Auslandsblog Eintrag 4: Bunte Vielfalt statt grauer Häuser - 29. Dezember 2017

Der Tod in all seinen Farben

Allerseelen ist ja ein christliches Fest und durch den spanischen Kolonialismus hat sich natürlich auch die christliche Lebensweise in Mittel- und Südamerika verbreitet. Dass aber selbst verwandte Feste so stark unterschiedliche Ausprägungen haben können, wenn es um die Verstorbenen geht, ist bemerkenswert. Bestimmt ist die große Mehrheit der Leser*innen in Deutschland an Allerseelen betend am Grab gestanden. Auch hier in Mexiko wurde der Toten gedacht. Allerdings nicht in Schwarz, sondern mit vielen verschiedenen bunten Farben. Bunte Altäre wurden mit Blumen geschmückt, Leibspeisen der verstorbenen Verwandten und süßes Brot wurden darauf gelegt und alles mit farbigen Girlanden verziert. Auf keiner durfte das Motiv der Calaveras, also der bemalten Totenköpfe fehlen, und so wurde mit Musik und Tanz das Leben der Toten gefeiert. Nicht zu vergessen, dass neben der allseits verehrten Mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo und vielen anderen Ikonen auch Freddie Mercury eine riesige Ofrenda gewidmet wurde!

All diese Zeremonien wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen und verbrachte die Feiertage in Guadalajara, wo ich die liebe Cerstin zum ersten Mal seit unserem Abschied in Berlin wieder sehen konnte. Der Flug war kurz und hat sich absolut gelohnt. Mit seinen 6 Millionen Einwohnern kann ich Guadalajara mittlerweile als Dorf abstempeln. Klingt nach einem Witz? Nein, ich meine es ernst: Im Vergleich zur Mega-City wirkt die zweitgrößte Stadt Mexikos absolut ruhig und in den Seitenstraßen trifft man nachts plötzlich niemanden mehr. Selbst einige Einwohner gaben zu, dass die Stadt der Tapatíos den Charakter eines Dorfs hat. Da ich mich über die Tage bei Cerstin und ihren internationalen Mitbewohner*innen einquartieren durfte, war die Lage optimal und wir waren direkt im wunderschönen historischen Zentrum. Ihr Arbeitsplatz, eine Art High School, liegt zwar etwas weiter entfernt, aber das macht dementsprechend nichts aus. Der Große Vorteil: Der Kontakt zu jungen Leuten ist direkt in der Arbeit mit inbegriffen und so kam es, dass wir direkt nach unserer Ankunft zur ersten Fiesta eingeladen wurden. Diese sollte nicht die letzte sein und so starteten wir gemeinsam in eines der aufregendsten und erlebnisreichsten Wochenenden aller Zeiten!

Eine Tour mit Blumen, Musik und Gläsern

Da also war er, der Día de los Muertos. Hier in Mexiko trumpfte Walt Disney gleichzeitig mit seinem Film „Coco“ auf und sorgte trotz anfänglicher Skepsis über die Kommerzialisierung für einen riesigen Ansturm auf die Kinokassen. Angeblich soll der Film bald auch in Deutschland laufen und den Menschen auf der ganzen Welt einen kleinen Einblick in den bunten Totentag geben. Ob er in anderen Sprachen und Ländern genauso erfolgreich sein wird, kann ich leider nicht versprechen. Empfehlen kann ich den Streifen aber allemal. Nachdem wir uns zwischen all den bunten Blumen auch noch als Calaveras anmalen ließen, war unser Ausflug bereits perfekt. Die absolute Krönung bildete allerdings die Tour nach Tequila. Tequila ist natuerlich nicht nur eine Spirituose. Auch ein Dorf trägt diesen Namen! Allerdings liegen die beiden Begriffe sehr nah beieinander. Tequila gilt als DER Vorzeigeort für das beliebte und hier so typische Getraenk. Gemeinsam mit drei anderen Deutschen, die unsere Freundin Liva über die Arbeit aufgetrieben hatte, nutzten wir unser Sonderangebot für eine Tequila-Tour voll aus. Eine Expertin führte uns zunächst durch die Destillerie Tres Mujeres. Ernte, Destillation und schließlich die Reifekeller. Danach brachte sie uns zu einem riesigen Agavenfeld, in dessen Mitte ein Pavillon stand. Vor Ort spielte eine Mariachi-Band auf und nach ein paar fast schon religiösen Worten wurde ein Tequila nach dem anderen verkostet. Qualität steigend!

Spätestens jetzt können wir mit Sicherheit behaupten, dass die Flasche mit Sombrero, die in deutschen Supermarktregalen steht, nichts mit dem zu tun hat, was wir Experten unter Tequila verstehen.

Nach fünf unvergesslichen Tagen und einigen schlaflosen Nächten suchte ich mir dann am frühen Morgen gemeinsam mit Karl einen Bus, der uns rechtzeitig zur Arbeitswoche zurück in die harte Realität der Großstadt bringen würde.

Nach den erholsamen Feiertagen gab es immerhin einiges zu tun. Vor allem der große Career Day, den wir am Goethe-Institut organisiert hatten, hat uns einiges abverlangt. Aber auch der ist unter großer Beachtung der Öffentlichkeit gut verlaufen und jetzt wäre erst mal ein Erholungsurlaub angebracht. Ach ja: Als Nächstes würde ich euch gerne über einen ersten Advent mit viel Sonne am Strand erzählen...

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