Deutsche Autobauer auf der CES Vision AVTR, i3, AI:ME: Futuristische Flucht nach vorn?

Futuristische Designs, Komfort und Multimedia-Funktionen: Die deutschen Autobauer stellen auf der Computer Electronic Show ihre Zukunftsvisionen vor. Foto: Collage imago/Audi/BMW Group

Mit Konnektivität und futuristischen Designs will sich Mercedes Benz Alleinstellungsmerkmale für die Zukunft des Automobilmarkts schaffen. Nicht die Fahrleistungen, sondern das „Drumherum“ wird Verkaufsargument. Mit einer futuristisch anmutende Fahrzeugstudie namens Vision AVTR dürfte Mercedes einen der Eye-Catcher auf der Computer Electronics Show (CES) abgeliefert haben.

Am Anfang steht die Selbstvergewisserung: Daimler Benz habe in der Vergangenheit definiert, wie Autos auszusehen haben. Im Intro-Video zum Vortrag von Mercedes-CEO Ola Källenius gibt es eine „Evolution der Amaturenbretter“ zu sehen. Aus Amaturenbrettern werden „Dashboards“ – jetzt auch auf dem deutschen Markt. Steuern sollen sie praktisch alles – das zukünftige Auto der Marke Daimler soll sich mit allen Objekten des persönlichen Lebens verbinden. Auf dem Heimweg von der Arbeit wird im Auto schon per Smart-Home-Verbindung die Heizung in der Wohnung angeworfen. Viele ähnliche Features sind geplant, alle im Spannungsfeld zwischen „praktisch“ und „Spielerei“.

Synergie zwischen Mensch und Maschine

Gesteuert wird die Elektronik des Mercedes der Zukunft nicht über Hebel, Knöpfe und Knäufe – zumindest kaum noch. Die Zukunft heißt Gestensteuerung, verkündet Ola Källenius. Indem der Fahrer eine Handfläche ausstreckt, aktiviert er ein Menü mit situationsabhängigen Optionen, das in die Hand projiziert wird. „Intelligenter“ soll das Auto werden und seine Fahrer anhand biometrischer Daten erkennen.

Der entscheidende Faktor, um die Kunden von morgen zu gewinnen, ist nach Ansicht der Mercedes-Verantwortlichen die emotionale Bindung zwischen Fahrer und Auto. Kehrseite der Medaille: Das Auto wird wohl zu einem weiteren datenhungrigen Allzweck-Werkzeug und in Zukunft ähnlich viel über seinen Fahrer wissen, wie ein Smartphone über seinen Verwender.

Dazu servierte Daimler-Chef Källenius eine Reihe von Absichtserklärungen, wie die Reduktion des CO2-Fußabdrucks des Unternehmens und eine künftig CO2-neutrale Fahrzeugproduktion erreicht werden soll. Dieser Abschnitt des Vortrags dürfte sich mit dem der anderen Impulsvorträgen auf der CES decken – egal, ob es nun um Autos, Laptops oder Toaster geht.

James Bond wäre neidisch

Nach dem Bekenntnis zur Umweltfreundlichkeit kommt der Auftritt des „Vision AVTR“: Eine Auto-Studie, so vollgestopft mit Lichteffekten, dass zwischendurch beim Zuschauer Zweifel auftauchen, ob dieses Auto überhaupt in die Nähe einer Straßenzulassung kommen könnte. Die Inspiration kommt vom Kino-Blockbuster „Avatar“, das ist nicht zu übersehen. In den Felgen drehen sich blau leuchtende Blütenkelche, am Heck der geschwungenen Karosserie heben und senken sich Klappen, die ebenfalls leuchten und an das Atmen eines großen Käfers erinnern. Lenkrad? War gestern. Über eine Art Handwippe, einen flachen Joystick, gibt der Fahrer die Richtung vor. Der Auftritt ist Ola Källenius auf jeden Fall geglückt, bis einschließlich dem Moment, in dem sich theatralisch langsam die transparenten Türen des Gefährts öffnen. James Bond wäre neidisch.

Ohne Zweifel versucht Daimler hier eine Antwort auf die Frage zu geben, was denn das Besondere an deutscher Automobil-Technik sein könnte in der „elektromobilen Zukunft“. In puncto Fahreigenschaften ähneln sich die Elektroautos nämlich viel stärker als ihre konventionellen Vorbilder. Motorentechnik kann nicht mehr als Alleinstellungsmerkmal herhalten – und die Konkurrenz wird vielfältiger. Mit Sony taucht ein Elektronikriese als neuer Konkurrent am Horizont auf. Auch Sony lässt die typischen „Fahrzeug-Fakten“ außen vor. Es geht um die „User Experience“ – ein Feld, auf dem Sony einen anderen Erfahrungsschatz vorweisen kann, als die deutsche Automobilindustrie.

Auch BMW und Audi setzen auf digitalen Mehrwert

Auch die Autobauer aus München und Ingolstadt setzen auf Komfort und Zusatzfunktionen, die vor zehn Jahren wahrscheinlich noch niemand mit einem Auto in Verbindung gebracht hätte. Der „AI:ME“ von Audi soll seinem Fahrer eine dreidimensionale Navigation anbieten und für ihn Essen bestellen können – Lieferzeitpunkt passend zur aktuellen Verkehrslage. Die BMW Group präsentiert mit dem i3 Urban Suite ein E-Auto, dessen Innenraum die Atmosphäre eines Boutique Hotels anbietet. Die selbstfahrende Luxus-Lounge soll der Beginn einer neuen Kompaktklasse sein: Klein und luxuriös. So zumindest der Plan.

Die Computer Electronics Show gilt als eine der wichtigsten Messen für Technologie und Unterhaltungselektronik. Die Schwerpunkte liegen in diesem Jahr – neben Mobilitäts-Innovationen – auf dem sogenannten „Internet der Dinge“, Smart Home, digitale Gesundheit, Robotik und Augmented Reality.

 

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