Erlangen Gab es ungenehmigte Tierversuche an einer Uniklinik?

An 114 Schweinen und 26 Hunden sollen illegale Tierversuchen durchgeführt worden sein. (Symbolbild) Foto: Carmen Jaspersen/dpa

An der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgischen Universitätsklinik in Erlangen sollen laut Verein "Ärzte gegen Tierversuche" über mehrere Jahre illegale Versuche durchgeführt worden sein. Der Verein hat Strafanzeige gegen Forscher wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Sowohl Uniklinik als auch die Regierung von Unterfranken weisen die Vorwürfe zurück.

Schweinen sollen Löcher in den Schädel gebohrt und diese mit künstlichen Materialien gefüllt worden sein. Beagle-Hunden sollen bis zu zwölf Backenzähne aus dem Ober- und Unterkiefer gezogen worden sein, um Implanate einzubringen. Zum Teil sollen bewusst Entzündungen des Zahnfleisches und des Kiefers hervorgerufen worden sein, indem Bauwollfäden um die Implantate gelegt wurden, in denen sich Bakterien ansiedelten. „Die Tiere, die in den leidvollen und unsinnigen Versuchen gestorben sind, kann man nicht wieder lebendig machen", befindet Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von "Ärzte gegen Tierversuche". 

Es geht um Versuche an insgesamt 114 Schweinen und 26 Beagles. Die Ergebnisse wurden in Fachjournalen veröffentlicht. Dabei seien Widersprüche bei elf Publikationen aus den Jahren 2011 bis 2017 aufgefallen. Mehrfach sollen identische Genehmigungsnummern für unterschiedliche Versuche angegeben worden sein. Die gleiche Nummer soll mal der Regierung von Oberbayern zugeordnet worden sein, mal einer Behörde in Budapest. In einem Artikel hieß es, die Versuche seien in Ungarn genehmigt, aber an der FAU durchgeführt worden. Ein anderes Mal kam der Schweinelieferant aus der Nähe von Erlangen, die Versuche seien aber in Ungarn durchgeführt worden. „Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Schweine nach Ungarn transportiert wurden, um dort die Versuche durchzuführen“, meint die Tierärztin Gericke.

Universität spricht von Irrtum

Die Universität streitet die Vorwürfe ab. Laut Unterlagen des Sachgebiets Tierschutzangelegenheiten der FAU habe es seit 2001 weder Versuche an Beagle-Hunden noch an Schweinen gegeben, so Pressesprecherin Dr. Susanne Langer. Es handele sich offensichtlich um an ungarischen Partnerinstitutionen durchgeführte und dort genehmigte Versuche. Dass die FAU damit in Zusammenhang gebracht werde, sei eine "möglicherweise fehlerhafte Angabe in den Publikationen."

Die Tierversuchsgegner haben über einen Zeitraum von fast zwei Jahren versucht, die Unstimmigkeiten aufzuklären, erhielten aber nach eigenen Angaben keine oder unbrauchbare Antworten von Behördenseite. Was sagt die zuständige Regierung von Unterfranken zu dem Thema? "Wir sind insbesondere bei dem heiklen Thema der Tierversuche äußerst transparent", so Pressesprecher Johannes Hardenecke gegenüber idowa. Zwischen 2007 und 2012 habe es nachweisbar keine Tierversuche gegeben, der Zeitraum zwischen 2013 und 2018 werde derzeit überprüft. Dass diese Überprüfung schon etwas länger dauert, räumt Hardenecke ein.

Die Tierschützer indes wollen der Sache nun auf den Grund gehen. "Wir müssen dafür sorgen, dass Experimentatoren nicht ungeschoren davonkommen, wenn sie die ohnehin schon viel zu laschen Gesetzesvorgaben nicht einhalten“, so Tierärztin Gericke. Nun sei es an der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Ermittlungen einzuleiten und gegebenenfalls Anklage zu erheben. Trotz mehrmaliger idowa-Anfrage konnte die Staatsanwaltschaft unter Verweis auf die große Anzahl an Anzeigen nicht bestätigen, dass eine entsprechende Strafanzeige eingegangen ist.

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