Coronavirus in Bayern Söder: Kultur-Neustart ab Pfingsten erwartet

Wie geht es mit Kunst und Kultur in Bayern weiter? Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat am Donnerstag um 10 Uhr zu der Entwicklung in der Coronakrise Stellung genommen. Die Pressekonferenz wurde in einem Livestream übertragen. 

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich zunächst an Corona-Skeptiker gewandt, die die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie kritisieren. "Denjenigen, die der Auffassung sind, das wär vielleicht alles übertrieben, kann ich nur sagen: Es gibt Gegenden der Welt, da hören wir Nachrichten, dass es einen Rückfall geben könnte", sagte er am Donnerstag in München. Es gebe nach wie vor Regionen, in denen "dramatische Zustände" herrschten. "Sind wir glücklich und dankbar", dass die Situation in Deutschland bislang vergleichsweise glimpflich abgelaufen sei. Die beschlossene Wiederöffnung der Grenzen bedeute eine neue Freiheit, aber auch eine neue Herausforderung.

Auch Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler und Digitalministerin Judith Gerlach (beide CSU) sind anwesend. Bei dem Pressegespräch soll es unter anderem um weitere Hilfen für die krisengeschüttelte Kulturbranche gehen. "Die Kultur hat in dieser Krise viele Einbußen hinnehmen müssen", sagt der Ministerpräsident. Kulturschaffende tragen ihm zufolge viel im Staat bei und das sei gerade während der Krise sehr wichtig. 

Hilfsprogramm wird aufgestockt

Man habe auf den Aufruf aus der Kulturbranche reagiert und sich mit Vertretern die Konzepte verbessert. Die Hilfen sollen aufgestockt werden. 200 Millionen Euro statt wie bisher geplant 90 Millionen Euro sollen nun für Künstler und Kulturschaffende im Freistaat bereitgestellt werden. Profitieren sollen nun auch Künstler, die nicht in der Künstlersozialkasse organisiert sind. Und es gibt weitere Millionenhilfen für Spielstätten wie Theater und Kinos, für Musikschulen, Laienmusikgruppen und den Ausfall von Filmproduktionen. "Wir leben mit und von der Kultur in Bayern", sagte Söder. Das Engagement der Künstler sei wertvoll und zugleich dringend notwendig.

Filmschaffende, Musiker, Künstler, Schauspieler, Veranstalter und viele andere Kulturschaffende stecken wegen der coronabedingten Schließungen in großen finanziellen Schwierigkeiten oder sehen gar ihre Existenz bedroht. Sie forderten deshalb wiederholt eine bessere finanzielle Unterstützung und endlich eine Perspektive, wann Theater, Kinos, Konzertsäle und andere Einrichtungen wieder öffnen können.

Besonnenheit bei der Öffnung der Kulturszene

Nach langen coronabedingten Schließungen will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auch bei der Wiedereröffnung von Kultureinrichtungen sehr vorsichtig vorgehen, setzt aber auf einen langsamen Neustart ab Pfingsten. "Auch da gilt der Grundsatz: Besonnenheit und Vorsicht", sagte Söder am Donnerstag in München. Er betonte: "Wir glauben, dass wir Perspektiven für die Zeit nach Pfingsten entwickeln sollen." Das Gros werde nach Einschätzung der Kulturminister aber eher erst ab den Sommerferien oder danach beziehungsweise im Herbst folgen. "Schrittweise, besonnen, Stück für Stück", betonte der Ministerpräsident.

Söder kündigte bereits strenge Hygieneschutzkonzepte an, ähnlich wie in Gottesdiensten. "Das Modell der Kirchen könnte da ein ganz gutes Modell sein." Dort gelten in Innenräumen beispielsweise ein Mindestabstand von 1,5 Metern und eine Mundschutzpflicht.

Digitalministerin fordert bundesweites Corona-Konzept für Kinos

Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) fordert für die Wiedereröffnung von Kinos in der Corona-Krise ein bundesweites Konzept. "Wir brauchen einheitliche Starts", sagte sie am Donnerstag in München. "Kinos brauchen attraktive Filme. Die Filme starten aber nur, wenn sie bundesweit gezeigt werden können." Sie halte darum "ein abgestimmtes Vorgehen" der Bundesländer "für absolut sinnvoll".

Innovationen fördern

Der Freistaat wolle laut Söder nun auch "innovativste Kulturkonzepte" mit seinem Hilfsprogramm finanziell unterstützen. Kultur sei system- und gesellschaftsrelevant, betonte Söder - gerade in Zeiten boomender Verschwörungstheorien. "Das ist auch ein stückweit ein Erbauungsprogramm für uns alle, die wir das dringend brauchen."

Forderung nach "nachhaltigem Konjunkturprogramm"

Angesichts eines "substanziellen Rückgangs" der Steuereinnahmen wegen der Corona-Krise hat CSU-Chef Markus Söder die Forderung nach einem großen Konjunkturprogramm bekräftigt. Jeglichen Steuer- oder Abgabenerhöhungen erteilte der bayerische Ministerpräsident eine klare Absage. "Ganz im Gegenteil" werde man sich auf Bundesebene für ein "nachhaltiges Konjunkturprogramm" einsetzen, so Söder.

Und ergänzend zu einem Bundesprogramm werde man auch noch einmal schauen, was man speziell in Bayern noch machen könne. Das werde man zeitlich danach machen und damit die Maßnahmen auf Bundesebene ergänzen. Ziel müsse sein, bestehende Konzepte zu beschleunigen - das gelte etwa für Schule, Digitalisierung, Wissenschaft, Wirtschaft und Konjunktur.

Die Steuerschätzung des Bundes sollte noch am Donnerstag vorgelegt werden. Die konkreten Zahlen für den Freistaat will Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) dann am Freitag vorstellen.

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