Techno in München

Serie „München Beats“: Wilde Techno-Zeit im Kunstpark Ost

Die Mini-Serie «München Beats» dreht sich um Münchner Techno-Geschichte.

Die Mini-Serie «München Beats» dreht sich um Münchner Techno-Geschichte.

Von dpa

Der 13. September 1996 ging in die Geschichte Münchens ein - da eröffnete ein Feierareal, das europaweit seinesgleichen suchen sollte. Der Kunstpark Ost mit dem markanten blau-roten Schriftzug lockte bis 2003 mit Clubs wie dem berühmten „Ultraschall“, Heimat der Technojünger. Und das auf dem ehemaligen Gelände einer Knödelfabrik.

Die Mini-Serie „München Beats“ (4 mal 45 Minuten) lässt diese Zeiten aufleben, zu sehen im ZDF als Stream (Streamingstart 7. August) und am 26. und 27. August ab 20.15 Uhr im Fernsehen (jeweils 90 Minuten).

Schaffen es die vier Folgen mit Jule Hermann, Klaus Steinbacher, Tobias Moretti, Frederic Linkemann und Marlene Morreis, das Lebensgefühl von damals zu wecken?

Jule Hermann als Linda träumt davon, Techno-DJane zu werden. (Archivbild)
Jule Hermann als Linda träumt davon, Techno-DJane zu werden. (Archivbild)
Jule Hermann als Linda träumt davon, Techno-DJane zu werden. (Archivbild)
Linda Bierwirth (Jule Hermann) liefert sich ein Akkordeon-Battle mit ihrem Patenonkel Theo Meinhardt (Tobias Moretti).
Linda Bierwirth (Jule Hermann) liefert sich ein Akkordeon-Battle mit ihrem Patenonkel Theo Meinhardt (Tobias Moretti).
Linda Bierwirth (Jule Hermann) liefert sich ein Akkordeon-Battle mit ihrem Patenonkel Theo Meinhardt (Tobias Moretti).
Tobias Moretti spielt in der ZDF-Serie «München Beats» einen Knödelfabrikanten, auf dessen stillgelegtem Firmengelände der Kunstpark Ost entsteht. (Archivbild)
Tobias Moretti spielt in der ZDF-Serie «München Beats» einen Knödelfabrikanten, auf dessen stillgelegtem Firmengelände der Kunstpark Ost entsteht. (Archivbild)
Tobias Moretti spielt in der ZDF-Serie «München Beats» einen Knödelfabrikanten, auf dessen stillgelegtem Firmengelände der Kunstpark Ost entsteht. (Archivbild)
Ben Münchow spielt den Landwirt Andi, der sich in München in einen Mann verliebt. (Archivbild)
Ben Münchow spielt den Landwirt Andi, der sich in München in einen Mann verliebt. (Archivbild)
Ben Münchow spielt den Landwirt Andi, der sich in München in einen Mann verliebt. (Archivbild)
Helmut Josef Geier, berühmt als DJ Hell, hat in «München Beats» einen Kurzauftritt. (Archivbild)
Helmut Josef Geier, berühmt als DJ Hell, hat in «München Beats» einen Kurzauftritt. (Archivbild)
Helmut Josef Geier, berühmt als DJ Hell, hat in «München Beats» einen Kurzauftritt. (Archivbild)

Die Voraussetzungen sind nicht schlecht. Regie bei den Folgen, die jeweils 45 Minuten lang sind, führt Mimi Kezele („Tatort: MagicMom“). Sie ist selbst ein Kind dieser Zeit und war natürlich auch im Kunstpark Ost unterwegs, wo sich ein Club an den anderen reihte und Leute von weit her kamen, um dort zu feiern. Kezele vergleicht diesen Partykosmos mit dem World Wide Web. „Wir haben uns dort kennengelernt, verliebt, verabredet und die neueste Musik gehört“, sagt die Filmemacherin.

Im Mittelpunkt steht Linda (Jule Hermann). Sie hat den Bauernhof ihrer Eltern im Vorort verlassen und ist nach München gegangen. Ihr Traum: DJane werden und Techno auflegen.

Weil Locations für Raves und Partys fehlen, fasst Linda mit ihrem Freund Marius (Klaus Steinbacher) einen Plan. Seinem Vater gehört eine Knödelfabrik im Osten der Stadt, die vor dem Aus steht. Dieses Areal mit seinen vielen Produktionshallen wollen sie in eine gigantische Feierlocation umwandeln.

Eine verrückte Idee mit vielen Hürden. Marius' Vater lehnt die Pläne strikt ab. Obendrein entfalten sich in ihren Familien gleich mehrere Dramen.

„München Beats“ schildert die Technozeit der 90er Jahre in München: das „Ultraschall“ im stillgelegten Flughafen Riem, illegale Partys in Unterführungen und Kellern. Raves in riesigen Hallen und die Faszination für den Musikstil, der seit 2024 immaterielles Kulturerbe ist.

Auch wenn sich das Kulturerbe eigentlich auf die Berliner Szene bezog, war neben Frankfurt am Main auch München vorn dabei mit Größen wie „Ultraschall“-DJ Hell, der in der Serie kurz zu sehen ist. Auch Stars wie Marusha, Westbam und Sven Väth legten im Kunstpark auf.

Linda erklärt in der Serie, wie sich Techno anfühlt, wenn rhythmische Beats und Klänge zu einem einzigartigen Sound verschmelzen. „Du musst es laut hören, wirklich irre laut und mit anderen Menschen zusammen. Und dann lässt du es in deinen ganzen Körper rein und du spürst es und dann irgendwann schwebst du“, schwärmt sie Marius vor.

Doch Techno ist nur eine Seite der Serie. Familiär gibt es jede Menge Drama, bei Linda und Marius, aber auch bei Lindas Bruder Andi. Als er seine Schwester in München besucht, verliebt er sich - in einen Mann. Für einen Landwirt vom Dorf schwierig, wie er bald feststellen muss. Die anderen Burschen verspotten ihn - und prügeln ihn in einer Nacht sogar brutal nieder.

Die Serie nimmt sich dieser Themen aufmerksam an und ruft in Erinnerung, wie schwer es die queere Community damals hatte. Andi-Darsteller Ben Münchow beschreibt das Männerbild als sehr eng: „Ein Mann soll keine Schwäche zeigen, nicht weinen, nicht um Hilfe bitten, anpacken können, trinken können, nicht empfindlich sein und bloß nicht zu weich wirken. Alles, was davon abweicht, wurde - und wird teilweise bis heute - schnell abgewertet.“

Dennoch nehmen die Schicksale der Familien sehr viel Raum ein, etwa die Eheprobleme zwischen den Eltern von Marius (Tobias Moretti und Sophie von Kessel). Oder auch das ewig lange Zögern des Knödel-Patriarchen Theo, der die Fabrik einfach nicht aufgeben will. Hier hätte der Fokus mehr auf Linda und ihren Techno-Ambitionen liegen können und auf Andi und seinen Gefühlen.

Mehr Techno, mehr Party und mehr wilde Raves mit der Aufbruchstimmung, den Träumen und der bunten Schrillheit, das wäre schön gewesen. Was auch fehlt: Welche Rolle die kleinen bunten Pillen spielten, die wie Smarties aussahen, aber Ecstasy waren und für viele zum Feiern dazugehörten. Im ZDF wirkt das alles sehr clean - jugendfrei sozusagen und damit weitab von der Realität.

Sehenswert ist die Serie trotzdem. Jule Hermann („Wendy“) als Linda ist ein Glücksgriff. Wie sie in die Rolle der DJane eintaucht - verzückt am Plattenteller, vom Beat erfasst und mit entrücktem Lächeln - großartig. Die Begeisterung für den Kunstpark ist familiär bedingt: „Meine Eltern verbrachten dort ihre ersten "Dates" und verliebten sich unter anderem in langen Nächten des Tanzens im Kunstpark Ost“, erzählt die Schauspielerin.

Die 90er Jahre sind für sie musikalisch und stylish „total ikonisch und unvergleichlich“. Nur in einem Punkt schätzt Hermann das Hier und Jetzt mehr: Sie freue sich, in einer Zeit zu leben, in der in Deutschland die Vergewaltigung in der Ehe strafbar und Homosexualität legal sei. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber in den 1990ern war er noch länger.“

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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