Freischreiben Ein wildes Huhn erzählt: Michelle von Treuberg im Interview mit Laura Schindler

Michelle von Treuberg ist durch die Kinofilme „Die Wilden Hühner“ bekannt geworden. Foto: Kim-Lena Sahin

Für Laura Schindler (24) ist Sprotte von den „Wilden Hühnern“ das absolute Kindheitsidol. Deshalb hat sie die Schauspielerin Michelle von Treuberg getroffen, die diese jahrelang gespielt hat. Ein Gespräch über Castings, Studium und Zukunftswünsche.

Sei nicht wie Annika, sei wie Pippi – frech, wild und wunderbar!“ Kennt ihr den Spruch? Ich mag Pippi Langstrumpf und Astrid Lindgren sehr gerne. Doch meine Lieblinge unter den Kinderfilmen meiner Generation sind die „Wilden Hühner“, basierend auf den Büchern von Cornelia Funke. Und dort war Sprotte die Pippi. Ich wollte immer sein wie Sprotte: eine Bande anführen, Jungs hassen und dabei gut aussehen. Michelle von Treuberg hat all das erlebt. Sie hat Sprotte über Jahre hinweg verkörpert und ihr in den Filmen ihr Gesicht geliehen. Noch heute wird sie den „Sprotte-Stempel“ nicht ganz los. Im Interview sprechen wir darüber, wie sie durch Zufall zur Schauspielerei kam, wie es nach ihrem Studium in Passau für sie weiterging und ob es die „Wilden Hühner“ im echten Leben noch gibt.

Hi, Michelle, stell dich doch bitte kurz vor!

Michelle von Treuberg: Hi, ich bin Michelle, 27 Jahre alt und komme aus der Nähe von München. Einige kennen mich vielleicht noch von früher als Sprotte von den Filmen über die „Wilden Hühner“.

Was hat dich im Leben am meisten geprägt?

Michelle von Treuberg: Ich glaube, das war mein erster Drehtag überhaupt, als ich elf Jahre alt war – neben Sebastian Koch und Tobias Moretti. Da war ich natürlich total aufgeregt. Eine Casting-Direktorin, Rita Serra-Roll, hatte mich in meinem Reitstall angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, mal zu dem Casting für den Film „Speer und er“ zu kommen. Ich habe gar nicht groß darüber nachgedacht, bin hingegangen und habe überraschenderweise tatsächlich die Rolle bekommen. Über Rita bin ich dann auch zu den „Wilden Hühnern“ gekommen und erst nachträglich in den Castingprozess eingestiegen. Es folgten einige Runden in verschiedenen Konstellationen, bis wir alle final besetzt waren. Es wurde zum Beispiel auch mit mir und Lucie Hollmann zwischen den Rollen Frida und Sprotte getauscht. Meine Schauspielkarriere hat sich also irgendwie durch viel Glück, Zufall und vielleicht auch Schicksal ergeben.

Was waren dein höchstes Hoch und dein tiefstes Tief?

Michelle von Treuberg: Das ist schwer zu beantworten, ohne sehr persönlich zu werden. Ich denke, mit das höchste Hoch waren schon die Erlebnisse bei den Dreharbeiten zu den „Die Wilden Hühner“-Filmen: Drei Monate über die Sommerferien von 8 bis 20 Uhr durcharbeiten, nach der Arbeit noch den Text für den nächsten Tag lernen und dann wieder zurück in die Schule. Dazu die plötzliche Bekanntheit in der Schule und auf der Straße – damit hatten wir alle nicht gerechnet. Viele schreiben mir ja heute noch zu den Filmen. Es ist für mich schön zu sehen, dass doch einige einen Teil ihrer Kindheit oder Jugend damit verbinden. Das tiefste Tief war für mich der Verlust meiner Mama. Da war ich gerade erst 14 Jahre alt.

Wieso hast du in Passau studiert?

Michelle von Treuberg: Nach dem Abitur habe ich mir einen lang ersehnten Wunsch erfüllt. Ich habe mit einer Freundin eine Weltreise gemacht. Das konnte ich mir glücklicherweise durch die Arbeit am Filmset leisten und ein bisschen die Zeit nutzen, bevor ich mich für das Studium entschieden habe. Mein großer Bruder hat mich dann dazu inspiriert, nach Passau zu gehen. Er hat dort auch studiert und ich habe ihn oft besucht. Letztlich habe ich mich für den Studiengang „European Studies“ entschieden, wegen der Internationalität. Ich spreche gerne verschiedene Sprachen und bin auch zweisprachig aufgewachsen. Denn mein Papa ist Engländer.

Wie geht es jetzt weiter mit der Schauspielerin in dir?

Michelle von Treuberg: Nach meinem Bachelor 2015 habe ich erst einmal begonnen, im Bereich „Human Resources“ (Anm.d.Red.: gemeint ist hier das Personalwesen von Unternehmen) zu arbeiten, auch um mir ein sicheres zweites Standbein aufzubauen. In all der Zeit habe ich aber schon gemerkt, dass mir die Schauspielerei sehr fehlt und beschlossen, dass ich neben einem klassischen Bürojob wieder spielen möchte. Ich bin der Typ Mensch, der lieber auf Nummer sichergeht. Und das wurde mir auch schon bei meinem ersten Film ans Herz gelegt.

Was sind deine persönlichen Wünsche?

Michelle von Treuberg: Mein langfristiger Wunsch ist es, nur noch als Schauspielerin zu arbeiten. Ich bin aber ganz realistisch und wünsche mir fürs Erste einfach, dass ich wieder mehr Projekte machen kann. Gerne würde ich noch einmal historisch drehen, also ein paar Jahrhunderte zurückgehen in der Geschichte. Ich liebe es, durch ein Filmprojekt mehr über das Zeitgeschehen zu lernen oder wenn mich ein Film zum Nachrecherchieren anregt. Für mein persönliches Umfeld wünsche ich mir, dass es besonders meiner Familie und meinen Freunden gut geht, das ist für mich sehr wichtig.

Was wolltest du schon immer mal loswerden?

Michelle von Treuberg: Wenn ich hungrig bin, sollte man mir lieber aus dem Weg gehen (lacht).

Gibt es die „Wilden Hühner“ im echten Leben noch?

Michelle von Treuberg: Ja, klar, die gibt es noch! Mit Lucie Hollmann, also Frida, bin ich nach wie vor sehr gut befreundet, auch die anderen habe ich immer mal wieder gesehen in den vergangenen Jahren. Wir wollten auch schon ewig eine Reunion machen, das müssen wir mal planen. Ein Teil ist ja auch der Filmwelt treu geblieben wie Jeremy Mockridge, Zsà Zsà Inci Bürkle, Sonja Gerhardt oder Vincent Redetzki.

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