Freischreiben Unter die Haut: Elisa Neumeier hat das Menschenmuseum in Berlin besucht

In der Ausstellung „Körperwelten“ sind echte Körperstücke und Organe ausgestellt. Foto: privat

Wie im Horrorfilm: Menschen bestaunen Menschen, denen die Haut abgezogen wurde. Zu sehen sind all ihre Muskelfasern, teilweise auch ihr Gehirn. Ein Mensch, an dem noch alles dran ist, ist Elisa Neumeier (16). Sie war im Menschenmuseum in Berlin.

Vor mir kniet ein erwachsener Mann und starrt mit ernstem Blick ins Leere. Ich kann jede Sehne und jeden Muskel seines ganzen Körpers sehen und sogar berühren. Er fühlt sich an, als wäre er aus Plastik, aber das war tatsächlich einmal eine lebende Person. Sein Körper wurde nach dem Tod konserviert und steht heute im Menschenmuseum in Berlin.

Ich gehe weiter durch den abgedunkelten Raum mit einem Audioguide im Ohr und informiere mich per Knopfdruck über die einzelnen Ausstellungsstücke.

In diesem Museum, das von der bekannten Ausstellung „Körperwelten“ ausgeht, sind echte Körperstücke und Organe ausgestellt, die durch einen chemischen Prozess konserviert werden konnten. Diesen Vorgang nennt man Plastination, da die Menschen in einem flüssigen Kunststoff eingelegt und anschließend durch ein bestimmtes Licht oder Gas ausgehärtet werden. Vorher wird ihnen die Haut abgezogen und Fett- und Bindegewebe entfernt. Pro Stück erfordert dies rund 1500 Arbeitsstunden und ist meist erst nach einem Jahr abgeschlossen.

Ganze Körper mit allen Muskeln, Sehnen und Nervensträngen des Menschen von Frauen und Männern kann ich bis ins letzte Detail anschauen, bestaunen und einzelne sogar anfassen. Und ich bekomme noch tiefere Einblicke. Einem Mann wurde ein Teil der Schädeldecke entfernt und eine weiß-graue, verzweigte Masse ist darunter zu sehen: sein Gehirn. Als ich meinen Weg durch die Ausstellung fortsetze, entdecke ich weitere Organe und Körperteile in Glaskästen. Neben jedem Vorzeigemodell liegt zum Vergleich eine kranke oder alte Version.

Besonders einschüchternd finde ich den Vergleich zwischen der gesunden und der gefleckten, zusammengeschrumpften Raucherlunge. Ein Herz mit künstlicher Herzklappe und viele andere Erkrankungen wie Krebs oder Folgeerscheinungen von schlechter Ernährung sind ebenfalls kein schöner Anblick, aber auf jeden Fall sehenswert.

Ausgestellt ist nahezu jede Lebensphase des Menschen – vom winzig kleinen Embryo, der gerade so groß ist wie ein Tennisball, bis über Knieprothesen und Alzheimergehirn. Bei diesem sind im Gegensatz zu den gesunden, grauen Zellen die Furchen breiter, da das Gehirn mit der Zeit schrumpft.

Zwischendrin gibt es auch einzelne Stationen, an denen ich selbst aktiv werden und meinen Blutdruck oder Stresspegel messen kann. Dazu umschließe ich mit meiner Hand eine Kugel, die sich in meinem Fall grün färbt. Ich bin entspannt. Im letzten Teil der Ausstellung schaue ich mir einige Videos und Grafiken an. Mir wird bewusst, dass wir unserem Körper nicht nur durch Alkohol und Nikotin schaden, sondern auch durch Stress oder den Wunsch nach mehr Besitz.

Jetzt bin ich am Ende angelangt und bekomme einen Zettel, auf dem ich meine neuen Vorsätze, wann ich das letzte Mal glücklich war oder Dinge, die mir Stress bereiten, festhalte und an einem Fadengeflecht aufhänge. Nachdem ich meine Tour durch die Körperwelten beendet habe, weiß ich mein Leben und einen gesunden Körper wieder mehr zu schätzen.

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