Psyche
Trügerisches Vertrauen: Was hinter dem Mere-Exposure-Effekt steckt

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Marken setzen auf Wiedererkennung. Dahinter steckt ein psychologisches Phänomen.
Du hörst ein Lied zum ersten Mal – und findest es erst einmal nervig. Zwei Wochen später läuft es wieder im Radio ... und auf einmal summst du mit. Handelt es sich dabei um einen Zufall? Wahrscheinlich nicht. Hinter diesem Phänomen steckt ein psychologischer Effekt, der zeigt: Je öfter wir etwas sehen oder hören, desto sympathischer wird es uns. Das ist der Mere-Exposure-Effekt.
Der Psychologe Robert Zajonc zeigte im Jahr 1968 zum ersten Mal in einem Experiment, dass allein die wiederholte Wahrnehmung eines Reizes dazu führen kann, dass wir ihn positiver bewerten. Der Ablauf des Experiments: Robert Zajonc präsentierte den Versuchspersonen damals in mehreren Durchgängen unbekannte chinesische Schriftzeichen. Später wurden dann die Schriftzeichen als positiver bewertet, die in den vorigen Durchgängen bereits dabei waren. Eine Besonderheit, die Robert Zajonc bei seinen Versuchen herausfand: Der Effekt funktioniert sogar, wenn wir gar nicht bewusst merken, dass wir etwas schon einmal gesehen haben.
Es gibt mehrere Ideen und Theorien, warum das so funktioniert. Hier sind zwei Beispiele:
- Unser Gehirn hat viel zu tun und liebt daher Vertrautheit. Vertrautes lässt sich schneller und leichter verarbeiten. Das fühlt sich angenehm an.
- Vertraut heißt sicher: In der Evolution war es sinnvoll, bekannte Dinge zu bevorzugen. Wenn etwas vertraut ist, ist es wahrscheinlich weniger gefährlich als etwas Neues.
Auch die Werbung nutzt den Effekt, indem Logos oder Produkte immer wieder gezeigt werden. Social Media funktioniert ähnlich. Und sogar Freundschaften: Wir mögen häufig die Menschen eher, denen wir regelmäßig begegnen – zum Beispiel in der Schule, im Studium oder im Sportverein.
Doch der Mere-Exposure-Effekt hat auch Grenzen. Wenn wir etwas von Anfang an stark negativ finden, hilft Wiederholung meist nicht. Und wenn etwas zu oft oder zu aufdringlich gezeigt wird, kann es auch das Gegenteil bewirken: Wir fühlen uns genervt.
Beobachte dich doch mal, wo du dem Mere-Exposure-Effekt aufgesessen sein könntest – und ob das so okay für dich ist. So objektiv, wie wir oft gerne wären, sind wir nämlich gar nicht.












