Als 13-Jähriger begann seine Tortur: Drei Jahre lang wurde er immer wieder von einem Prediger vergewaltigt. Als Erwachsener zeigt der Betroffene, der in Landshut lebt, den Täter an. Es soll ein Akt der Selbstbefreiung werden, doch es wird das Gegenteil: Er wird mit seinem Trauma alleine gelassen. Heute würde er seinen Peiniger nicht wieder anzeigen.

Es gibt den Glauben daran, dass es Gerechtigkeit gibt. Dass es richtig ist, aufzustehen und zu sagen, wenn etwas Unrechtes geschehen ist. Und dass einem geholfen wird in einem Land, das auf seine Bürger achtet. Es ist ein Fundament, das einem Sicherheit gibt.

Stefan H. (Name geändert) hat diese Sicherheit verloren. Er hat sie so sehr verloren, dass er nicht noch einmal tun würde, was er vor zwei Jahren getan hat: den Mann anzuzeigen, der ihn in seiner frühen Jugend über Jahre sexuell missbraucht und vergewaltigt hat. Es sollte ein Akt der Selbstbefreiung werden. Doch es wurde das Gegenteil. Er fühle sich wie im freien Fall. "Es gibt kein Ende", sagt H.

Stefan H. ist 30 Jahre alt, verfügt über ein gewinnendes Wesen und ein charmantes Lächeln. Er strahlt Kraft aus. Das ist der erste Eindruck - und er ist falsch. Es ist eine Fassade. Dahinter steckt eine traumatisierte Seele. Es sind die unauslöschlichen Spuren sexueller Gewalt.