Zerstören eBooks den klassischen Buchhandel?

„Kleine Buchläden werden überleben“


Buchhändlerin Jutta Poetschke ist überzeugt, dass es das klassische Buch weiterhin geben wird. (Foto: Forster)

Buchhändlerin Jutta Poetschke ist überzeugt, dass es das klassische Buch weiterhin geben wird. (Foto: Forster)

Von Simon Forster

Im Gespräch mit Jutta Poetschke, selbst Buchhändlerin seit 26 Jahren, wird deutlich, dass die Entwicklung hin zum eBook noch weiter voranschreiten wird. Aber das muss nicht das Ende für den klassischen Buchhandel bedeuten. "Kleine Buchläden werden überleben", sagt sie einmal während des Gesprächs.

Frau Poetschke, Sie sind seit 26 Jahren Buchhändlerin. Was bedeutet für Sie die Welt der Bücher?

Jutta Poetschke: "Lese ich ein Buch, tauche ich in eine mir völlig fremde Welt ein. Es entspannt mich und unterhält. Es bedeutet Hingabe."

Diesen Service bieten jedoch sowohl klassische Bücher in Druckform als auch sogenannte eBooks in Digitalform. Warum sollte man ihrer Meinung nach dennoch zum klassischen Buch greifen?

"In erster Linie ist es natürlich immer Geschmackssache. Dennoch denke ich, dass viele Leser emotional entscheiden. Aus dem Gefühl heraus. Sie werden sich genau überlegen: 'Was ist mir lieber?' Ein klassisches Buch hat einen ganz eigenen Geruch. Zudem kann man einen Knick in die Seiten machen. Das erlaubt ein eBook nicht."

Trotzdem ist die Entwicklung weg vom gedruckten Buch und hin zum eBook nicht zu leugnen. Wie schätzen sie diese Tatsache ein? Bedeuten eBooks das Ende für den klassischen Buchhandel?

"Es ist richtig, dass die Trends für das eBook in Deutschland steigen. Letztes Jahr hat es auf dem Markt eine sichtbare Zunahme von eBook-Käufen gegeben. Aber man muss auch deutlich sagen, dass sich das hier bei uns in Landau nicht sonderlich bemerkbar macht. Und nein, das eBook wird das gedruckte Buch ganz sicher nicht ersetzen. Es wird beides bestehen können."

Sehen Sie diese Entwicklung dennoch als Bedrohung für den klassischen Buchhandel? Oder bieten sich auch Chancen?

"Als Bedrohung würde ich es nicht bezeichnen. Ich denke, es wird dazugehören. Das eBook wird ein anderes Mittel sein, um zu lesen. Und es gibt auch viele Kunden, die nach einem kurzen eBook-Exkurs wieder zu einem herkömmlichen Buch greifen. Denn mit einem klassischen Buch hat man einfach etwas in der Hand. Das beeinflusst das haptische Vergnügen. Chancen sehe ich darin, dass dadurch auch neue Kundenkreise angesprochen werden können. Technikfreaks greifen eben lieber zu einem elektronischen Gerät als zu einem Buch."

Was passiert mit großen bzw. kleinen Buchhandlungen, wenn die Entwicklung noch weiter zunimmt? Wie stehen dann die Überlebenschancen?

"Große Buchhandlungen werden es schwer haben. Das zeichnet sich auch jetzt schon ab. Thalia zum Beispiel hat einige Häuser schließen müssen. Kleinere Ketten hingegen eröffnen viele Geschäfte. Dennoch ist es unumstritten, dass Buchhandlungen kämpfen müssen."

Dass Buchhandlungen es auch durch Internetshops wie Amazon schwer haben, ist bekannt. Verliert auch Ihr Laden Kunden an das Internet?

"Natürlich gibt es auch bei uns Menschen, die über Amazon bestellen. Aber ich denke, das hält sich in Grenzen. Wir haben einen überschaubaren Kundenstamm, der weiß, was er an uns hat. Überhaupt glaube ich, dass nach den ganzen negativen Berichten über Amazon (Anm. d. Red. Schlechte Arbeitsbedingungen, Billiglöhne), viele davon absehen, dort einzukaufen. Auch finde ich die Vorstellung, dass ganze Städte mit Paketen zugekleistert werden, beunruhigend. Dadurch veröden die Städte nur noch mehr. Den Leuten muss bewusst werden, dass es wichtig ist, örtliche Geschäfte zu unterstützen."

Was wird demnach das Modell der Zukunft sein? Auf was muss sich der klassische Buchhandel einstellen?

"Man muss vorbereitet sein. Immer aktuell bleiben. Die beratende Komponente muss großgeschrieben werden, da ich denke, dass die Beratung im Buchladen eine ganz andere ist als online. Dass man mit dem Angebot, welches das Internet zur Verfügung hat, nicht Schritt halten kann, muss klar sein. Unsere Kunden aber wissen, dass wir nicht alles vor Ort haben können. Sie verstehen das und sind bereit, zu warten. Wir können das gewünschte Buch auch innerhalb eines Tages nachbestellen. Vom Angebot her muss man breit aufgestellt sein. Die Neuerscheinungen, Standardwerke, aber auch Bücher, die mir und meinen Mitarbeiterinnen selbst gut gefallen. Mit der Zeit weiß man, in welche Richtung die Kundschaft geht."

Ihr Lieblingsbuch?

"Insgesamt lese ich gerne, was sich mit unserem Leben beschäftigt. Aber auch Bücher, die mich auf andere Gedanken bringen. Zurzeit ist mein Lieblingsbuch "Die Abenteuer des Joel Spazierer" von Michael Köhlmeier . Darin geht es um einen Jungen namens Joel Spazierer, der nie lernt, was gut und was böse ist."