Bayern Neuer "Aktionsplan Wolf": Abschuss ist möglich

Wölfe werden in Bayern zunehmend wieder heimisch. Foto: dpa

Am Montagvormittag stellte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) den 60-seitigen "Bayerischen Aktionsplan Wolf" vor. In ihm wird aufgezeigt, wie mit dem Wolf umgegangen werden soll. Vor rund 150 Jahren ausgerottet, wird er in Bayern zunehmend wieder heimisch. Das freut Umweltschützer, Weidetierhalter, aber sorgen sich um ihre Herden. Die Staatsregierung setzt mit dem Papier nun vor allem auf präventive Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren, etwa mit elektrifizierten Zäunen, Nachtpferchen oder Hütehunden. Indem sie Abschüsse in Alpengebieten auch ohne vorherige Schutzmaßnahmen ermöglicht, geht sie aber besonders auch auf die Kritik der Almbauern ein.

"Der Umgang mit dem Wolf in Bayern erfordert große Sensibilität und eine klare Handlungsgrundlage. Der Aktionsplan hat zum Ziel, den mit der Wolfsverbreitung einhergehenden Herausforderungen Rechnung zu tragen. Er soll dazu beitragen, Beeinträchtigungen für alle Betroffenen zu minimieren. Dabei schöpfen wir die gegebenen rechtlichen Möglichkeiten aus. Beim Umgang mit dem Wolf hat die Sicherheit der Menschen oberste Priorität. Die Weidetierhaltung in Bayern braucht eine klare Zukunftsperspektive. Sie ist für den Erhalt unserer Kulturlandschaft unverzichtbar. Davon profitieren viele weitere Arten", betonte Glauber. Der Aktionsplan habe daher zum Ziel, die Weidetierhaltung zu erhalten, auch bei Wolfsvorkommen. In Gebieten mit standorttreuen Wölfen setze Bayern auf vorbeugende Maßnahmen, wie etwa Herdenschutzzäune.

Abschuss auf Almen auch ohne Herdenschutzmaßnahmen

Die Anforderungen an den Herdenschutz müssen dabei aber auch praktikabel und zumutbar sein. Eine Weideschutzkommission soll untersuchen, ob Weidegebiete, besonders im alpinen Bereich, überhaupt schützbar sind. Denn insbesondere im Alpengebiet sei Herdenschutz, etwa aufgrund des steinigen Untergrunds und steiler Hänge, teilweise nicht möglich. In diesen Fällen sei der Abschuss eines Wolfs nach Auffassung der Staatsregierung auch ohne vorherige Herdenschutzmaßnahmen möglich, wenn nur so erhebliche Schäden für die Weidewirtschaft vermieden werden können.

Schäden durch Wölfe werden aber auch in Zukunft komplett ausgeglichen. Zudem wird das Umweltministerium zusammen mit dem Landwirtschaftsministerium ein Förderprogramm für präventive Schutzmaßnahmen einrichten. Die Beratung der Weidetierhalter und die Abwicklung der Förderung sollen über die bestehende Struktur der Landwirtschaftsverwaltung erfolgen. Der Bayerische Aktionsplan Wolf ist ein Managementplan der staatlichen Umweltverwaltung, der mit dem Landwirtschaftsministerium abgestimmt ist und Handlungsempfehlungen für den Umgang mit dem Wolf gibt. Der Abschuss eines Wolfes bleibe eine Einzelfallentscheidung.

Bund Naturschutz: Wolfsverhinderungsplan

Der Bund Naturschutz kritisiert den "Bayerischen Aktionsplan Wolf". Uwe Friedel vom Artenschutzreferat des BUND Naturschutz in Bayern glaubt, dass "der Herdenschutz noch immer nicht ausreichend gewürdigt wird". Der Duktus des Textes lasse eher auf einen "Wolfsverhinderungsplan" schließen: "Die Hürden zur Entnahme sind sehr niedrig, niedriger als in anderen Bundesländern", sagt Friedel. Den Herdenschutz auf Almen nennt er "schwierig, aber nicht unmöglich". Als Herdenschutzmaßnahmen stehen dort Behirtung, gelenkte Beweidung, die Zusammenlegung von Kleinherden oder der Einsatz von Herdenschutzhunden zur Auswahl.  Das Fazit von Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz: „Mit diesem Plan bleiben die großen Herausforderungen beim Wolfsmanagement weiter ungelöst. Wir laufen Gefahr, dass Wolfsabschüsse die Regel statt die Ausnahme werden. Der Aufbau eines wirksamen Herdenschutzes wird damit auf Kosten der Weidetierhalter erstmal ausgebremst“.

Auch Alpwirtschaftlicher Verein übt Kritik

Dr. Michael Honisch, Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu (AVA), ist "froh und dankbar, dass das jetzt auf den Weg gebracht wurde", denn ihm sei klar, dass Naturschutzverbände auf der anderen Seite ebenfalls "am Strick ziehen". Honisch bemängelt aber, dass die Entscheidungsfindung, ob ein Wolf entnommen werden soll oder nicht, noch immer "zu schwerfällig" sei. Für den Aktionsplan sei er "dankbar, wenn er nicht dazu führt, dass die Landwirte länger im Unsicheren gelassen werden."

Die wichtigste Prämisse sei der Erhalt der Alpwirtschaft. "Sie trägt zur Artenvielfalt bei", so Honisch, und müsse daher "auch im Sinne des Naturschutzes" bewahrt werden. Das Problem um die Nichtschützbarkeit bezeichnet der AVA-Geschäftsführer aber als "Archillesverse" des Aktionsplanes. Honisch fordert, die nicht schützbaren Bereiche möglichst großflächig auszuweisen, Kleinteiligkeit sei hier unwirksam. Wenn beispielsweise ein Tierhalter seine Weide einzäune, sein unmittelbarer Nachbar jedoch nicht, weil seine Weide zu steil am Hang liege, biete das keinen Schutz. Der Wolf lege am Tag 50 Kilometer zurück. Auch, wenn eine Weide eingezäunt werde, sei es damit nicht getan, meint Honisch. "Das kriegt ihr ja alles gezahlt" heiße es, aber dass man etwa alle zwei Wochen ausmähen und den Zaun stetig kontrollieren müsse, sehe niemand. "Die Arbeit macht und zahlt dir keiner."

Wolfrisse in Bayern auf niedrigem Niveau

Die Schäden durch Wölfe im letzten Jahr waren in Bayern überschaubar, steigerten sich aber über die Jahre: Laut der Dokumentationsstelle des Bundes (DBBW) haben Wölfe im Jahr 2018 drei Kälber und fünf Schafe getötet. 2017 wurden vier Lämmer gerissen, 2016 wurde ein Schaf getötet, eines verletzt.

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