[Frei]stunde!

Die Vampire sind los!


Forscher Dr. Peter Mario Kreuter hat sich auf den südosteuropäischen Volksglauben an Vampire spezialisiert. (Foto: Petra Preß)

Forscher Dr. Peter Mario Kreuter hat sich auf den südosteuropäischen Volksglauben an Vampire spezialisiert. (Foto: Petra Preß)

Von Julia Gabauer

Bis(s)-Fans schützt eure Hälse, denn nach Blut lechzende Vampire sind wieder unterwegs! Am Donnerstag hat das Warten der Fans von Edward, Bella, Jacob und Co. ein Ende. Denn "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht - Teil 1" kommt in die deutschen Kinos. Die Vorlage für den vorletzten Film der Twilight-Saga lieferte Autorin Stephenie Meyer mit ihren vegetarischen Vampiren der Bis(s)-Buchreihe. Aber inwieweit ähneln denn diese Vampire ihren Blutsauger-Kollegen aus südosteuropäischen Legenden? Freistunde befragte dazu Vampirforscher Dr. Peter Mario Kreuter.

Der Vampir hat Hochsaison. Derzeit regiert der blasse Geselle Bücherregale, Kinos und Fernsehprogramme. Eingefleischte Fans saugen den Stoff in sich auf wie der Vampir den roten Lebenssaft. Der Hype um die Blutsauger begann aber erst mit Stephenie Meyers erstem Buch "Bis(s) zum Morgengrauen" und dessen Verfilmung. Seitdem sind Vampir Edward und seine menschliche Geliebte Bella in aller Munde. Neu ist die Idee aber nicht. Schon 1897 lieferte Bram Stoker mit "Dracula" den ersten Vampirroman der Literaturgeschichte. Für viele stellt der anzugtragende Graf, der des Nachts mal eben Menschenblut schlürft, immer noch den typischen Vampir dar. Aber "einen Prototyp gibt es nicht", sagt Peter Mario Kreuter, der sich neben weiteren Schwerpunkten auf den südosteuropäischer Volksglauben an Dämonen, speziell Vampire, spezialisiert hat. Seine Forschungarbeit betreibt er im Südost-Institut, einem Wissenschaftszentrum in Regensburg.

Obwohl in den verschiedenen Kulturen der Welt unzählige Vampirdarstellungen zu finden sind, verkörpert der Vampir immer das Prinzip des Wiedergängerglaubens. Ein kürzlich Verstorbener wird begraben und kann unter Umständen in die Welt der Lebenden zurückkehren, um sein altes Verhalten wieder aufzunehmen. Dabei ist es in den Sagen immer jemand aus der eigenen Familie oder dem Dorf. "Auch die literarische Idee, dass Vampire wie du und ich unter uns leben hat zum Beispiel Anne Rice bereits in ,Interview mit einem Vampir' behandelt", weiß der Forscher. Durch Literatur und Kino wurde eine alte Figur neu interpretiert und so kam schließlich Stephenie Meyer mit ihren modernen, Porsche fahrenden Vampiren.

Dabei waren die Menschen schon vor Jahrhunderten an der Unsterblichkeit der Vampire interessiert. Der Gedanke, dass ewiges Leben mit der Zerstörung bestehenden Lebens erkauft wird, faszinierte sie. Außerdem kann ein Vampir sowohl Mann als auch Frau sein und die Erotik spielt dabei eine große Rolle. Denn der Vampirbiss wird gerne kussähnlich dargestellt. "Die Gestalt Vampir ist voraussetzungslos. Und seit Buffy wissen wir: auch blonde Cheerleader können Vampirjägerinnen werden."

Gute oder böse Vampire?

Stephenie Meyers schwarz-weiße Version von bösen Vampiren und guten, die dem Menschenblut entsagen und von Tierblut leben können, weicht allerdings sehr von den Legenden ab. Ein Vampir ist nicht böse an sich, er gehört einfach nicht in diese Welt und deswegen muss er beseitigt werden. Es gibt aber auch englische und französische Legenden über Mütter, die als Vampire zurückkehren, um sich um ihren Säugling zu kümmern.

Die Twilight-Saga an sich lebt von der Beziehung zwischen Vampir Edward und Mensch Bella. Das ist für den 41-Jährigen einer der Gründe für den Erfolg der Reihe. "Ein Vampirlover, der zum Beispiel auf Menschenblut Verzicht übt, kommt an." Fesselnd ist seiner Meinung nach auch der Konflikt zwischen Vampiren und Werwölfen, mit denen noch eine andere gruselige Fantasiegestalt eingebunden ist. Edward und Bella sind mit ihrer umöglichen Liebe aber nicht allein. Im südosteuropäischen Vampirglauben kehrt der verstorbene Gatte schon mal zu seiner Witwe zurück, um mit ihr die Nacht zu verbringen.

Dass für manche Twilight-Fans die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen, findet der Forscher aber nicht gut. "Es muss klar sein, dass die Existenz eines Vampirs biologisch und wissenschaftlich nicht möglich ist." In seiner Forschungarbeit begegnen ihm aber immer noch Menschen, die fest an Vampire glauben. Zum Beispiel in Rumänien bekommt er von Einwohnern immer noch Vampirgeschichten wie "vor zwei Jahren in unserem Dorf..." erzählt.

Und wie ist seine persönliche Meinung zu der Twilight-Saga? Wissenschaftlich und gut recherchiert sei das Werk nicht, meint er. Das müsse aber auch gar nicht sein. "Ich habe das erste Buch angelesen und mein Lesestoff ist es nicht. Aber wenn die Menschen ihre Freude daran haben und sich dadurch für meine Forschung und Vampire interessieren, dann ist das doch schön."