Gäubodenvolksfest Geisterstunde im "Trumm vom Paradies"

Je später der Abend, desto mehr Scherben landen vor den Bars am Festplatz auf dem Boden. Foto: Stefan Karl

Flirtwillige Volksfestbesucher, laute Musik, ein Boden voller Glasscherben: An den Bars auf dem Gäubodenvolksfest beginnt der Volksfestabend erst dann richtig, wenn in den Festzelten der Bierhahn zugedreht wird. Wir haben uns an einem Abend einmal umgesehen, was auf dem Festgelände nach 23 Uhr los ist.

Der nahende Schankschluss in den Zelten macht sich an den übrigen Alkohol-Quellen am Festgelände bereits eine halbe Stunde vor Mitternacht bemerkbar. Rund um die Volksfestbars tummeln sich die feierwütigen Volksfestbesucher und tauschen die Mass Bier gegen Cocktailgläser. Während „Anfänger“ sich schüchtern am Rande des Geschehens herumdrücken, setzen sich die Profis gleich vorne auf die Barhocker und an die „Fass-Tische“. Proseccoflöten machen die Runde, der Geschmack der letzten Mass Bier wird mit Sprudel heruntergespült. Zwischen den Tischen tanzen eng aneinandergepresst Dirndl- und Lederhosenträger zu Ballermann-Musik.

Der Profi-Volksfestbesucher muss hart im Nehmen sein – und daheim zumindest ein Ersatzoutfit hängen haben. Denn wenn nicht schon im Festzelt ein Gast seine fettigen Grillhendlfinger am neu gekauften Dirndl abwischt, dann landet mit Sicherheit die Hälfte des Cocktails auf dem Weg aus dem Gedränge um die Bar auf der teuren Tracht. Bereits jetzt ist der Modetrend für das Gäubodenvolksfest 2020 absehbar: Für die edlen Satindirndln und handgefertigten Lederhosen gibt es dann abwischbare Schürzen und „Trachtenponchos“ mit Maßkrügen und Riesenrädern darauf.

Tanzend über Glasscherben

Für Flirtwillige ist der Trubel rund um die Bar ideal. Nirgends kann man so subtil Körperkontakt herstellen wie beim Gruppenkuscheln um die Theke. Besonders bewährt haben sich dabei der sanfte Rempler an die Schulter beim Vordrängeln oder der ausgefahrene Ellbogen beim Rückweg von der Bar. Wer dann noch die richtigen Worte findet oder seinem Schwarm ein Liedchen im Takt der Ballermann-Musik trällert, der geht am Abend sicher nicht alleine nach Hause. Und wem der Weg vom Volksfest nach Hause zu weit ist, der fragt ganz einfach direkt: „Wartst halt am Klo auf mi“.

Wenn sich gegen Mitternacht die Zelte leeren, herrscht immer noch Hochkonjunktur bei den Bars am Festgelände. Der mit Glassplittern bedeckte Boden unter den Füßen des Partyvolks knirscht bei jedem Schritt. Gegenüber kicken zwei Betrunkene einen kaputten Regenschirm über den Festplatz. Etwas abseits tanzt ein Volksfestbesucher mutterseelenallein hinter einem Schild mit Sicherheitshinweisen Sirtaki.

Von der Bar zur After-Volksfestparty

Inzwischen ist es halb eins. Der Festplatz leert sich zusehends, an den Bars verstummt die Musik. Ein Barkeeper zieht langsam die Vorhänge vor der Bar zu. Zapfenstreich. Eine Gruppe Feuerwehrleute aus Regensburg macht sich bereit zur Weiterreise. Mit dem Feuerwehrbus soll es zur After-Volksfestparty gehen. „Unsere Kumpel ham bei da Bar no paar Mädels kennen glernt. De packma a ei“, erklärt einer der Männer stolz. Platz sei im Bus ja noch genug.

Nur wenige Meter weiter verlässt ein Liebespaar das Festgelände. Die Choreographie, die die beiden vorführen, hat wohl fast jeder schon einmal getanzt. Sie trippelt stur gerade aus, die Schultern nach oben gezogen, der Tränen verschleierte Blick nach vorne gerichtet. Er folgt ihr, tanzt einmal rechts und einmal links an ihr vorbei, überholt sie, geht zurück, versucht mit ihr zu reden. Gelegentlich versucht er, ihr die Hand auf die Schulter zu legen. Immer wieder schlägt sie sie weg.

Dann beginnt der Tanz von vorne – inmitten eines Spalier aus Menschen, die die beiden wankenden Gestalten noch begleiten, als sie Richtung Innenstadt verschwinden. Und dann ist der Platz vor dem Riesenrad leer. Die Lichter erlöschen, zurück bleiben leere Becher und zerknüllte Servietten und nur der Teppich aus Glasscherben erinnert an die Geschichten und Dramen, die sich nach Schankschluss auf dem Festplatz zugetragen haben.

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