Auslandsblog Eintrag 7: Karten von überall aus der Welt (21. Januar 2021)

Ich schaue auf eine Postkarte mit einer Winterlandschaft des Malers Alexey Shalaev. Auf der Rückseite stehen folgende Wünsche: Trost an schwierigen Tagen und ein Lächeln, wenn Traurigkeit kommt. Die Karte wurde von einer Frau namens Olga aus Moskau in Russland geschrieben. Persönlich kenne ich Olga nicht. Ich weiß nicht, wie alt sie ist, wie sie aussieht oder wie sie lebt. Alles, was ich weiß, steht auf dieser Karte.

Vor ein paar Monaten bin ich auf eine Internetdienst gestoßen, ohne den ich mir meinen Alltag jetzt nicht mehr vorstellen kann. Sie heißt Postcrossing und wurde 2005 von einem Studenten aus Portugal gegründet. Die Website hat genau ein Ziel: so viele Menschen wie möglich mit Hilfe von Postkarten zusammen zu bringen.

Mehr als eine Ansichtskarte

Postkarten waren für mich immer nur etwas, das ich mir als Andenken an die Wand hänge oder eben eine Ansichtskarte, die ich Freunden schicke. Wenn ich im Urlaub war, habe ich mich immer am meisten darauf gefreut, Karten zu verschicken. Erst jetzt ist mir bewusst geworden, dass ich gar nicht wegfahren muss, um das zu machen. Postcrossing hilft dabei.

Zuerst meldet man sich auf der Seite an und gestaltet ein Profil. Dann wird einem per Zufallsgenerator ein anderes Mitglied sowie dessen Adresse zugeteilt. Zudem kann man sich das Profil ansehen und man bekommt einen persönlichen Code, die ID-Nummer, die auf die Karte geschrieben werden muss. Man wählt also eine Postkarte, die zu der Person passt, gestaltet sie, schreibt eine Nachricht und schickt sie weg. Sobald die Karte bei der jeweiligen Person ankommt, bekommt man dank der ID-Nummer eine persönliche Nachricht per E-Mail. Nun gelangt das eigene Profil in den Zufallsgenerator und es sollte dann nicht lange dauern, bis man selbst eine Postkarte im eigenen Briefkasten findet.

Von der Karte zum Brief

Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung von Karten aus Taiwan, Russland, USA, Hong Kong und noch einigen anderen Ländern. Zudem habe ich Freunde gefunden, mit denen ich nun regelmäßig Briefe schreibe. Jieun aus Süd-Korea, Sherry aus Indonesien oder Varvara aus Russland sind nur drei davon. Ich dachte immer, es gäbe kaum jemanden, der sich so wie ich nach handgeschriebenen Briefen und Karten sehnt. Das Internet beweist mir mal wieder, dass ich damit komplett falsch lag. Postcrossing hat mittlerweile über 750 000 Mitglieder und die Zahl wächst täglich.

Mehr von der Welt erfahren

Je mehr wir von der Welt sehen und kennenlernen, desto kleiner wird sie. Die Pandemie zeigt mehr denn je, dass wir alle miteinander verbunden sind. Dass wir alle Menschen sind und zusammenhalten müssen. Postcrossing bietet eine hervorragende Möglichkeit, Leute kennenzulernen, mehr von der Welt zu erfahren und somit Grenzen zu überwinden und Brücken zu bauen. Dank Postcrossing fühle ich mich den Menschen trotz Social Distancing näher als je zuvor.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading