Lesenswert (0) Empfehlen Google +

Artikel vom 03. Mai 2012 16:12, 328 mal gelesen

Freilich!?

Nachtschicht im Gehirn

Im Traum räumt unser Kopf auf

Wenn wir schlafen, räumt unser Kopf auf.

Wenn wir schlafen, räumt unser Kopf auf.

Träume gehören zum Schlaf dazu. Ob uns Dinosaurier jagen oder wir hoch über den Wolken fliegen - jede Nacht warten andere Erlebnisse auf uns. Welchen Sinn aber haben diese nächtlichen Ausflüge und warum merken wir nicht, dass alles nicht wahr sein kann? "Im Traum sind wir nicht vernünftig. Der Verstand hat keine Kontrolle über unseren Traum. Wir nehmen alles hin, ohne es zu hinterfragen", erklärt Professor Jürgen Zulley. Er ist Schlafforscher im Schlafmedizinischen Zentrum in Regensburg.

Was wir träumen, hängt oft von unseren Gefühlen ab. Erlebnisse, die wir mit besonderen Emotionen wie Liebe oder Angst in Verbindung bringen, tauchen eher in unseren Träumen auf als alltägliche Ereignisse wie der Weg zur Schule. Dabei werden aber nicht nur Erlebnisse des vorangegangenen Tages abgearbeitet. "Ein Traum ist eine Mischung aus Einzelbildern verschiedener Momente des Lebens", sagt der Experte. "Wichtig ist, ob das Gefühl, das wir dabei hatten, intensiv war oder nicht." Die häufigste Emotion ist dabei Angst. Das liegt vor allem an dem Hormon Melatonin, das unser Körper nachts ausschüttet. Dieses Hormon drückt die Stimmung. Deswegen seien bestimmte Probleme nachts für uns belastender als am Tag, so der Professor, und es kommt zu Angstträumen. "Menschen, für die das Leben manchmal bedrohlich erscheint, weil sie sich nicht verteidigen können, haben eher Albträume als andere", erklärt Jürgen Zulley das Phänomen. Deswegen träumen Kinder öfter schlechter als Erwachsene.

Aber warum träumen wir überhaupt? "Das Gehirn räumt nachts auf. Informationen, die nicht länger benötigt werden, werden dabei gelöscht", so der Schlafforscher. Dabei landet alles, was nicht gebraucht wird und nicht mit Gefühlen gekoppelt ist, im Papierkorb. Alles andere wird im Schlaf verinnerlicht und im Langzeitgedächtnis abgespeichert.

Professor Dr. Jürgen Zulley ist Schlafforscher im Schlafmedizinischen Zentrum in Regensburg.

Professor Dr. Jürgen Zulley ist Schlafforscher im Schlafmedizinischen Zentrum in Regensburg.

Man träumt niemals nichts
Gar nicht zu träumen, ist nicht möglich. Jeder Mensch hat pro Nacht etwa vier bis fünf Träume. Ein 75-jähriger Mann zum Beispiel hatte in seinem Leben etwa 130000 Träume. Ob er sich an jeden davon erinnern konnte, hängt davon ab, wie lange er nach dem Traum wachgeblieben ist. "In einer Nacht wachen wir bis zu 28 Mal auf", so Jürgen Zulley. "Nur wenn wir mindestens drei Minuten lang wach waren, können wir uns daran und an den Traum davor erinnern."

Der Körper durchläuft in der Nacht verschiedene Schlafphasen. Vom leichten Schlaf gibt es zwei Stadien. Das erste Stadium ist so leicht, dass der Mensch oft nicht richtig schläft. Man hat das Gefühl, man hätte gerade noch nachgedacht. Im zweiten Stadium des Leichtschlafs verbringen wir die Hälfte der Nacht. Hier schlafen wir wirklich. Vom leichten Schlaf fallen wir in den Tiefschlaf. In dieser Phase befinden wir uns etwa 15 Prozent unserer Schlafzeit.

Unterschiedliche Schlafphasen

Die Tiefschlafphase ist sehr wichtig für unseren Körper. Das Immunsystem regeneriert sich und auch die Wachstumsregion ist betroffen. Wer eine Nacht durchmacht, holt in der darauffolgenden vor allem den Tiefschlaf nach. Träumen können wir aber erst im Traumschlaf, dem sogenannten REM-Schlaf. Die Abkürzung steht für Rapid-Eye-Movement. Das bedeutet, dass sich in dieser Schlafphase besonders unsere Augen viel bewegen. Andere Körperteile können wir in dieser Phase nicht bewegen. "Im Traumschlaf ist die Haltemuskulatur gelähmt", macht Zulley deutlich. "Nur Muskeln, die wir nicht steuern, wie die Atemmuskulatur, der Herzschlag oder auch unsere Augen funktionieren weiterhin." Deswegen hat man im Traum manchmal das Gefühl, nicht weglaufen zu können oder zu schreien. Der Körper kann sich tatsächlich nicht bewegen und das merkt man auch im Traum.

Entspannung trotz Rumwälzen?

Obwohl wir gelähmt sind, passiert es, dass manche Menschen am nächsten Morgen falsch rum im Bett liegen oder das Bettlaken ziemlich verwühlt ist. "In den restlichen Schlafphasen sind pro Nacht 20 größere und 50 kleinere Bewegungen messbar", erklärt der Schlafforscher. Aber wie kann man sich bei so viel Bewegung überhaupt entspannen? "Würden wir eine ganze Nacht lang immer auf derselben Stelle liegen, würde die Muskulatur verspannen und bestimmte Hautstellen wund werden", erklärt Zulley. Wir brauchen also so viel Bewegung, um gut zu schlafen. Völlig entspannt ist der Körper dann nur im Traumschlaf. Unser Gehirn hingegen ist in dieser Phase am aktivsten. Viel aktiver sogar als tagsüber, wenn wir wach sind.
Alle 90 Minuten durchlaufen wir in einer Nacht immer wieder die vier Schlafstadien. Vom Leichtschlaf über den Tiefschlaf in den Traumschlaf und dann wieder in den Leichtschlaf. In der zweiten Nachthälfte allerdings findet kein Tiefschlaf mehr statt. Der Rhythmus dieser Schlafphasen kann in einem Schlaflabor gemessen werden. Dabei werden Elektroden, also kleine Metallplättchen, auf das Gesicht geklebt. Der Kopf funktioniere dabei wie ein Sendemast und schicke elektromagnetische Strahlen an den Empfänger, erklärt der Experte. Die Schlafforscher zeichnen die Bewegungen in einem sogenannten Polysomnogramm auf. Darauf sieht man viele Kurven und Wellen. Daraus können Experten dann die verschiedenen Schlafstadien und mögliche Schlafstörungen ablesen.

Von Tanja Pfeffer

Kommentare zum Artikel


Artikel kommentieren


Anzeige
Anzeige

Verbreitungsgebiet Verbreitungsgebiet Cham Deggendorf Regen Dingolfing Straubing-Bogen Regensburg Landshut Erding-Freising-Kelheim
Anzeige
Anzeige