Cham Ein seltenes Glück

Der Schachbrettfalter Foto: Dr. Steffen Scharrer

Sommerzeit ist Schmetterlingszeit. Auch der "Schmetterling des Jahres 2019" ist zu beobachten: der Schachbrettfalter, Melanargia galathea. Mit seiner schwarz-weiß- gefleckten Zeichnung ist er für Laien ebenfalls gut zu erkennen.

Laut Pressemitteilung des Bundes für Umwelt und Naturschutz wurde er ab Juli auch im Landkreis Cham gesichtet.

Den Schachbrettfalter kürte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zum Schmetterling des Jahres. Mit der Auszeichnung will der Bund auf die Bedrohung der Schmetterlingsart durch den Rückgang extensiv genutzter Wiesen aufmerksam machen.

Um dem Schmetterling zu helfen, ruft der Bund Naturschutz dazu auf, Wiesen mosaikartig zu mähen und Randstreifen von Bahndämmen, Feldwegen oder Gräben auch mal stehenzulassen. "Im Siedlungsbereich können Gartenbesitzer nährstoffarme und trockenwarme Wiesen für den Falter anlegen", erklärt Landesbeauftragter Martin Geilhufe. "Da Schachbrettfalter schon auf kleinen Flächen in größerer Anzahl leben können, tragen bereits solche kleinen Inseln dazu bei, die Art zu schützen."

Das kann Karola Jackisch vom Kreisverband Cham nur bestätigen. Sie nimmt am Tagfaltermonitoring des Bunds in Perwolfing teil und kennt sich daher mit dem Vorkommen der Schmetterlinge bestens aus. "Bei einer Kontrolle in diesem Sommer konnte ich sieben Schachbrettfalter auf einmal auf der 250 Meter langen Monitoringstrecke zählen", stellt die Expertin zufrieden fest. Dass heuer insgesamt sehr wenige Tagfalter zu sehen sind, kann sie nur bestätigen. Auf ihrer Strecke liegen jedoch zwei Naturgärten und eine kleine Wiese, die nicht gemäht wird - die Rettung für den Schachbrettfalter. Entscheidend für sein Vorkommen sind eben nährstoffarme blütenreiche Wiesenbereiche, die bis Ende Juli noch nicht gemäht wurden. Denn nur dort lassen die Weibchen ihre Eier einzeln zu Boden fallen, teilweise während des Fluges. Aufgrund von Düngung und einer frühen Mahd sind solche Wiesen heute vielerorts selten geworden. Durch die Umsetzung des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" können sich die Zukunftsaussichten des markanten Falters in Bayern wieder verbessern.

Der Schachbrettfalter besitzt ein einzigartiges Muster auf seinen Flügeln, das ihm seinen Namen gegeben hat. Die Flügel des Schmetterlings sind auf der Oberseite schwarz oder dunkelbraun und weiß gefärbt und wirken wie ein Schachbrett. Die Unterseite der Flügel ist weniger kontrastreich und zeigt mehrere schwarzbraune und weiße Augenflecken. Die Schmetterlinge haben eine Spannweite von 40 bis 50 Millimetern und gehören damit zu den mittelgroßen Faltern. Ein besonderes Verhalten zeigen die Männchen. Statt wie die Männchen anderer Schmetterlingsarten auf Beobachtungsposten auf vorbeifliegende Weibchen zu warten, begeben sie sich gezielt auf die Suche nach frisch aus den Puppen geschlüpften Weibchen und begatten diese an Ort und Stelle.

Die rosa gefärbten Raupen des Schachbrettfalters, die im Sommer aus den Eiern schlüpfen, überwintern in der Streu am Erdboden, ohne vorher Nahrung aufzunehmen. Erst im März des Folgejahres beginnen sie, an verschiedenen Gräsern zu fressen. Die Eigenschaft, sich nicht etwas von Kräutern, sondern von Gräsern zu ernähren, teilt der Schachbrettfalter mit den anderen Tagfaltern aus der Unterfamilie der Augenfalter. Die älteren Raupen sind dicht behaart und entweder graubraun oder grün gefärbt. Zunächst sind die kleinen Raupen tagaktiv, später fressen sie nur noch nachts, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Ab Mai verpuppen sich die Tiere in einem Gespinst an der Basis eines Grasbüschels. Die nach wenigen Wochen ausgewachsenen Schmetterlinge schlüpfen ab Mitte Juni und ernähren sich dann hauptsächlich vom Nektar violetter Blüten wie Flockenblume, Kratzdistel oder Skabiose. Sie können bis circa Ende August beobachtet werden.

Auch Robert Kurzmann, Vorsitzender des Bund Naturschutz Cham, hat den auffällig gezeichneten Schachbrettfalter schon auf seinen Mähweiden bei Waldmünchen fliegen sehen, die er nicht düngt und extensiv bewirtschaftet. Dieses seltene Glück kann grundsätzlich jedem Garten- und Grundstücksbesitzer beschieden sein, der auch mal "fünfe grade sein lassen" kann.

 

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