Arbeitslosmeldung digital So funktioniert das digitale Job-Center

Der Gang zur Agentur soll jetzt auch digital vonstatten gehen. Ein erster Zwischenstand. (Symbolbild) Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa

Arbeitslosengeld per Online-Antrag, ganz ohne persönliche Kontakte? Die Corona-Maßnahmen zwingen die Arbeitsagenturen bei den Anträgen für Leistungen zu einer Digitalisierung im Schnellgang. Wie aber funktioniert die Online-Arbeitslosmeldung und wie groß ist der Andrang in Zeiten, in denen mehr und mehr Unternehmen in Schieflage Mitarbeiter freisetzen?

Wer arbeitslos wird und auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, hat bisher persönlich beim Amt vorsprechen müssen. Die Corona-Maßnahmen machen offenkundig auch im Arbeitsablauf der Jobvermittlungs-Behörde vieles zuvor unmöglich geglaubte umsetzbar. Zunächst bis zum 30. September sollen Menschen, die auf Arbeitslosenunterstützung angewiesen sind, ihre Anträge auch von zu Hause aus über das Netz abgeben. Möglich machen soll das das sogenannte Selfie-Ident-Verfahren. Ein mit dem Handy aufgezeichnetes Beweisvideo soll beim virtuellen Behördengang sicherstellen, dass der Sachbearbeiter den richtigen Antragssteller vor sich hat. Der Antragssteller filmt mit dem Handy oder Tablet erst sich selbst und dann ein offizielles Dokument, wie etwa einen Personalausweis.

Briefe für das Verfahren werden seit dem 31. Juli versandt

Geht das aber nun tatsächlich ganz ohne analogen Papierkram? Nicht ganz. „Die Identitätsprüfung muss aber in jedem Fall nachgeholt werden“, erklärt eine Sprecherin der Arbeitsagentur: „Alle Kundinnen und Kunden, die das Verfahren nutzen können, erhalten ein Schreiben von der Bundesagentur für Arbeit.“ Für die Online-Identifizierung brauchen die Kundinnen und Kunden ein Smartphone oder Tablet, auf dem die App laufen kann, eine stabile Internetverbindung und ein gültiges Ausweisdokument. Hier zählt Personalausweis oder Reisepass mit holographischem Merkmal.

Sollten noch Dokumente für den Antrag fehlen, benachrichtigt die Jobcenter-App den Antragssteller. Die sollten dann aber keinesfalls ihre gescannten Dokumente per E-Mail an das Jobcenter schicken, warnt die Agentursprecherin. Nur die verschlüsselte Verbindung auf dem Online-Portal der Agentur sei dafür ausreichend sicher.

Über 11.000 Selbstständige zeitweise in Grundsicherung

Darüber, wie sich die Zahl der Anträge auf Arbeitslosengeld oder Grundsicherung entwickeln, wollen die zuständigen Behörden derzeit noch nicht spekulieren. Regelungen wie Kurzarbeit bewahren zahlreiche Arbeitnehmer in Bayern noch davor, wirklich stempeln gehen zu müssen. Allerdings wird das Kurzarbeits-Modell wohl zwangsläufig an seine Grenzen stoßen, wenn die Wirtschaftskrise aufgrund der Corona-Maßnahmen zu lange dauert.

Für den typischen abhängig Beschäftigten kommt dann erst mal noch das Arbeitslosengeld I. Bitterer wäre das Ende der staatlichen Auffangmaßnahmen für all jene, die in keine Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Unternehmerverbände warnen davor, dass viele Solo-Selbstständige direkt auf Hartz IV fallen könnten. Auch die Agentur bestätigt diese Möglichkeit zumindest – ohne allerdings konkrete Zahlen nennen zu können, wie viele Menschen sich in dieser Situation wiederfinden könnten: „Selbstständige beziehen in der Regel Grundsicherung, weil sie nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.“

Während des Lockdowns zwischen April und Juli waren bayernweit laut Angaben der Agentur mehr als 11.000 Selbständige auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen. Insbesondere zur Zeit des Lockdowns, erhielten viele Selbständige die finanzielle Unterstützung. Aktuell sind davon laut Agenturangaben noch rund 1.000 Selbständige in der Grundsicherung.

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