Musik

Volksmusik global


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Von Redaktion idowa

"Tradition ist die Bewahrung des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" Diesen Satz von Gustav Mahler hat sich das "Woidwind"-Festival im Wasserschloss in Loifling auf die Fahnen geschrieben. Jung soll die "VolXmusik", die die Veranstalter dort präsentieren, sein, dynamisch und rebellisch. Tatsächlich, mit Humpfta-Humpfta hat Volksmusik schon lange nichts mehr zu tun. Zumindest die, die man außerhalb des Musikantenstadels hört. Das beweisen nicht zuletzt die österreichischen Musiker von "HBMC" sowie ihr Kollege Florian Zack, die am 29. September beim "Woidwind"-Festival auftreten.

Dabei spielen die neuen, rebellischen Musiker in der österreichischen Volksmusik noch einmal eine ganz andere Rolle als in der deutschen. Hier kennt man Bands wie "LaBrassBanda" und "Django 3000" als Vertreter der "Neuen Bayerischen Welle", unter anderem ausgerufen von Bayern 3-Moderator Matthias Matuschik. Hierzulande ist der Mix aus traditionellen Instrumenten und schnellen Rhythmen neu und aufregend. Die Österreicher kennen die Mischung in Form von Bands wie "Russkaja" und Musikern wie Hubert von Goisern schon länger.

Außerdem - hört man sich einmal die "VolXmusik"-Bands genau an, stellt man schnell fest: Reggae, Calypso und Polka haben meist nur sehr wenig mit dem zu tun, was man üblicherweise unter dem Begriff versteht. Gut, Zwiefache und Gstanzl gibt es auch - die die Musiker aber dann zumindest mit rockigen Gitarren vermischen. "Wir würden uns auch gar nicht als Volksmusik-Band bezeichnen", sagt Philipp Lingg von der Band HBMC. Kennt man nur ihren bisher größten Hit "Vo Mello bis ge Schoppornou" könnte man sie fast für eine amerikanische Blues-Band halten. Entsprechend schwer tut sich die Band, die bei ihren Auftritten schon mal eine Blasmusik-Version von "Every breath you take" von "The Police" zum Besten gibt und deren Mitglieder allesamt klassische Musik studiert haben, mit dem Begriff "Neue Volksmusik." Letztlich spielen die fünf die Musik, die ihnen Spaß macht, und vermischen dabei alles, was ihnen gefällt.

Zwiefache und Reggae

Ihr Kollege Florian Zack sieht das ähnlich. "Ich glaube, dass das Akkordeon und Brasilien mehr gemein haben als Volksmusik und Polka", meint er. Klingt zunächst wie ein Scherz, bis er über die lange und komplexe Geschichte der Akkordeonmusik in Brasilien erzählt. Die war es, die ihn auf seinen Reisen durch Südamerika inspiriert hat, etwas Ähnliches auch in Österreich zu versuchen. Damit ist er nicht der Einzige, wie er sagt. "Natürlich hört man sich die anderen Musiker aus der Ecke an. Wir experimentieren gerne und vermischen viel", sagt er. Auch, weil es einfacher geworden sei, Musik aus anderen Ländern zu hören. "Früher war es die Ausnahme, wenn man für ein halbes Jahr ins Ausland gegangen ist. Heute ist es üblich." Das wirkt sich seiner Meinung nach auf die Musiker aus. "Die Musik ist globaler geworden."

Das ist vielleicht auch der Grund, warum jeder die neue Volksmusik hört und so viele sie gut finden. Es ist für jeden etwas dabei: Oma und Opa hören wieder Instrumente wie Zither und Akkordeon, Mama und Papa deutsche Texte und die jungen Leute tanzen zu Polka- und Ska-Rhythmen ab. Die Texte sind frech und rebellisch, die Musiker cool und ganz weit weg von den üblichen Volksmusik-Klischees. Das macht Lust auf mehr - und darauf setzten auch die Macher des "Woidwind"-Festivals. Wer einen Vorgeschmack wollte, bekam ihn am letzten, brütend heißen Volksfestmontag. Florian Zack spielte in einem kochenden Beckzelt - und brachte sogar die Bedienungen zum Tanzen.

Von Sebastian Geiger

Vermischt Volksmusik mit internationales Einflüssen: Florian Zack.

Vermischt Volksmusik mit internationales Einflüssen: Florian Zack.