Experte im Interview Das kostet Energie und Geld: Die größten Fehler beim Heizen

In der kalten Jahreszeit müssen Heizungen Höchstleistungen verrichten. Doch in der Anwendung werden häufig Fehler gemacht, die Energie und Geld kosten. (Symbolbild) Foto: Ole Spata, dpa

Zumindest meteorologisch hat der Winter in Deutschland schon begonnen. Die Temperaturen purzeln, der erste Schnee ist da. Doch mit Winterspaß ist wegen des Corona-Lockdowns in diesem Jahr nicht viel. Da man dadurch zwangsläufig viel Zeit zu Hause verbringt, laufen die Heizungen vielfach wieder auf Anschlag. Dabei werden viele Fehler gemacht, die täglich nicht nur jede Menge Energie, sondern auch Geld kosten. Idowa hat deshalb bei einem Experten nachgehakt: Dipl.-Ing. Jörg Schütz. Er ist Geschäftsführer Technik beim Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Bayern.

Herr Schütz, viele Menschen stellen ja Möbelstücke oder andere Gegenstände vor ihre Heizkörper. Wieso sollte man das eher nicht machen?

Jörg Schütz: Heizkörper arbeiten nach zwei Prinzipien der Wärmeabgabe, mit Abstrahlung und Luftzirkulation. Beides wird zum Beispiel durch eine Couch oder einen Vorhang direkt vor dem Heizkörper sehr eingeschränkt. Das hat mehrere Folgen. Dort kommt es zu einem Wärmestau, die warme Luft kann sich im Raum nicht gut verteilen und nicht vollständig genutzt werden. Die Heizwärme geht dann insbesondere bei schlecht gedämmten Wänden nach außen verloren. Wegen der fehlenden Luftzirkulation durch den Wärmestau wird außerdem der Heizkörperthermostat in seiner Funktion behindert und regelt den Heizkörper herunter, ohne, dass das Zimmer richtig warm ist.

Die Heizung über Nacht oder tagsüber, wenn niemand im Haus ist, ganz ausschalten. Ist das ratsam? Viele Leute denken ja, dadurch würde man Energie und damit auch Geld sparen...

Schütz: Man sollte die Wohnung bei Abwesenheit nicht zu sehr auskühlen lassen. Die Absenkung kann durch die danach benötigte nicht unerhebliche Energie zum Hochheizen sogar unwirtschaftlich sein. Je nach Gebäudedämmung besteht dort bei zu großer Abkühlung der Oberflächen nach außen die Möglichkeit eines Feuchtfilms, der zu Schimmel führen kann. Weniger wie Stufe 2 sollte die Einstellung am Thermostatkopf bei Abwesenheit nicht sein.

Wie sollte das richtige Verhältnis zwischen Heizen und Lüften sein?

Schütz: Das regelmäßige Lüften ist wichtig, um die Luftfeuchtigkeit im Raum durch Personen, Kochen, Duschen oder ähnlichem wegen der Schimmelproblematik herabzusetzen. Mehrere Male am Tag, je nach Feuchtebelastung, sollte man fünf bis zehn Minuten mit zwei offenen Fenstern querlüften. Insbesondere im Winter bekommt man zwar kalte, aber in der Regel trockene Luft in die Räume. Die Heizkörperthermostate werden während des Lüftens geschlossen. Beim Dauerlüften mit gekippten Fenstern geht bei geöffnetem Heizkörperventil zu viel Energie direkt nach draußen verloren.

Wäsche auf der Heizung trocknen lassen...

Wie sieht es denn mit frisch gewaschener Wäsche aus, die man auf dem Heizkörper trocknen lässt. Wirkt sich das negativ auf die Heizleistung aus?

Schütz: Wäsche auf dem Heizkörper hat zwei Effekte. Der Heizkörper ist in seiner Funktion behindert und die Luftfeuchtigkeit im Raum steigt eventuell zu sehr an. Wenn man die Feuchtigkeit nicht aus dem Raum bringt, sammelt sie sich an den kältesten Stellen im Gebäude, zum Beispiel an Fenstern, ungeheizten Räumen, schlecht gedämmten Wänden oder Ecken.

Welcher Temperatur entsprechen eigentlich die jeweiligen Zahlen auf dem Thermostat?

Schütz: Zwischen den einzelnen Zahlen besteht circa 4 Grad Celsius Temperaturunterschied. Stufe 1 bedeutet 12 Grad Celsius, Stufe 2 bedeutet 16 Grad Celsius, Stufe 3 bedeutet 20 Grad Celsius, Stufe 4 bedeutet 24 Grad Celsius und Stufe 5 demnach 28 Grad Celsius. Die meisten Heizkörperthermostate, zum Beispiel in Wohn- und Kinderzimmer, in der Küche oder im Esszimmer, sind auf Stufe 3 eingestellt. Im Bad bietet sich Stufe 4 an.

"Thermostat auf volle Pulle leert den Geldbeutel"

Es gibt ja genügend Menschen, denen ständig kalt ist. Aber wie wirkt sich das auf die Heizleistung aus, wenn der Heizkörper die ganze Zeit über komplett aufgedreht ist?

Schütz: Wie gesagt entspricht Stufe 5 am Thermostat etwa 28 Grad Celsius. Der Heizkörper versucht also ständig diese Raumtemperatur zu erreichen, das ist sehr unwirtschaftlich. Man sagt, eine 1 Grad Celsius höhere Raumtemperatur kostet circa 6 Prozent mehr Energie. Es bringt übrigens auch nichts, den kalten Heizkörper auf Stufe 5 aufzudrehen. Man heizt nicht schneller, sondern nur länger. Fazit: Thermostat auf „volle Pulle“ leert den Geldbeutel.

Sollte man jeden Raum idealerweise gleich beheizen? Oder gibt es Räume, zum Beispiel das Badezimmer, in dem mehr Feuchtigkeit besteht, in denen man anders heizen sollte?

Schütz: Es liegt natürlich immer an jedem einzelnen, wie die Einstellungen an der Heizung für ihn am besten passen. Aber es gibt die gebräuchlichen Circa-Werte, mit denen eine Heizung üblicherweise betrieben wird. Da wären 15 Grad Celsius im Flur, Wohnzimmer, Kinderzimmer und Esszimmer, Küche mit 20 Grad Celsius, im Bad 24 Grad Celsius und im Schlafzimmer 16 bis 18 Grad Celsius. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass man in der kalten Jahreszeit im Wohn- und Kinderzimmer aus Komfortgründen auch mal etwas darüber liegen kann. Dasselbe gilt für die Zeit der Benutzung des Bades.

Es besteht ja so die gängige Meinung, dass man nicht gleichzeitig heizen und lüften sollte. Ist das korrekt oder ein Irrglaube?

Schütz: Das ist korrekt. Wie schon gesagt, Stoßlüften bei geschlossenen Heizkörperventilen, Fenster schließen und Heizkörper zum Beispiel wieder auf Stufe 3 stellen.

Hätten Sie noch einen Tipp zum Schluss, wie man Problemen mit der Heizung am besten vorbeugt?

Schütz: Heizungen müssen regelmäßig gewartet werden. Wenn die Heizung in die Jahre gekommen ist, gibt es seit Anfang des Jahres 2020 hochinteressante Förderungen in Form von Zuschüssen, also Bargeld für eine neue energiesparende Heizung. Die Frage, wie es mit den Förderungen weitergeht, stellt sich immer. Deswegen sollte man diese Möglichkeiten mit einer Fachfirma prüfen und sich beraten lassen.

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