Bayern-Krise Nagelsmann muss liefern und "schnell lernen"

Präsentierte sich zuletzt äußerst nachdenklich: Bayern-Trainer Nagelsmann. Das Verhältnis zwischen dem Coach und dem deutschen Rekordmeister ist der Bild zufolge offenbar schon auf eine Zerreißprobe gestellt. Foto: Ulrich Wagner/imago

Eigentlich sollte alles besser werden - doch Trainer Julian Nagelsmann steckt mit dem FC Bayern tief in der Krise. Er sucht weiter seinen Weg.

Auf dem Trainingsplatz war Julian Nagelsmann in den vergangenen Tagen nicht zu sehen. Wegen der vielen Länderspiele stehen beim FC Bayern in Eric Maxim Choupo-Moting und Sven Ulreich derzeit nur zwei Profis zur Verfügung. Nagelsmann hat deshalb viel Zeit, seine erste echte Krise beim Rekordmeister am Schreibtisch aufzuarbeiten.

Vor der Abreise der 18 Nationalspieler und vor dem Wiesn-Besuch am Sonntag hatte er schon eine Analyse-Sitzung abgehalten, außerdem mit Vorstandschef Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic Gespräche geführt. Die Bosse haben dem jungen Trainer daraufhin trotz vier siegloser Ligaspiele demonstrativ den Rücken gestärkt. Man sei "total überzeugt von Julian", betonte Kahn.

Nagelsmann bleibt nicht viel Zeit

Doch Nagelsmann (35) weiß, dass er mehr denn je liefern muss - zumal seine Premierensaison keineswegs nach Wunsch abgelaufen war. Und viel Zeit bleibt ihm vor den Wochen der Wahrheit nicht, um all die Probleme - gerade die Chancenverwertung ist mangelhaft - zu lösen. Seine Stars, von denen nun auch noch Kapitän Manuel Neuer und Leon Goretzka wegen Corona ausfallen, kommen zum Großteil am Dienstag von ihren Nationalteams zurück, bereits am Freitag (20.30 Uhr/DAZN) steht das wegweisende Ligaduell gegen Bayer Leverkusen an.

Bis dahin muss der angeschlagene Bayern-Coach einen Plan haben. Einen, mit dem er sein Team wieder auf Kurs - und vor allem auf seine Seite bringt. Der kicker schrieb von Zweifeln. Laut Sport Bild und Bild ist das Verhältnis gar schon auf eine Zerreißprobe gestellt.

Nagelsmann wird fehlende Selbstkritik angekreidet

Bei den sensiblen Profis soll unter anderem Nagelsmanns "Hühnerhaufen"-Spruch nach dem 0:1 in Augsburg nicht gut angekommen sein. Auch fehlende Selbstkritik werde dem Trainer angekreidet.

Kahn ordnete in der Länderspielpause "Fehlergespräche" an, "um den nächsten Saisonabschnitt gestärkt anzugehen". Dann warten Spiele gegen Leverkusen, in der Champions League gegen Pilsen, in Dortmund und gegen Freiburg. Nagelsmann hatte bereits angekündigt, "über mich, über die Situation, über alles" nachzudenken.

"Da hat man das Gefühl, Nagelsmann weiß nicht mehr weiter"

Nagelsmann sei "trotz allem noch ein Bayern-Azubi", sagte Ex-Europameister Markus Babbel bei Sky, "aber er muss schnell lernen". Er müsse "versuchen, ruhiger und souveräner zu werden, damit die Spieler auch merken, dass der Trainer draußen alles im Griff hat", so Babbel weiter: "Schaut man sich aber nur das Interview nach dem Augsburg-Spiel an, hat man das Gefühl, Nagelsmann weiß nicht mehr weiter. Das darf nicht passieren."

Babbel glaubt, "dass die Spieler nun schon genau hinschauen, ob Nagelsmann sich traut, die Dinge anzusprechen und wie er sie anspricht. Dann musst du eben auch mal Kimmich auf die Bank setzen und ein Zeichen setzen, wenn er nicht das macht, was verlangt wird."

Gespräche sind laut Rangnick nun wichtig

Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick traut seinem früheren Schützling jedoch die Wende zu. "Er hat ja letztes Jahr und zu Beginn der Saison schon bewiesen, dass er die Mannschaft nicht nur führen, sondern mit ihr auch begeisternden Fußball spielen lassen kann", sagte Rangnick der Bild. Die Situation fühle sich "für die Spieler fremd an. Deswegen ist es als Trainer noch wichtiger, viel mit ihnen zu reden."

 
 
 

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