Dürreschäden und Schädlinge Klöckner will übergreifende Klima-Nothilfen für den Wald

Inmitten von gesundem Grün: Die braunen Nadeln einer vertrockneten Kiefer. Foto: Patrick Pleul/dpa

Extreme Trockenheit und Borkenkäfer lassen den Wald leiden. Um die dramatischen Verluste zu reparieren, sucht die Politik den Dialog mit Praktikern und Experten. Finanzielle Zusagen gibt es noch nicht.

Berlin - Die deutschen Wälder sollen nach massiven Schäden durch Dürre und Schädlinge besser für den Klimawandel gewappnet werden. Bundesagrarministerin Julia Klöckner strebt dazu ein übergreifendes Vorgehen für Nothilfen an.

Es gehe nicht darum, Verluste einzelner Waldbesitzer auszugleichen, sagte die CDU-Politikerin nach einem Treffen mit mehreren Verbänden in Berlin. Im Sinne des Gemeinwohls und der Klimaschutzfunktion des Waldes müsse beschädigtes Holz rasch herauskommen und eine große Wiederaufforstung folgen. Konkrete Summen für staatliche Zuschüsse nannte sie vorerst nicht.

Im Wald zeige sich "eine Zäsur", betonte Klöckner nach dem Treffen mit Vertretern von Waldbesitzern und Forstwirtschaft, Naturschutz- und Jagdverbänden, Holzverarbeitern und Kommunen. Bäume hätten teils jetzt schon gelbe Blätter, gestandene Buchen drohten zu vertrocknen. Nach Stürmen und zwei Jahren mit zu wenig Regen hätten Borkenkäfer leichtes Spiel. Rund 110.000 Hektar Wald seien verloren gegangen.

Bei der Wahl geeigneter Baumarten für eine Aufforstung könne man aber nicht pauschal vorgehen, dies müsse je nach Standort entschieden werden, sagte die Ministerin. In Baumschulen stünden rund eine Milliarde Pflanzen bereit, die zügig gesetzt werden könnten. Es gebe aber teils Engpässe bei Förstern. Einstellungsstopps in einigen Bundesländern seien da ein Problem.

Mit Blick auf Forderungen nach staatlichen Hilfsprogrammen legte sich Klöckner noch nicht fest. Sie machte deutlich, dass aus Sicht des Bundes eine Größenordnung von rund einer halben Milliarde Euro über vier Jahre realistisch sein könnte. Beschlüsse werden bei einem "Waldgipfel" von Bund und Ländern am 25. September angestrebt. Die Forstwirtschaft fordert schon einen umfassenden "Pakt für den Wald". Insgesamt sei von Kosten von rund zwei Milliarden Euro auszugehen, hatte der Verband der privaten Waldeigentümer (AGDW) erläutert.

Der Leiter des bundeseigenen Thünen-Instituts für Waldökosysteme, Andreas Bolte, erklärte, der Klimawandel sei endgültig im Wald angekommen. Dabei sei die jetzige Lage "ein gewisser Warnschuss": Die Wälder würden nicht sterben, sich aber deutlich verändern. Dabei sei eine aktive Wiederbewaldung sinnvoll - in Kombination aus den natürlich herabfallenden Samen der Bäume und zusätzlichen Arten, die sich auch in anderen Regionen als widerstandsfähig erwiesen hätten. Bolte nannte etwa Douglasien, Küstentannen oder ungarische Eichen.

Aus Sicht der Umweltorganisation Greenpeace kann der Wald auf lange Sicht nur widerstandsfähig werden, wenn er sich in längeren Pausen an neue Bedingungen in der Klimakrise anpassen könne. "Vor allem alte Laubwälder müssen von der Motorsäge verschont werden", sagte Expertin Gesche Jürgens der Deutschen Presse-Agentur. Die Grünen im Bundestag forderten einen Fonds von einer Milliarde Euro. Dies solle als Sofortmaßnahme helfen, artenreiche Mischwälder zu bekommen, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter in Dresden. Sie hätten die besten Chancen, "dem Druck aus Dürre und Hitze standzuhalten".

Der FDP-Forstpolitiker Karlheinz Busen sagte der dpa, beim Waldumbau dürfe es keine ideologisch motivierten Denkverbote mehr geben. Statt beschränkt weiter auf heimische Arten zu setzen, sollten auch schnellstmöglich Baumarten angepflanzt werden können, die etwa in Osteuropa vorkommen und an Trockenheit und Hitze angepasst seien. Beschädigtes Holz dürfe nicht massenhaft im Wald belassen werden. Dazu sei auch ein größerer Hilfseinsatz der Bundeswehr erforderlich. Der Deutsche Jagdverband erklärte, es reiche nicht, Abschussvorgaben für Rehe und Hirsche zu erhöhen, um Neuanpflanzungen zu schützen. "Waldumbau mit dem Gewehr ist viel zu kurz gedacht."

 

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