Essay Elternsein zu Zeiten von Corona und Affenpocken

Ein Essay über die Sorgen, die sich Eltern über die Kindergesundheit machen. (Symbolbild) Foto: dpa

Der Mechanismus der Medizin läuft an, sobald ein Paar den Wunsch entwickelt, eine Familie zu gründen. Von diesem Zeitpunkt an gilt es, entsprechende Vitamine und Spurenelemente zu konsumieren, Rote-Beete-Saft zu schlürfen und eine gesundheitlich förderliche Umgebung für den hoffentlich bald erscheinenden neuen Erdenbürger zu schaffen. Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, man sei hierbei einer Marketingstrategie anheimgefallen. Doch weil man für den ersehnten Nachwuchs das Beste will, macht man mit. Corona, Affenpocken und Co. tragen nicht gerade zur Entspannung bei.

Wann immer ich an ein Verkaufsgespräch zur Matratze für unser erstes Kinderbett zurückdenke, muss ich mich jedoch ärgern. Ließ ich mir doch tatsächlich eine völlig überteuerte Luxus-Liegefläche aufschwatzen, weil der Verkäufer versehentlich beiläufig den „plötzlichen Kindstod“ bei nicht perfekt abgestimmter Polsterphilosophie ins Spiel brachte. Echte Besorgnis? Wohl nur auf Elternseite …

In den ersten Lebensjahren des Nachwuchses geht es von U-Untersuchung zu U-Untersuchung, von Impftermin zu Impftermin. Anfangs voller Eifer kehrt mit den Jahren oftmals eine gewisse Skepsis ein. Ist das alles wirklich nötig? Braucht es wirklich alle Impfungen, und muss es so früh sein? Gedanken, die die meisten Eltern irgendwann abwägen.

Jüngst las ich jedoch in der Juni-Ausgabe der „Bild der Wissenschaft“ von einer Frau, die im Jahr 1912 stolz berichtet haben soll, dass von ihren 14 Kindern „bloß sieben“ gestorben sind. Bloß sieben. Ich forsche weiter nach. Laut UNICEF liegt die Kindersterblichkeit in Deutschland derzeit bei 0,4 Prozent.

Ich komme bei diesen beiden Informationen ins Grübeln. Eine Momentaufnahme, klar. Statistisch nicht erschöpfend behandelt, auch richtig. Aber mich hat es neu geeicht.

Plötzlich fühle ich mich wohl in Deutschland. Eine angenehme Zufriedenheit erfüllt mich, weil wir ein in seiner Grundstruktur noch funktionierendes Gesundheitssystem haben. Es ist nicht perfekt. Aber es ist gut. Denn was ich während meiner Recherchen auf der Website der UNICEF alles gelesen habe, darüber möchte ich gar nicht schreiben. Ich hätte es lieber „ungewusst“.

Welche Form der Versorgung man für sich und seine Lieben wählt, bleibt jedem selbst überlassen. Es gibt Argumente für Naturheilverfahren, auch Gründe für Schulmedizin. Doch was ich allen Kindern weltweit wünschen würde, ist ein Leben frei von Armut, Hunger und Seuchen. Und Eltern, die sich aufrichtig um ihr Wohl sorgen. Oder um die Website der UNICEF zu zitieren: „Jedes Kind, überall auf der Welt, hat ein Recht auf Überleben und gesundes Aufwachsen. So steht es in der UN-Kinderrechtskonvention, die 2019 ihren 30. Geburtstag feierte.“

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