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Artikel vom 08. November 2012 17:12, 930 mal gelesen

Berufsportait

"Tanzen ist unsere Droge"

Patrick Weißbrodt und Peter Schimkus zeigen, wie man Tanzlehrer wird

Autor: David Voltz
Patrick Weißbrodt (links) und Peter Schimkus sind Tanzlehrer. Beide haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. (Foto: David Voltz)

Patrick Weißbrodt (links) und Peter Schimkus sind Tanzlehrer. Beide haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. (Foto: David Voltz)

Die Musik durchdringt ihre Körper. Schweiß tropft von ihrer Stirn. Arme und Beine fliegen im Takt durch die Luft. Laut zählt Tanzlehrer Patrick Weißbrodt: "eins, zwei, drei, vier...", um seine Tanzschüler mitzureißen. Er unterrichtet bei der ADTV-Tanzschule Seidel in Straubing. Als Tanzlehrer für Hip-Hop muss er wissen, wie er seine Schüler zum Tanzen animiert. Auch an die Arbeitszeiten muss man sich erst gewöhnen.

"Wir Tanzlehrer arbeiten, wenn die anderen frei haben - am Abend und am Wochenende", sagt Patrick. Und auch Peter Schimkus, Inhaber und Geschäftsführer der Tanzschule, weiß, dass ein freies Wochenende für einen Tanzlehrer selten ist. "Bei Ausbildungsbeginn wurde zu mir gesagt: Sie gehören zu denen, die jedes Wochenende arbeiten wollen", erzählt er. Beide haben ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Das Tanzen zu beherrschen, reicht für den Beruf des Tanzlehrers nicht aus. Man muss ein gutes Taktgefühl mitbringen und sich mit der Musik auskennen, zu der man sich bewegt. Auch der richtige Umgang mit den Schülern muss gelernt sein. "Spaß ist in den Tanzstunden sehr wichtig. Aber trotzdem sollte Respekt da sein", erklärt Patrick Weißbrodt. Er ist seit fünf Jahren Tanzlehrer und das Tanzen liegt ihm im Blut. Bereits als Kind war es seine große Leidenschaft. "Meine Mutter hat mich mit acht oder neun Jahren in eine Ballettschule gesteckt, in der auch Jazztanz unterrichtet wurde. Damals war ich der einzige Junge mit 25 Mädchen", erzählt der 25-Jährige. Männer sind in einer Tanzschule seltene Ware. In Patricks Hip-Hop-Kurs ist eine kleine Gruppe an Tänzern. "Ich bin sehr stolz auf die Männer, die bei mir mittanzen. Das ist ein Luxus, den man sich erarbeiten muss", erklärt er. "Jungs sind sich für die Tanzschule einfach zu cool."

Patrick tanzt bereits seit er ein Kind ist. Angefangen hat er mit Jazztanz. (Foto: David Voltz)

Patrick tanzt bereits seit er ein Kind ist. Angefangen hat er mit Jazztanz. (Foto: David Voltz)

Zwei Wege führen zum Ziel

Um Tanz zu unterrichten, kann man zwei Wege gehen: Entweder man fängt ganz ohne Ausbildung als Tanzlehrer an oder man geht den professionellen Weg über den Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV). Diese Ausbildung dauert drei Jahre. Patrick Weißbrodt war damals zur theoretischen Ausbildung an einer Schule in München. "Sie ist wie eine gewöhnliche Berufsschule auch. Ein- bis zweimal in der Woche treffen sich alle Azubi-Tanzlehrer und man lernt viel Theorie wie den Aufbau von Kursen, die Rhetorik oder wie man Figuren und Choreographien zusammenstellt", erklärt er. Die praktische Ausbildung erfolgt dann in der ADTV-Tanzschule vor Ort. Peter Schimkus, Inhaber und Geschäftsführer der Tanzschule Seidel und auch Tanzlehrer, erklärt, dass Patrick sehr viele Videos anschaut und daraus Choreographien erarbeitet.

Andere Schrittfolgen kauft die Tanzschule ein. "Wichtig ist, dass man die Choreographien an die Fähigkeiten seiner Schüler anpasst", sagt der 44-jährige ADTV-Tanzlehrer. Das Tanzen wird an der Schule auch für Tanzlehrer unterrichtet. Man lernt Latein- und Standard-Tänze. Zusätzlich gibt es Nebenfächer, mit denen man sich auf einen Tanzstil spezialisieren kann", erklärt Patrick Weißbrodt. Alle Tanzstile muss man nicht beherrschen.

"Der Beruf findet dich"

Ein bestimmter Schulabschluss, um die Ausbildung als Tanzlehrer zu beginnen, ist nicht nötig. "Es ist ein künstlerischer Beruf. Tanzlehrer ist man oder nicht. Eine gewisse Intelligenz braucht man natürlich schon, aber ohne Talent nützt dir das beste Abizeugnis nichts", sagt Weißbrodt. "Der Beruf findet dich und nicht umgekehrt." Einschränkungen gibt es aber trotzdem: Man kann erst mit 18 Jahren eine Ausbildung zum Tanzlehrer beginnen. Das ist ein Grund dafür, warum viele Tanzlehrer vorher in einem anderen Beruf tätig waren. Auch bei Patrick war es nicht anders. "Vorher war ich Einzelhandelskaufmann in einem Sportfachgeschäft", erzählt er. Außerdem tun sich
Frauen im Beruf des Tanzlehrers schwer - vor allem, wenn sie Männer unterrichten sollen. "Mädchen wollen immer tanzen und Jungs lassen sich nur ungern etwas von einer Frau sagen", sagt Peter Schimkus.

Tanzen sollte ein Hobby sein

Wenn man Tanzlehrer werden will, ist eine Voraussetzung für den Beruf unabdingbar: Tanzen sollte ein Hobby sein und auch bleiben. Davon sind die Tanzlehrer Patrick Weißbrodt und Peter Schimkus überzeugt. "Wenn du an Arbeit denkst, dann wird es viel stressiger. So macht es dann mehr Spaß und man kann gar nicht mehr ohne", erklärt Patrick. Auch für Peter Schimkus gehört Tanzen einfach zum Leben. "Tanzen ist für uns wie eine Droge - die einzige legale Droge", so der 44-Jährige. Sie sind sich beide einig: Wenn in den großen Ferien tanzfrei ist, dann kann keiner von ihnen diese Zeit so richtig genießen, weil ihnen das Tanzen fehlt.

Aus dem Leben von Tanzlehrer Patrick Weißbrodt: (4 Einträge)

 

Patrick ist es wichtig, dass seine Schüler in den Tanzstunden Spaß haben, ihn aber trotzdem als Lehrer respektieren. (Foto: David Voltz)

Patrick ist es wichtig, dass seine Schüler in den Tanzstunden Spaß haben, ihn aber trotzdem als Lehrer respektieren. (Foto: David Voltz)

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Jeder kann tanzen


Nicht jedem fällt die Begabung, sich perfekt zur Musik zu bewegen, in den Schoß. Aber ein Tanzlehrer kann einem trotzdem das Tanzen beibringen - auch wenn es mit sehr viel Arbeit verbunden ist. "In den ersten Monaten tanzt jemand, der noch nie in seinem Leben getanzt hat, richtig furchtbar. Aber nach einen Jahr wird das ganz anders", erklärt Patrick Weißbrodt, Tanzlehrer bei der Tanzschule Seidel.

Jeder könne das Tanzen lernen. Und selbstbewusster werde man mit der Zeit auch, sagt der 25-Jährige. "Ich haue meine Leute immer auf die Bühne, dann bekommen sie ein ganz anderes Lebensgefühl", sagt der junge Tanzlehrer.

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