Meinung

Transferwahnsinn in England - Kommentar

Geldbunker Premier League: Steht die Bundesliga in Europa bald sportlich hinten an?


Kevin De Bruyne verließ Wolfsburg für 75 Millionen Euro in Richtung Manchester City. (Foto: Peter Steffen/dpa)

Kevin De Bruyne verließ Wolfsburg für 75 Millionen Euro in Richtung Manchester City. (Foto: Peter Steffen/dpa)

Von Redaktion idowa

Sie haben es schon wieder getan! Die Premier League steht wieder mal an der Spitze der Transferausgaben. Mit 1,185 Milliarden Euro wurde die Bestmarke aus dem Vorjahr um rund 48 Millionen übertroffen. Die 395 Millionen aus der Bundesliga wirken dagegen lächerlich - genau wie die Gesamtausgaben vieler anderer europäischer Ligen. Am meisten gewildert hat Scheichklub Manchester City, der allein für den Königstransfer von Kevin De Bruyne 75 Millionen Euro hingelegt hat.

Doch woher kommt dieser Transferwahnsinn mit irrwitzigen Summen, die Jahr für Jahr weiter in die Höhe schießen? Stark steigende finanzielle Mittel oder ein erhöhter Qualitätsdurchschnitt in den europäischen Top-Ligen? Es steht außer Frage, dass der Ex-Wolfsburger ein hervorragender Fussballer ist, für den man größere Summen ausgibt, als für einen Großteil der Spieler auf dem aktuellen Markt. Diese Frage kommt vor allem beim Wechsel von Kevin De Bruyne nach Manchester auf. Dabei wurden 75 Millionen Euro nach Wolfsburg überwiesen - Bundesligarekord! Zwischen Juventus Turin und Real Madrid einigte man sich 2001 auf die gleiche Ablösesumme für Zinedine Zidane - damals einer der ganz Großen und zweifacher Weltmeister mit Frankreich...

Inzwischen haben wir uns an die stets steigenden Transferausgaben schon fast gewöhnt, auch wenn jetzt jeder vom plötzlichen Wahnsinn spricht. Die beiden teuersten Spieler aller Zeiten laufen im Estadio Bernabeu auf und heißen Gareth Bale und Cristiano Ronaldo - jeweils rund 94 Millionen Euro. Am Beispiel des Letztgenannten lässt sich gut beschreiben, welche Rolle das Geld im Fussball immer mehr zu spielen scheint. Der Portugiese schießt im Schnitt mehr als ein Tor pro Spiel und streitet sich jährlich mit Lionel Messi um den Ballon D´Or. Aber erlaubt es ihm sein Status, wenn es bei einem Hammer-Transfer wie dem von Bale mal brenzlig wird, darauf zu "bestehen", der teuerste Spieler aller Zeiten zu bleiben? Klingt nach einem gefährlichen Spiel mit dem Geld, wenn vereinsintern anhand von Wünschen einzelner Spieler entschieden wird, mit wie vielen Millionen sie denn um sich werfen wollen.


Was vor ein paar Jahren noch die absolute Ausnahme war, wird immer alltäglicher. Heute geben Vereine für sehr junge Fussballer, deren Leistungsentwicklung noch schwer einzuschätzen ist, extrem viel Geld aus. Roberto Firmino für 41 Millionen nach Liverpool, ein 19-jähriger Anthony Martial für knapp 50 Millionen zu Manchester United. Nur ein paar Belege für die jetzige finanzielle Vormachtstellung der Premier League. Hier spielt Manchester City allerdings nochmal in einer anderen Liga - der Verein, der vergangenen Sommer mehr als die Hälfte der Gesamtausgaben der Bundesliga über den Tisch geschoben hat.

Eine interessante Phase steht der deutschen ersten Liga nun mit Sicherheit bevor. Viele gute Spieler, wie De Bruyne, konnten nicht gehalten werden und wanderten ab - Richtung England oder auch Richtung Italien wie der ehemalige BVB Kicker Kevin Großkreutz. Hier wird der Finger noch in eine ganz andere Wunde gelegt - den Abgang vieler Identifikationsfiguren. Nicht nur Bayern und Dortmund leiden durch den Abschied von Großkreutz (Galatasaray), Jakub Blaszczykowski (Leihe nach Florenz) oder Bastian Schweinsteiger (Manchester United) unter dem Verlust von Kämpfertypen und Führungsspielern. Auch andere Vereine der Bundesliga sind davon betroffen. Was sich im internationalen Wettbewerb wie der Champions League und der Europa League sportlich wirklich ändert, bleibt abzuwarten. Viele Teams müssen jetzt erst neu zusammenfinden, wie Dortmund das unter Neutrainer Tuchel derzeit sehr gut vormacht. Was bleibt ist also die Hoffnung, dass die Bundesliga in diesem Jahr beweisen kann, dass man den Fussball nicht allein mit Geld regieren kann.

Mit Kevin Großkreutz verlor der BVB eine der großen Identifikationsfiguren an Galatasaray Istanbul. (Foto: Bernd Thissen/dpa)

Mit Kevin Großkreutz verlor der BVB eine der großen Identifikationsfiguren an Galatasaray Istanbul. (Foto: Bernd Thissen/dpa)