Handball-WM "Ein großer Witz": Corona-Chaos überschattet den WM-Start

Norwegens Sander Sagosen hat die bisherige Organisation bei der Handball-WM massiv kritisiert. Foto: Gonzales Photo/imago

Der WM-Auftakt in Ägypten wird von zahlreichen Corona-Fällen überschattet, Teams wie die USA und Tschechien mussten bereits absagen.

Sander Sagosen war entsetzt. Schon am ersten Tag in der zuvor so gepriesenen Corona-Blase bei der WM in Ägypten hatte der Handball-Superstar genug. "Alles bis jetzt war ein großer Witz", schimpfte der Norweger vom Bundesliga-Topklub THW Kiel. In den ersten Stunden in Gizeh fühlte sich der 25-Jährige an den "Wilden Westen" erinnert, seine Mannschaft befinde sich in einem "Schockzustand".

Hätte die WM wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt werden müssen, wurde Sagosen am Mittwoch gefragt. "Ich war vorher nicht dafür und hatte große Hoffnungen", sagte der Rückraum-Spieler, der wie die deutsche Mannschaft mit seinen Norwegern im Fünf-Sterne-Hotel "Mena House" untergebracht ist. Aber so wie es derzeit laufe, "kann man die Frage danach stellen. Ich weiß nicht, ob man das überhaupt eine Blase nennen kann." Im Hotel würden die Menschen ohne Mundschutz ein und aus gehen, die Teams essen zusammen. Alle im Vorfeld abgegeben Versprechen würden nicht eingehalten.

Und so überschattet das Corona-Chaos weiterhin die XXL-WM mit 32 Teams am Nil. Schließlich sollte in der WM-Blase vor Ort ja alles besser werden, nachdem die USA und Tschechien schon abgesagt haben, immer neue Fälle aufploppen und es auch weiter Wirbel um den deutschen Gruppengegner Kap Verde gibt.

Am Sonntag soll die deutsche Mannschaft um Kapitän Uwe Gensheimer ihr zweites Gruppenspiel gegen Kap Verde bestreiten. Am Mittwoch kletterte das Team ohne sechs positiv getestete Spieler und ihren Cheftrainer in den Flieger nach Kairo, insgesamt habe es bei den letzten Corona-Tests beim Training in Lissabon in der Delegation elf positive Befunde gegeben, hieß es in einer Mitteilung.

Schweizer Schmid: "Gibt Argumente für und gegen die WM"

Für die USA (19 Coronafälle) und Tschechien (17) rücken nun erst einmal Nordmazedonien und die Schweiz um Weltklasse-Spielmacher Andy Schmid von den Rhein-Neckar Löwen nach. Er wisse, "dass es wegen der Corona-Situation Argumente für und gegen die WM gibt", sagte Schmid dem Mannheimer Morgen: "Aber ich muss das machen, ich muss diese WM spielen. Diese Chance habe ich wahrscheinlich nur dieses eine Mal in meinem Leben."

Sollten sich weitere Teams - bei Brasilien liegen sieben positive Fälle vor - wegen Corona zurückziehen müssen, stehen die Niederlande, Montenegro, Ukraine und Serbien als weitere Nachrücker bereit.

Damit die WM nicht in einem Desaster endet, hat die IHF ein umfangreiches Hygienekonzept inklusive einer Blase direkt nach der Ankunft auf dem Flughafen in Kairo erstellt. Der COVID-19-Vorsorgeplan umfasst 30 Seiten, darin wird festgehalten, dass Spieler, Funktionäre und Co. mindestens alle drei Tage auf Corona getestet werden - anfangs sollen sogar täglich PCR-Tests erfolgen. Kromer geht deshalb auch davon aus, dass sich die Corona-Lage beruhigt, wenn die "Blase geschlossen ist". Die bisher entdeckten positiven Fälle sind vor der Ankunft in Ägypten entdeckt worden.

Worst-Case-Szenario: Komplett neuer Spielplan oder Turnier-Modus

Sollten im schlimmsten Fall mehr als sechs Teams wegen Corona nicht spielen können, könnte laut Protokoll ein komplett neuer Spielplan oder sogar Turnier-Modus erstellt werden. Spiele sollen grundsätzlich nicht verschoben werden. Sollte eine Mannschaft wegen der COVID-Problematik die Partie verpassen, wird das Spiel als eine 0:10-Niederlage gewertet. Kann ein Team die ersten beiden Spiele nicht bestreiten, wird sie vom Turnier ausgeschlossen.

 

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