Buch-Tipp
„Tränen im Asia-Markt“ ist ein Liebesbrief an Mütter und koreanisches Essen

Ullstein
„Tränen im Asiamarkt: Eine Geschichte von Trauer, Liebe und koreanischem Essen“ von Michelle Zauner, erschienen im Ullstein Verlag.
Darum geht’s: Jede Zutat, jedes Gericht im Asiamarkt erinnert Musikerin und Autorin Michelle Zauner an ihre an Krebs verstorbene Mutter. Denn die war eine wahre Feinschmeckerin und begnadete Köchin, die ihrer Familie auch komplexe koreanische Gerichte servierte.
Die Erinnerungen schmerzen: Michelles Mutter zeigte ihre Liebe durch Essen und übertriebene Fürsorge. Doch sie konnte auch grausam sein, wenn das Leben der Tochter nicht ihren Vorstellungen entsprach.
Vor allem als Michelle in ihren frühen Zwanzigern keinen festen Halt im Leben findet und dem hoffnungslosen Traum einer Musikkarriere folgt, sieht die Mutter jede Entscheidung ihrer Tochter als persönlichen Affront. Schließlich habe sie so viel Zeit und Mühe in ihre Tochter investiert: sei es durch ihre aufwendigen Mahlzeiten oder die zahlreichen Beauty-Cremes, die sie Michelle gegeben hat, damit sie schön und erfolgreich sein kann.
Die Krebsdiagnose verändert das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter noch ein letztes Mal. Michelle erinnert sich an gemeinsame Trips nach Korea, um ihre Familie dort zu besuchen. Sie beschreibt ihre ersten Konzerte und wie ihre Mutter insgeheim hoffte, dass Michelle den Traum einer Musikkarriere möglichst schnell aufgeben würde. Und am wichtigsten: Im Buch „Tränen im Asiamarkt“ fasst sie eine komplizierte Beziehung zusammen, voller Liebe und kultureller Unterschiede. Das Leben der beiden Frauen ist nämlich gespalten zwischen der enttäuschenden Gegenwart in den USA und ihren Wurzeln in Korea.
Fazit: „Tränen im Asiamarkt“ schafft es, emotionale Komplexität mit einfacher Sprache einzufangen. Mit jedem Kapitel beginnt man, sowohl Mutter als auch Tochter mehr zu verstehen und warum ihr Verhältnis so kompliziert ist.
Gleichzeitig schneidet das Buch viele spannende Themen an: Ein großer Fokus wird auf die koreanische Küche gelegt. Gerichte werden vorgestellt und emotional mit der biografischen Geschichte verknüpft. Aber die Autorin, die manche vielleicht als Frontfrau der erfolgreichen Indie-Band Japanese Breakfast kennen könnten, fasst auch das Leben einer hungrigen Künstlerin ein und wie sie in der Indie-Szene nach vielen Jahren Fuß gefasst hat. In ihrer Musik fängt sie auf sanfte und einfühlsame Weise komplizierte Emotionen ein. Als Autorin behält sie dieses Talent zum Glück bei.









