Bislang ist nicht viel Spannendes passiert, außer einem Ereignis: Eine  Beerdigung in Jirapa. Ich dachte ja, dass mich nach fast einem halben Jahr in Ghana nichts mehr so schnell zum Kopfschütteln bringt, aber da habe ich mich getäuscht. Aber warum genau?

Auf dem Bild sieht man einen Mann, der auf einem Podest sitzt. Um ihn herum laufen Leute und jammern. Der Mann der auf dem Podest sitzt heißt Justine Abobo Tabong und ist bereits seit über einem Monat tot (natürlich sitzt er nicht seit einem Monat dort!). Die Leute die um ihn herumgehen und jammern bewerfen ihn mit Münzen. Justine Abobo Tabong sitzt da nicht für eine Stunde, oder zwei, nein, er sitzt da den ganzen Tag und die ganze Nacht über, also fast 24 Stunden. Bevor der gute Mann aber eingegraben wird, findet auf dem Platz noch eine Art Autorennen statt. Das heißt, Autos, Motorräder, Busse und LKWs driften mit Vollspeed um das Podest herum und erzeugen damit fast ein paar neue Leichen. Das war das erste Mal, dass ich den Totenkult in der Upper-West Region live miterleben durfte und ich finde es nach wie vor makaber. Heutzutage wäre es in Deutschland undenkbar, eine Leiche so öffentlich zur Schau zu stellen und diese dann auch noch mit Geld zu bewerfen, geschweige denn mit Autos um den Körper herumzufahren und alles einzustauben. Ich bin zwar, wie alle Anderen auch ein paar Mal um den Toten herum marschiert, dennoch habe ich mich gehütet ihn mit Münzen zu bewerfen, dazu konnte ich mich nicht überwinden. 

Das ist der erste Grund der mich zum Kopfschütteln brachte, der Zweite war die Rolle der Frauen, welche mit dem Toten verwandt sind und die Beerdigung so gesagt organisieren. Wir wurden zu der Beerdigung von Monica, unserer Mama, eingeladen, da sie mit dem Toten irgendwie verwandt ist, fragt mich nicht! Sie und ihre Schwestern, die extra deswegen aus Bolga und Tamale angereist sind, haben schon die komplette Woche davor das Kochen angefangen. Ich, da ich eh nix zu tun hatte, habe geholfen, wo ich konnte. Doch die eigentliche Wahnsinnstat der Frauen war die Beerdigung selbst. Dort arbeiten sie ungelogen über 24 Stunden durch, kochen, putzen, bedienen Gäste, trauern, feiern und das alles ohne eine Minute Schlaf. Ich frage mich wirklich wie sie das aushalten, so ganz ohne Kokain oder anderen erregenden Drogen. Für mich fast unmenschlich, aber es scheint, die ghanaischen Frauen sind härter gesonnen als die europäischen. 

Afrika ist doch ein wenig gefährlicher als ich dachte, letztens krabbelte ein circa handgroßes Vieh neben mir an der Wand. Vollkommen fasziniert von der riesigen Spinne holte ich meinen ghanaischen Mitbewohner und zeigte es ihm. Völlig entsetzt sagte er, ich solle schnell weg, das sei eine Tarantel (SEHR GIFTIG)! Nun ja, das Vieh wurde dann mit dem Schuh erschlagen und die Ameisen kümmerten sich um den Rest.