt Andy Ruppert seinen Schülern Hendrix-Stücke wie „Foxy Lady“ oder „Purple Haze“: „Denen ist Hendrix zunächst kein Begriff. Die große Barriere, die zwischen ihm und uns liegt, ist die Aufnahmequalität“, sagt Ruppert. „Das klingt natürlich erst mal ziemlich abtörnend – aber der Aha-Effekt kommt, wenn man mal versucht, ihm hinterher zu spielen.“ So manch ein Schüler, der nach der Gitarrenstunde den Namen „Jimi Hendrix“ in sein Spotify tippt, bleibe eine Zeit lang bei den Liedern der „Jimi Hendrix Experience“ hängen.

Jimi lebt

Für Achim „Charly M“ Muckenschnabl, den ehemaligen Gitarristen der Charly-M-Band, hat der „Jimi-Hype“ womöglich eine Generation übersprungen: „Ich konnte mit ihm nicht viel anfangen, meine Vorbilder waren eher die Rock‘n‘Roller wie Chuck Berry oder Carlos Santana.“ Muckenschnabl hat mittlerweile die Gitarrenkarriere hinter sich gelassen, den musikalischen Staffelstab an seinen Sohn weitergereicht: „Mein Sohn ist 18 und spielt Schlagzeug. Mit seiner Band spielt er einige Hendrix-Nummern.“ Es sei faszinierend, wenn die Lieder von Musikern gespielt werden, die die Zeit Ende der 60er Jahre nur aus dem Geschichtsbuch kennen. „Aber kein Zweifel: Jimi lebt.“

Für Andy Ruppert ist die Essenz, die Musiker heute noch von Jimi Hendrix mitnehmen können, ganz einfach: „Was man von ihm lernen kann ist, mutig zu sein. Nicht konformistisch zu sein. Neues auszuprobieren und auf die eigene Kreativität zu vertrauen.“ Dann würde auch die zeitgenössische Popmusik wieder etwas spannender, „wenn sich junge Musiker einfach mehr trauen würden.“

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading