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Artikel vom 22. Januar 2013 07:53, 414 mal gelesen

Landshut

Bahn frei für den Niederbayern-Bob

Der Veldener Pilot Philipp Mölter setzt auf zwei Landshuter Leichtathleten als Anschieber

Autor: Johannes Viertlböck
Der Niederbayern-Bob mit Philipp Mölter an den Lenkseilen ist derzeit noch unter falscher Flagge unterwegs. Denn der Schlitten stand zuletzt noch in belgischen Diensten. (Foto: Joseph Schuster)

Der Niederbayern-Bob mit Philipp Mölter an den Lenkseilen ist derzeit noch unter falscher Flagge unterwegs. Denn der Schlitten stand zuletzt noch in belgischen Diensten. (Foto: Joseph Schuster)

Eishockey, Volleyball und Speedway - in diesen Sportarten macht die Region regelmäßig auch bundesweit Schlagzeilen. Als Heimat talentierter Bobfahrer waren Niederbayern im Allgemeinen und Landshut im Besonderen bislang dagegen nicht bekannt. Doch das könnte sich ändern: Der Veldener Bobpilot Philipp Mölter, der 2012 bei den Olympischen Jugendspielen von Innsbruck eine Medaille knapp verpasst hat, hat inzwischen nämlich Verstärkung aus Landshut bekommen. Die Leichtathleten Sebastian Mrowka und Stefan Schranner von der Turngemeinde (TGL) sitzen als Anschieber mit im Schlitten.

Auf den Bobsport aufmerksam wurden seine neuen Teamkollegen vor rund einem Jahr durch einen Aufruf in der Landshuter Zeitung. "Ich habe Philipp daraufhin eine E-Mail geschrieben, weil meine Zeiten als Sprinter nicht schlecht sind", erinnert sich Schranner. Mölter habe ihn wenige Tage später mit an den Königssee genommen und auf der dortigen Bahn eine erste Probefahrt absolviert. Wie war der Eindruck ? "Zunächst weiß man gar nicht, was mit einem passiert", gibt Schranner zu. "Bobfahren ist schon ein extremer Sport - aber man gewöhnt sich dran." Mölter sei außerdem ein sehr sicherer Pilot. "Er ist der beste, mit dem ich bisher gefahren bin. Und das waren schon einige", lobt Schranner seinen Chef.

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Der Niederbayern-Bob, der durch Sportler aus Berchtesgaden und Potsdam komplettiert wird, geht im Februar übrigens bei den deutschen Meisterschaften in Altenberg an den Start - und zwar bei den Junioren ebenso wie bei den Senioren. Mölter, der mit der anspruchsvollen Bahn im Erzgebirge nach eigenen Aussagen gut zurechtkommt, möchte dabei vor allem Erfahrung auch im größeren Viererbob sammeln. "Und bei den Junioren ist ein Platz unter den besten Zehn unser Ziel." Das scheint durchaus realistisch zu sein. Denn von den Zeiten her sei sein Team gut dabei, sagt Mölter. "Selbst mit den deutschen Europacup-Startern können wir mithalten." Noch allerdings haben die erfahreneren Teams Vorteile, was die Nominierung für internationale Einsätze angeht.

Die Hoffnungen von Mölter und seinen Kollegen liegen daher auf der Zeit nach den Olympischen Winterspielen von Sotschi, die im Februar 2014 stattfinden. "Danach kommt der Umbruch, weil einige der Etablierten aufhören werden", sagt der Veldener. Das sei eine große Chance: "Für uns junge Leute ist das super, weil wir dann das gute Material dieser Mannschaften nutzen können." Gleichzeitig werden natürlich internationale Startplätze frei - einen davon würde Mölter mittelfristig gerne ergattern. "In zwei, drei Jahren will ich schon im Europacup fahren. Das ist das Ziel." Sollte es nicht klappen, werde er sich ganz auf sein Studium der Mechatronik konzentrieren, das der 19-Jährige derzeit in Rosenheim absolviert. Den Sport und die Ausbildung unter einen Hut zu bringen, ist für das gesamte Team des Niederbayern-Bobs die größte Herausforderung. Denn die nächstgelegene Bobbahn ist am Königssee bei Berchtesgaden. Die meisten Teammitglieder wohnen aber weit entfernt von der im äußersten Südosten Bayerns gelegenen Bahn. "Während der Prüfungszeiten, die jetzt anstehen, ist es schwierig, zumindest einmal pro Woche an der Bahn zu trainieren", gibt Mölter zu. Er ist die Doppelbelastung allerdings gewöhnt, schließlich besuchte er bis zum Abitur, das er im vergangenen Sommer ablegte, das Sportgymnasium der Christophorusschulen in Berchtesgaden.

Entsteht in Landshut ein Bob-Anschubzentrum ?

Für seine Teamkollegen könnte sich indes bald eine neue Trainingsstätte ergeben. Denn TGL-Sportleiter Werner Forster kündigt an, in Landshut ein Anschubzentrum aufbauen zu wollen. Herzstück dieser Einrichtung wäre eine mobile Anschubbahn. "Wir sind zwar kein klassischer Wintersportort. Aber das ist Potsdam auch nicht - und dort gibt es das Anschubzentrum Ost", sagt Forster. Die Chancen, dass Landshut ein solches Zentrum für den süddeutschen Raum erhalten könnte, sind nach Forsters Ansicht gut. "Wir haben schließlich mit Philipp Mölter und seiner Mannschaft ein Team, das in den nächsten Jahren nicht schlecht fahren wird." Und dem zwei Leichtathleten der TGL als Anschieber angehören. Außerdem rechnet Forster nur mit geringen Kosten für seinen Verein. Denn Philipp Mölters Vater Tristan könne die mobile Anschubbahn wohl in Eigenregie bauen. Lediglich die Materialkosten müssten dann gestemmt werden.

Die Zusammenarbeit zwischen dem aufstrebenden Bobpiloten und den beiden TGL-Leichtathleten beurteilt Forster sehr positiv. Mölter habe durch seine Qualifikation für die Olympischen Jugendspiele 2012 bereits bewiesen, dass er ein äußerst talentierter Fahrer sei. "Er hat zudem den Vorteil, dass er durch seine Zeit als Skeleton-Pilot viele Bahnen gut kennt." Was noch ein wenig fehle, sei die Athletik - und die könnten die TGL-Läufer Schranner und Mrowka beisteuern. Für die beiden Leichtathleten sei der Bobsport eine gute Alternative. "Da haben sie die Chance, auch internationale Wettkämpfe zu bestreiten,", sagt Forster. "Und für junge Sportler ist es eben ein Traum, mal an Weltcuprennen oder gar an Olympischen Spielen teilzunehmen."

Diese internationale Perspektive sei tatsächlich Motivation und Anreiz, bestätigt Stefan Schranner. Dazu komme, dass die Förderung in der Leichtathletik nicht besonders gut sei. "Außerdem muss man als Leichtathlet bereits mit 18 Jahren gegen die Herren laufen." Im Bobsport dagegen liege die Altersgrenze des Jugendbereichs bei 25 Jahren. "Dementsprechend länger haben wir Zeit, um uns zu entwickeln."

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