Freistunde

Leonard Becker studiert klassische Gitarre

Der 20-Jährige hat mit seinem Instrument einige Preise Gewonnen. Trotzdem feiert er zu Techno und Pop.


Zusammen mit vier Kommilitonen hat Leonard (Mitte) das "Tedesco Quintett" gegründet. Foto: Martina Steenken

Zusammen mit vier Kommilitonen hat Leonard (Mitte) das "Tedesco Quintett" gegründet. Foto: Martina Steenken

Laute Techno-Musik. Dichter Nebel, blaue und grüne Scheinwerfer. Stickige Luft, tanzende Menschen. Unter ihnen: Leonard Becker. Ein Blick auf die Uhr. 23.16 Uhr. Zeit, die Party zu verlassen. Leonard muss morgen früh raus.

Der 20-Jährige spielt Gitarre. Seine Musikrichtung: klassisch. Werke von Bach, Tarrega und Rodrigo sind sein Alltag. Für Leonard gab es noch nie etwas anderes. "Meine Mutter hat mir, schon als ich klein war, klassische Musik auf der Gitarre vorgespielt", blickt Leonard zurück, der aus Viechtach im Landkreis Regen kommt.

Seine Mutter zeigt ihm verschiedene Techniken an der Gitarre. "Sie war meine erste Lehrerin." Als ihr Wissen nicht mehr ausreicht, nimmt Leonard in der dritten Klasse Unterricht. Während andere Kinder Fußball spielen, übt Leonard Stücke von Johann Sebastian Bach.

Mit der klassischen Musik kann Leonard seine Persönlichkeit ausdrücken. Foto: privat

Mit der klassischen Musik kann Leonard seine Persönlichkeit ausdrücken. Foto: privat

Klassische Musik läuft nicht nur im Hintergrund

Mit den Jahren wird er immer besser und gewinnt 2015 mit 16 Jahren in Hamburg bei "Jugend musiziert". Ein bundesweiter Musikwettbewerb für Kinder und Jugendliche.

Auch in der Pubertät interessiert sich Leonard weiter für klassische Musik. "Das ist Kunst. Jeder Ton wird geformt, bis er passt. Das fasziniert mich", erklärt der 20-Jährige. "Die Komponisten geben grob vor, wie die Stücke klingen sollen. Trotzdem habe ich genug Raum, um sie meiner Persönlichkeit anzupassen."

Auch zu Hause hört der 20-Jährige hauptsächlich klassische Musik. "Die läuft bei mir aber nicht nur im Hintergrund, ich höre da sehr intensiv zu", sagt Leonard.

Er fragt sich dabei zum Beispiel: Wie gestalten die Musiker die Melodien? Wie interpretieren sie die Musik? "Oft höre ich auch Musik, die ich noch nicht kenne, aber gerne kennenlernen möchte", erklärt er. Abends beim Feiern tanzt Leonard jedoch mit seinen Freunden zu Techno und Pop.

Nach seinem Erfolg in Hamburg will Leonard mehr. "Ich habe einen richtigen Drang verspürt, meinen Horizont noch mehr zu erweitern", sagt er. Leonard bewirbt sich für ein Jungstudium an der Musikhochschule in München - und wird genommen. Neben Gitarrenunterricht und Abiturvorbereitung steht jetzt noch Studieren auf dem Stundenplan.

Nach dem Schulabschluss ist für Leonard klar, wie es weitergeht. Er beginnt sein Gitarrenstudium in München. Die Aufnahmeprüfung muss er trotz Jungstudium mitmachen. Neben Musiktheorie, Gehörbildung und Instrumentenkunde liegt der Hauptfokus im Studium auf dem Instrument.

Hautnah am Ton: Leonard übt täglich viele Stunden

Leonard beherrscht auch die Basics am Klavier, aber die Gitarre hat es ihm angetan. "Ich liebe es, dass man beim Spielen so hautnah an der Produktion des Tones ist. Bei der Gitarre formt man jeden Ton mit den Fingerspitzen direkt an der Saite."

Die Musik ist für Leonard längst kein Hobby mehr. Die meiste Zeit des Tages verbringt er in den Übungsräumen der Hochschule. "Ich übe täglich zwischen sechs und acht Stunden", sagt er. Nach den Kursen spielt Leonard oft selbst noch bis zwölf Uhr nachts.

"Technik ist keine Zauberei, sondern Handwerk"

Zusammen mit vier Kommilitonen gründet er ein Quintett. Bestehend aus Streichquartett und Gitarre. Das "Tedesco Quintett". "Das ist das Praktische an meinem Studiengang, hier sind viele wahnsinnig gute Musiker. Da habe ich einfach mal rumgefragt", sagt er.

Und die fünf haben Erfolg. Im März gewinnen sie den internationalen Kammermusik-Wettbewerb für Streichquartett und Gitarre in Schweinfurt und setzen sich gegen professionelle Musiker aus Russland, und Großbritannien durch. "Da war auch ein schönes Preisgeld für uns drin", sagt Leonard und lacht verschmitzt. Eigene Konzerte sind für den Viechtacher wie eine Rede, vollgepackt mit Emotionen - nur eben mit Musik. Besucht der 20-Jährige klassische Konzerte, beobachtet er die Künstler genau: "Beim Zuhören kann ich unheimlich viel lernen."

Aber auch sein Streichquartett ist Leonard eine große Hilfe. Am meisten inspirieren ihn die Nicht-Gitarristen, sagt er. "Die Gitarre ist eher ein rhythmisches Instrument", klärt er auf. "Ich kann damit Töne nicht ewig halten, wie ein Streicher zum Beispiel. Deshalb ist es schwieriger für mich, Melodien zu spielen."

Mit der richtigen Technik geht das auch mit der Gitarre. Und die will Leonard beherrschen. "Technik ist keine Zauberei, sondern Handwerk. Die Zauberei ist die Musik selbst", sagt er.

Eine Basis aufbauen, um später von der Musik leben zu können

Der 20-Jährige will zu den Besten gehören, um später von seiner Musik leben zu können. Aber die Konkurrenz ist groß. "Ich muss mir schon jetzt eine Basis aufbauen, um später mit Konzerten genug Geld zu verdienen."

Der Tag nach dem Discobesuch. Leonard ist auf der Autobahn Richtung München unterwegs. Heute Abend steht ein Konzert mit dem "Tedesco Quintett" an.