Interview mit ärztlichem Direktor Brisante Corona-Lage im Rottal

Im Landkreis Rottal-Inn hat sich die Lage an den Krankenhäusern wieder zugespitzt. (Symbolbild) Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild/dpa

Die Coronazahlen stiegen zuletzt im Rottal stark an. Auch die Kliniken im Landkreis blieben davon nicht verschont. Der ärztliche Direktor Dr. Klaus Kienle hat uns erzählt, wie er die Situation erlebt hat und beurteilt.

"Über den Sommer hinweg hat sich die Lage in den örtlichen Krankenhäusern entspannt", so Dr. Klaus Kienle im Telefoninterview. "Letztes Wochenende hatten wir dann ein ziemliche Zunahme an Corona-Patienten zu verzeichnen."

Nach einer kleinen Pause präzisiert er seine Aussage: "Intensivpflichtig wurden fast nur ungeimpfte Reiserückkehrer." Gerade das Thema Impfungen wird heiß diskutiert. Doch Dr. Klaus Kienle greift auf umfangreiche Erfahrungen zurück. "Geimpfte haben einen deutlich glimpflicheren Verlauf", so der Mediziner. "In der jetzigen Welle sind 90 Prozent der zu versorgenden Patienten nicht geimpft." Es sei überhaupt nur eine einzige geimpfte Patientin wegen ihrer Coronaerkrankung in der Klinik. "Die ältere Dame hat aber einen sehr milden Verlauf."

Besonders bedenklich findet Dr. Kienle das Durchschnittsalter der Patienten, die in den Rottal-Kliniken intensivmedizinisch versorgt werden müssen. 49 Jahre seien diese schwersterkrankten Patienten im Schnitt alt.

Wegen der aktuellen Entwicklungen im Rottal mussten bereits weitere Maßnahmen ergriffen werden. So müssen Besucher und Personal zum Beispiel jetzt wieder FFP2-Masken tragen. Es sei einfach sicherer. Aktuell neun Indexfälle im Krankenhaus, davon zwei auf Intensiv, so die Bilanz stundenaktuell.

Insgesamt ist Dr. Klaus Kienle aus zwei Gründen von der Impfung überzeugt. "Aktuell haben wir verstärkt junge, fitte und nicht vorerkankte Patienten, die lebensbedrohlich erkranken und nach ihrer Infektion langfristig gesundheitlich schwer beeinträcht bleiben" so der erfahrene Arzt. "Außerdem bekommen wir ohne die Impfung diese Pandemie nicht in den Griff." Ein "sozialer Auftrag", wie er es nennt.

Er bevorzugt insgesamt auch in manchen Situationen eher die 2G-Regel. Diese sei sicherer. "Mich würde allerdings auch interessieren, in welchem Zusammenhang Antikörperstatus, Infektanfälligkeit und Schweregrad des Verlaufs stehen." Doch hierfür gebe es noch keine zuverlässigen Zahlen.

 

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