Passau Wie Obdachlose unter Corona leiden

Die Passauer Bahnhofsmission kümmert sich um Obdachlose. Foto: Corinna Kindler

Die nach wie vor notwendigen Corona-Maßnahmen machen den Menschen zu schaffen. Unmut wird oft lauthals ausgedrückt. Eine Gruppe von Menschen hat jedoch kaum eine öffentliche Stimme: Obdachlose. Wie soll man mit einer Ausgangssperre umgehen, wenn man kein Zuhause hat?

In der Bahnhofsmission Passau ist es das tägliche „Geschäft“. 70 bis 80 Prozent derer, die das dortige Hilfsangebot annehmen, seien obdachlos, so die Leiterin Angelika Leitl-Weber. „Sie haben keine Bleibe. Sie brauchen auch die Bahnhofsmission, wo sie sich aufhalten.“

Doch derzeit muss man Bedürftige über ein Fenster bedienen. Auch Gespräche können nur eingeschränkt geführt werden. Ein soziales Problem für alle Beteiligten.

Am Passauer Konradinum ist die Lage nicht viel besser. Die Hygienemaßnahmen sorgen dort für erhöhten Aufwand bei der Essensausgabe und den Übernachtungen, wie der Leiter der Suppenküche, Florian Geyer, berichtet. Statt 45 bis 50 Essen am Tag könne man nur rund 25 ausgeben. Die Zahl der Schlafplätze habe man sogar von 12 auf 3 reduzieren müssen. Neben den offensichtlichen Probleme, habe dies auch Auswirkungen auf das soziale Leben der Betroffenen. Die Hilfen seien weiterhin erreichbar, jedoch nicht mehr so leicht wie vorher.

Ausgangssperre im Fokus

Nachts darf man sich ohne triftigen Grund nicht mehr im Freien aufhalten. Dies ist Teil des Maßnahmenkatalogs der Regierung.

Josef Seidl lebt seit 14 Monaten auf der Straße. In seine Heimat Thailand kann er in der derzeitigen Situation nicht zurückkehren. Er wünscht sich eine Wohnung, aber wie soll er für die Kosten, insbesondere für die Kaution aufkommen?

Normalerweise würde er ab 22 Uhr auf einer Parkbank schlafen. Doch die Gefahr, von der Polizei erwischt und bestraft zu werden, sei ihm zu hoch. „Da brauchst Plätze, wo du dich verstecken kannst, damit sie dich nicht finden“, fasst er seine Lage zusammen.

Eine Situation, die an die Substanz geht. Wenn man dazu berücksichtigt, dass auch immer mehr Kinder von Obdachlosigkeit bedroht sind, besteht hier dringender Handlungsbedarf.

An der Bahnhofsmission ist man auch auf Spenden angewiesen. Was braucht man? Schuhe und Speisen in Koservendosen stehen ganz oben auf der Liste. Vor einer Spende sollten man diese jedoch telefonisch anmelden.

Sehen Sie dazu auch den Beitrag Obdachlose in Lockdown-Zeiten in der Mediathek von NIEDERBAYERN TV Passau.

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