Gedenken Penzberger Mordnacht: 90.000ster Stolperstein verlegt

Weiße Rosen liegen neben zwei Stolpersteinen in Penzberg. Foto: Peter Kneffel/dpa

Zum Gedenken an die Penzberger Mordnacht hat der Künstler Gunter Demnig am Mittwoch Stolpersteine für die Opfer der Nationalsozialisten verlegt. Darunter sei auch der 90.000ste Stolperstein seit Beginn der Aktion in den 1990er Jahren, sagte Demnig. Insgesamt 18 Messingplatten werden in der oberbayerischen Kleinstadt vor den einstigen Wohnungen der NS-Opfer verlegt.

In der Nacht vom 28. auf 29. April 1945 hatten Hitler-Anhänger 16 Menschen getötet, unter ihnen eine schwangere Frau - dieser wurde der 90.000ste Stolperstein zuerkannt. Zwei weitere Menschen wurden verfolgt und verletzt, überlebten aber. Zuvor hatte eine Gruppe um den vormaligen Bürgermeister Hans Rummer den von den Nazis eingesetzten Bürgermeister abgesetzt und versucht, eine friedliche Übergabe der Stadt an die US-Truppen zu erreichen.

Rummer und sieben Mitstreiter wurden von den Nazis erschossen. Weitere acht Menschen wurden danach in einer "Strafaktion" ermordet. Die Penzberger Mordnacht wurde zum Begriff eines der grausamsten Verbrechen in der Endphase des untergehenden NS-Regimes.

Der Penzberger Stadtrat hatte sich einstimmig für die Stolpersteinaktion ausgesprochen. Damit werde die große Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag nachgeholt, die 2020 wegen Corona ausgefallen war, sagte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU).

Das 1996 gestartete Stolperstein-Projekt des 1947 in Berlin geborenen Künstlers Gunter Demnig gilt als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Die Steine, die auf der Oberseite kleine Messingplatten mit den Namen der Opfer tragen, werden vor deren einstigen Wohnungen im Straßen- oder Gehwegpflaster verlegt - meist von Demnig selbst. Unterdessen gibt es sie den Angaben zufolge in hunderten deutschen Kommunen und in über 20 Staaten Europas.

Die Stolpersteine seien weithin bekannt und setzten ein Zeichen, sagte Bürgermeister Korpan. "Man wird tagtäglich erinnert: Hier hat jemand gelebt. Hier hat Geschichte stattgefunden." Kritiker der Stolpersteine argumentieren, die Opfer würden so mit Füßen getreten. Korpan sieht anders: "Selbst wenn man drauf steigt: Es macht dem Stein nichts. Auch das hat Symbolwert."

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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