Bayern

Der AZ-Stadtspaziergänger im Reich des Bibers

Sigi Müller inspiziert den Nordteil des Englischen Gartens. Das Tête-à-Tête mit dem Nager ist eine Premiere


Ein stattlicher Bursche, dieser Biber, den Stadtspaziergänger Sigi Müller da im Nordteil des Englischen Gartens entdeckt hat.

Ein stattlicher Bursche, dieser Biber, den Stadtspaziergänger Sigi Müller da im Nordteil des Englischen Gartens entdeckt hat.

Von Sigi Müller

München - In diesem Jahr ist der Vorfrühling ein bisschen an mir vorbeigegangen. Wenig Zeit, ein sehr unfotogenes Wetter - und Männergrippe. Wir alle wissen, was das heißt.

So blüht es im wilden Nordteil des Englischen Gartens schon, als das Wetter endlich passt. Der Mond ist noch am Himmel, aber bald schon geht die Sonne auf. Hellgrün leuchten die ersten Blätter der Weiden, Bärlauchteppiche am Boden, noch ohne Blüten und mit dem satten Knofi-Geruch.

Im Bach glitzert das Wasser. Ein Pärchen Mandarinenten, farbenprächtig und wunderschön, sitzt am Wasser. In diesem Jahr sind weniger Vögel unterwegs als sonst. In den letzten Jahren fotografierte ich hier oft Grau- und Silberreiher, auch mehr Enten gab es. Vielleicht werden es noch mehr, es ist ja noch recht früh im Jahr.

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Deutliche Spuren: Biberzahnabdrücke an einem gefällten Baum.

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Neugierig mustert die Rabenkrähe den Fotografen.

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Bärlauch satt: Man kann ihn förmlich riechen.

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Der filigrane (aber giftige) Blaustern gehört zu den ersten Blühpflanzen.

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Jetzt geht's aufwärts: Zart-frisches Grün leuchtet durch das Holz.

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Jedes Frühjahr wieder: die herrlichen Schlüsselblumen.

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Orchideenartig kommt der Hohle Lerchensporn daher.

Gegen 9 Uhr schwimmt der Biber seelenruhig bachaufwärts

Ein Stück weiter finde ich ein frisch gefälltes Bäumchen. Biberzahnspuren am Stamm. Mir fällt auf, dass ich, obwohl überall die Spuren der Biber zu finden sind, hier im Englischen Garten noch nie einen gesehen habe. Am Deutschen Museum habe ich vor Jahren einige fotografiert. Offensichtlich bin ich, als Frühaufsteher, immer zur falschen Zeit hier unterwegs.

Kaum gedacht, sehe ich eine Bewegung im Bach, recht weit weg. Ich nähere mich und erblicke tatsächlich einen Biber, der seelenruhig bachaufwärts schwimmt. In der vollen Sonne, gegen 9 Uhr.

Ich gehe gemächlich neben dem Bach her, mache die ersten Aufnahmen. Der Biber beobachtet mich, stuft mich offensichtlich aber als harmlos ein. So gehen wir einige hundert Meter nebeneinander her.

Ohne Scheu schwimmt er durch das Wasser

Ab und zu taucht der Biber unter, schwimmt einige Meter, gut zu beobachten im klaren Wasser. Dann taucht er wieder auf, untersucht den teilweise unterhöhlten Bachrand - und weiter geht's. Mit ruhigen Bewegungen und völlig ohne Scheu schwimmt er durch das Wasser. Bald trennen sich unsere Wege, er schwimmt mühelos bachaufwärts und ich verlasse den Englischen Garten.

Mein Hund hat nichts von allem mitbekommen, hat fröhlich das schöne Wetter genossen, mit anderen Hunden gespielt und ist auf der Wiese herumgetollt.

So hatten wir beide einen schönen Vormittag. Noch ist der Frühling erst am Anfang, noch ist das Wetter eher bescheiden, aber in ein paar Tagen wird die Natur regelrecht explodieren und das schöne Frühlingsgrün wird alles dominieren. Freuen wir uns darauf!

In diesem Sinne eine schöne Woche

Ihr Sigi Müller