"Vormittags ist Schule, nachmittags übe ich, abends komponiere ich und nachts mache ich Hausaufgaben." Viele Jahre hat Alexanders Leben genau so ausgesehen, inzwischen hat der 18-jährige Pianist und Komponist aus dem kleinen Ort Höhhof im Landkreis Cham sein Abitur in der Tasche und studiert am Mozarteum in Salzburg. Er sagt von sich selbst, dass er nie vor der Entscheidung gestanden sei, sein Hobby zum Beruf zu machen, denn "im Grunde genommen ist das Klavierspielen seit meiner Kindheit mein Beruf, meine Berufung."

So gesehen beginnt Alexanders berufliche Laufbahn mit vier Jahren. Damals bedrängt er seine Eltern so lange, bis sie ihm ein Klavier kaufen. "Gegen die musikalische Früherziehung mit Xylophon und Flöte habe ich mich erfolgreich gewehrt," grinst er. Auch gegen "blöde und langweilige Übungen" im Klavierunterricht lehnt er sich auf. Er hatte das Glück, dass ihn seine beiden Klavierlehrer von Anfang an spielen ließen. "Ich habe meine Kompositionen vorgespielt und mein Klavierlehrer hat die Noten aufgeschrieben, denn Notenschreiben konnte ich damals noch nicht." Und Alexander spielt, er spielt jeden Morgen nach dem Aufstehen und er spielt jeden Abend, bevor er ins Bett geht. Wenn er übt, schaut er nicht auf Uhr, deshalb weiß er auch nicht so genau, wie lange er täglich an seinem Instrument sitzt. So zwischen vier und acht Stunden werden es wohl sein, meint er.

"Ich muss ständig über mich selber lachen"

Alexander schreibt mit sieben Jahren seine erste Komposition, vollendet mit 14 Jahren - er besucht inzwischen das Musikgymnasium der Domspatzen in Regensburg - seine erste Sinfonie. Bald schon steht der Begriff "Wunderkind" im Raum. Für Alexander hat das keine Relevanz. Es sei zwar schön, wenn man von außen eine Bestätigung bekomme, aber er möchte einfach nur Klavierspielen und dahinter stecke trotz allem Talent viel Arbeit.

Ein junger Bursch` aus einer ländlichen Gegend, der stundenlang am Klavier sitzt statt sich beim Fußball auszutoben, waren da Hänseleien nicht vorprogrammiert? "Ach, mich kann man nicht hänseln, ich muss nämlich ständig über mich selber lachen", meint er mit einem verschmitzten Lächeln und lässt nicht unerwähnt, dass er jahrelang Fußball und Volleyball gespielt hat, bis es dann für seine Pianistenhände zu gefährlich wurde.

Erstes Konzert mit zwölf Jahren

Sein erstes Konzert gibt Alexander mit etwa zwölf Jahren. Vor etwa 40 Leuten spielt er im Wasserschloss in Loifling. Damals wie heute verfolgt Alexander mit seinen Auftritten ein großes Ziel: "Ich möchte den Menschen die Schönheit und den kulturellen Reichtum der klassischen Musik in Erinnerung rufen. Sie darf nicht als Kulturobjekt in einem Museum vergammeln." Anders als ein Bild oder eine Skulptur, die einmal geschaffen worden sei, lebe ein Musikstück und könne immer wieder neu interpretiert werden.

Lassen sich denn auch Jugendliche von seiner Musik begeistern? "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auf die Jugend zugehen und ihr einfach vorspielen muss. Dann kommt oft der Aha-Effekt", erzählt Alexander und fügt hinzu: "Auf meinen Konzerten sind viele junge Leute." Und diese jungen Fans folgen ihm auch auf Facebook und Twitter.

"Musik muss man fühlen, nicht verstehen"

In diesem Zusammenhang lässt Alexander nicht viel Gutes am Musikunterricht an der Schule: "Man sollte nicht ständig nur über Musik sprechen, sondern Musiker in den Unterricht einladen. Musik bedeutet nur das, was es in dir bewirkt. Wichtig ist das Fühlen, nicht das Verstehen."

Und so ist Alexander rückblickend auch der festen Überzeugung, dass man das Klavierspielen selber lernen und fühlen muss, es kann einem niemand beibringen. Alexander vergleicht es mit dem Fahrradfahren: "Man kann einem Kind die Hand geben, wenn es das Radfahren lernt, man kann es führen und hin und wieder loslassen, aber man würde nie auf die Idee kommen, sich zu dem Kind aufs Fahrrad zu setzen."

In seinem Leben möchte Alexander zwei Bereiche vereinen: Pianist und Komponist. Dazu studiert er derzeit am Mozarteum in Salzburg, er gibt Klavierkonzerte, solo oder mit Orchester, er komponiert Bühnenmusik, spielt selber Bühnenmusik am Theater und er übt, viele Stunden täglich. Wie lange, das weiß er nicht, Zeit spielt für ihn keine Rolle. Wie gesagt, er schaut nicht auf die Uhr, er weiß nicht, welcher Tag heute ist, er lebt in seiner Musik. Er geht zu seinem Flügel im Wohnzimmer seines Elternhauses und spielt.