DJK Vilzing André Luge: Spaßvogel und Instinktfußballer

André Luge spielt seine zweite Saison bei der DJK Vilzing und fühlt sich pudelwohl in Verein und Landkreis. Foto: Fabian Roßmann

Vor fast zwei Jahren hat André Luge seine Profikarriere beendet und ist in die Bayernliga zur DJK Vilzing gewechselt. Hier fühlt er sich pudelwohl und verfolgt mit dem Verein klare Ziele.

Es läuft die dritte Minute der Nachspielzeit in der Partie der DJK Vilzing gegen die U21 des TSV 1860 München am vergangenen Samstag. Es steht 1:1, als es kurz vor dem Strafraum noch einmal Freistoß für die Gastgeber gibt. André Luge legt sich den Ball zurecht. Schiedsrichter Marco Öttl sagt ihm, dass der Freistoß die letzte Aktion der Partie sein werde. Luge läuft an und verwandelt ins lange Eck. 2:1! Heimsieg! Jubel in Schwarz und Gelb!

„Lugo“, wie er von seinen Mannschaftskollegen genannt wird, „ist immer für einen Geniestreich gut und kann das gewisse Etwas ausmachen“, sagt sein Trainer Christian Stadler. In der Tat hat Luge in seinen nun fast zwei Jahren bei der DJK Vilzing seine Extraklasse auf dem Niveau der Bayernliga unter Beweis gestellt. „In diesem Fall sprechen die Zahlen für sich“, sagt Stadler. 18 Treffer hat er in der vergangenen Saison erzielt, deren 13 sind es schon wieder in dieser Spielzeit. Kein anderer Spieler im DJK-Dress trifft so oft und so zuverlässig wie Luge.

"Außergewöhnliche Fähigkeiten" für die Bayernliga

Der 28-Jährige ist ein Unterschiedsspieler, ein Offensivmann für die besonderen Aktionen. In den vergangenen vier Spielen hat Vilzing dreimal gewonnen – und dreimal erzielte Luge den am Ende entscheidenden Treffer. „André ist ein Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten für unsere Liga“, findet der Sportliche Leiter Roland Dachauer. „Er beweist auch in der aktuellen Situation, dass er Spiele entscheiden kann.“

Der gebürtige Chemnitzer ist angekommen in Vilzing und in der Oberpfalz. Während seiner Profikarriere hat der Offensivakteur bei keinem Verein länger als zwei Jahre am Stück gespielt. In Vilzing hat er kürzlich einen Vertrag bis 2023 unterschrieben und wäre bei Ablauf dieses Vertrags sechs Jahre in Vilzing. Als nach zwei Jahren seine Zeit bei Jahn Regensburg zu Ende ging, wollte Luge in der Region bleiben. Vilzing kannte er bis dahin nicht, wurde dann aber relativ schnell vom Verein überzeugt und hatte „Lust, Teil dieses Clubs und des Weges zu sein.“

Für Luge war es anfangs schon eine Umstellung. Als Ex-Profi wurde in der Bayernliga besonders auf ihn geachtet. „Jeder erwartet, dass du herausstichst und besondere Sachen machst“, sagt er. „Aber darauf kommt es nicht an, Fußball ist immer noch ein Teamsport.“ Am Anfang habe er gedacht, dass es in der Bayernliga vielleicht auch mit 70 bis 80 Prozent gehe, gibt Luge ehrlich zu. Um dann aber relativ schnell festzustellen, dass das nicht der Fall ist. Insgesamt, schätzt er rückblickend ein, ist ihm die Umstellung von Profi- auf Amateurfußball gut gelungen.

Spaß "nie verlieren"

Wenn man sich mit Luge heute unterhält, dann kann man einen Medienbericht aus dem Jahr 2014 kaum glauben. Demnach hatte er, damals in Diensten von RB Leipzig, auf dem Platz mit seinem Gehalt geprahlt und musste als Strafe auf der Kinderstation einer Uniklinik Arbeitsstunden leisten. Aus Luges Sicht lief das Geschehen anders ab, als es in der Öffentlichkeit rüberkam. Genauer will er sich dazu aber nicht mehr äußern. Für ihn ist es Vergangenheit, er habe auch daraus gelernt. „Letztlich hatte ich mit den Kindern im Krankenhaus eine schöne Zeit und auch sie hatten Spaß. Das war die Hauptsache.“

Spaß, der ist für Luge auch im Sport sehr wichtig. „Den darf man auch nie verlieren“, betont er. Dass Luge nach wie vor für einen lockeren Spruch gut ist, das bestätigen sowohl er selbst als auch Trainer Stadler und Manager Dachauer. „Er ist einer der Spaßvögel in der Mannschaft“, sagt Dachauer und bezeichnet Luge als „grundehrlichen und anständigen Typ.“ Stadler berichtet, dass Luge auch ein kleiner Publikumsliebling bei den Vilzinger Fans sei: „Er ist ein sehr sympathischer und zugänglicher Mensch mit einem fröhlichen Wesen.“

Für Luge ist dabei eine gute Mischung entscheidend: „Die meisten kennen mich als Witzbold. Aber wenn’s drauf ankommt, dann bin ich da und gebe Gas. Ich bin für jeden Spaß zu haben, will aber, dass wir als Mannschaft in erster Linie konzentriert arbeiten und erfolgreich sind.“ Als ehemaliger Profi bringt Luge auch jede Menge Erfahrung mit, die er in die Mannschaft einbringen will.

Auch heute verhält sich Luge rund um Spiele noch immer wie zu seiner Profizeit und versucht, den gleichen Ablauf einzuhalten. Dazu gehört, dass er vor dem Spiel seine Ruhe braucht, sich selbst Nudeln kocht und frühzeitig am Stadion ist, damit er genügend Zeit hat, um sich gut auf das Spiel vorzubereiten. „Das will ich mir auch beibehalten, ich finde, das gehört einfach dazu“, sagt Luge. Auch die Verantwortlichen loben seine professionelle Einstellung. „Er hat zweifelsfrei eine gute Mentalität und Charakter“, sagt Dachauer.

"Wie Urlaub"

Der gebürtige Sachse Luge sieht zumindest seine nähere Zukunft in Vilzing, hat nicht ohne Grund langfristig verlängert. Ihm gefällt’s hier. „Es ist gefühlt immer wie Urlaub“, sagt er und genießt die Ruhe. Seit sein Sohn Mateo vor fast drei Jahren auf die Welt gekommen ist, haben sich bei Familienvater Luge die Prioritäten verschoben. Die Familie bezeichnet er als größtes Hobby neben dem Fußball und er ist froh, weg vom hektischen Stadtleben zu sein.

Auch beruflich will Luge nun neben dem Fußball Fuß fassen. Bei einer von DJK-Manager Roland Dachauer gegründeten Firma für Sportmarketing und Events macht er derzeit eine Ausbildung zur Fachkraft für Büromanagement. „Irgendwann muss jeder mal was lernen“, sagt Luge mit einem Schmunzeln. Der Job mache ihm viel Spaß. Die Umstellung auf ein geregeltes Berufsleben war für ihn nicht schwer. „Da es meine eigene Entscheidung war, mit dem Profifußball aufzuhören, ist es mir leichter gefallen“, sagt Luge und vermisst nach eigener Aussage nichts aus dem Profibereich.

Und sportlich? Da hat Luge durchaus noch Ziele mit den Schwarzgelben. „Es wäre schön, mit Vilzing einmal in der Regionalliga zu spielen“, sagt er. Man müsse hier zwar auch bedenken, dass das nicht einfach werde. „Aber wir haben schon jetzt eine Top-Mannschaft, der ich alles zutraue. Ich glaube, dass es auf jeden Fall möglich wäre, mit der DJK in der Regionalliga zu spielen. Das wäre ein Traum und ein großer Wunsch.“

Das Schöne am Sport: Ob aus diesem Wunsch Wirklichkeit wird, kann die Mannschaft selbst beeinflussen. Deshalb will Luge an seine bisher gezeigten Leistungen im Vilzinger Trikot anknüpfen. Damit er seine beste Leistung abrufen kann, hat er auf dem Platz auch die eine oder andere Freiheit. „Das braucht er für sein Spiel, Lugo ist ein Instinktfußballer“, sagt Stadler. Dieser Instinkt soll auch in Zukunft für den einen oder anderen entscheidenden Moment in den Spielen der DJK Vilzing sorgen – so wie am vergangenen Samstag beim Siegtreffer gegen die „kleinen Löwen“.

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