Ab heute wieder zum Arzt Krankschreibung per Telefon - Spahn will nochmal reden

Wer eine Krankschreibung wegen Atemwegsbeschwerden brauchte, bekam diese zuletzt auch ohne Praxisbesuch, nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt - eine Vorsichtsmaßnahme in der Corona-Krise. Nun ist damit Schluss. Nach massiver Kritik am Auslaufen der telefonischen Krankschreibungen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Gespräche darüber angekündigt.

Der Minister verwies zwar darauf, dass die Entscheidung von der Selbstverwaltung von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen getroffen wurde. Dennoch werde man im Lichte der Debatte das Gespräch mit der Selbstverwaltung suchen.

In der Corona-Krise war die Möglichkeit eingeführt worden, sich bei Erkältungssymptomen telefonisch krankschreiben zu lassen. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und gesetzlichen Krankenkassen (G-BA) hatte dies am Freitag aber nicht mehr verlängert - gegen die Stimmen von Medizinern und Krankenhäusern. Arbeitnehmer, die sich wegen einer Erkältung krankschreiben lassen wollen, müssen dafür seit diesem Montag wieder beim Arzt vorsprechen.

Unterdessen gibt es von Ärzteverbänden viel Kritik am Auslaufen der Sonderregelung. Die Entscheidung habe bei Ärzten, "aber auch bei vielen anderen patientennahen Akteuren", für blankes Entsetzen gesorgt, sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der Deutschen Presse-Agentur. "Es kann nicht sein, dass einerseits an einem weitgehenden Kontaktverbot festgehalten wird und andererseits Patienten mit Infekten jetzt wieder die Praxen aufsuchen."

Das Ende der Krankschreibung per Telefon komme zu früh, sagte Bundesärztekammerpräsident Klaus Reinhardt. "Es bedeutet eine gesundheitliche Gefährdung der Praxisteams und auch der Patienten."

Er forderte "zunächst für mindestens zwei Wochen an der pragmatischen Sonderlösung festzuhalten". Fällen von Missbrauch müsse selbstverständlich nachgegangen werden. "Sie sind aber kein Grund, die Regelung jetzt für alle aufzuheben."Gesundheitspolitiker, Ärzteverbände, Gewerkschaften und Verbraucherschützer hatten das massiv kritisiert.

Arbeitgeber hatten die Entscheidung, die Ausnahmeregelung auslaufen zu lassen, begrüßt. Der G-BA Vorsitzende Josef Hecken hatte den Schritt mit einer deutlichen Verlangsamung der Dynamik in der Corona-Krise begründet.

Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) teilte mit, die Entscheidung gefährde nicht nur Patienten und Ärzte, sondern lasse die Selbstverwaltung des Gesundheitswesens auch in keinem guten Licht erscheinen. Die Krankschreibung per Telefon müsse so lange wieder möglich sein, bis ausreichend Schutzkleidung vorhanden sei.

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