Sport aus der Region Kämpfen lernen wie die alten Samurai

Den Gegner aus dem Gleichgewicht bringen ist das Ziel im Aikido. Mit der richtigen Technik braucht man dafür gar nicht so viel Kraft. Foto: Susanne Pritscher

Kill Bill, The Last Samurai oder Matrix: Fernöstliche Kampfkünste kennen viele bereits aus diversen Hollywoodfilmen. Was wirklich hinter den weniger bekannten japanischen Kampfkünsten Aikido oder Shinkendo steckt, zeigt der Verein Judo und Shinkendo Verein Straubing e.V. und dessen Abteilung Aikido Kojikan.

Bevor Gert Jungbauer die Turnhalle betritt, bleibt er kurz stehen und verbeugt sich stumm. Sein Hakama, wie das traditionelle Beinkleid der Aikidoka heißt, raschelt dabei leise. Vor den dünnen Matten, die auf dem Hallenboden liegen, warten bereits seine Schüler. Sie tragen weiße Kimonos, aber kein Hakama darüber. So kann man deren Beinarbeit besser kontrollieren. Während sich die Schüler alle in eine Reihe auf die Matten knien, kniet der Trainer auf der gegenüberliegenden Seite. Mit einem japanischen Ausruf verbeugen sich Trainer und Schüler voreinander. Danach geht es los.

Gert Jungbauer holt Markus, einen der erfahreneren Aikidoka, zu sich. Die beiden Männer stellen sich einander gegenüber auf und verbeugen sich wieder kurz. Dann startet die Vorführung. Beide heben ihre Arme hoch und winkeln sie so ab, dass die Ellenbogen auf die Matten zeigen und sich die Hände vor dem Gesicht befinden. Jungbauer macht einen kleinen Schritt nach vorne. Mit einem leisen Klatschen trifft seine rechte Hand auf Markus verteidigende Hand. Gleichzeitig greift der Trainer blitzschnell nach dem rechten Unterarm seines Schülers. Er zieht ihn mit einer leichten Drehung in eine der Ecken der Matten.

Blanke Füße hört man dabei über den Boden schleifen. Jungbauer dreht sich um und drückt die abwehrende Hand von Markus weg. Das rechte Handgelenk hält er dabei weiterhin fest. Dann drückt er die Hand bestimmt nach unten und wirft Markus mit einem Schwung zu Boden. Mit der freien Hand fängt dieser den Sturz mit einem Klatschen ab, wird aber dennoch einmal herum auf den Bauch gedreht und durch einen Handgriff von seinem Trainer fixiert. Mit seiner anderen Hand schlägt Markus auf den Boden und signalisiert seine Aufgabe.

Gegner aus dem Gleichgewicht bringen

Nach der kurzen Vorführung sind die anderen Schüler dran. Immer im Wechsel üben sie erst einmal Schritt für Schritt Angriff und Abwehr. Im Aikido geht es um die richtige Technik. Jede kleine Winkeländerung, jede Stellungsänderung hat Auswirkungen auf das Gelingen eines Wurfes. „Wir nutzen die Energie des Partners, um ihn selbst aus dem Gleichgewicht zu bringen. So können wir ihn werfen oder mit einem Haltegriff festhalten“, sagt Jungbauer. „Mich fasziniert die Technik im Aikido, einfach zu sehen, dass man, wenn die Technik passt, nicht viel Kraft braucht.“ Und die Kraft brauche man nicht, um anderen weh zu tun, sondern um bewusst die richtige Stellung einzunehmen, damit der Gegner das Gleichgewicht verliert.

Damit eine Vorführung gelingt, müssen beide Partner wissen, wie sie sich bewegen müssen. „Beim Werfen des Gegners gibt man ja die Energie weiter. Wenn der Geworfene aber blockiert, dann tut es ihm weh“, erklärt auch Markus. Daher müssen die Aikido-Schüler lernen, wie sie bei einem Angriff mitgehen, um sich nicht selbst zu verletzen. Dazu gehört auch, dass man lernt, sich richtig abzurollen. Markus beugt sich leicht nach vorne und bestimmt mit seinen Beinen die Flugrichtung und wirft sich über die eigene Schulter. Mit seiner Hand fängt er gekonnt den Aufprall ab. Selbst seine Brille bewegt sich keinen Millimeter von seiner Nase. „Man fängt halt klein an. Erst versucht man es mit einem Purzelbaum, dann über die Schulter.“ 

Geschichte geht zurück auf die alten Samurai

Aikido zählt zu den jüngeren fernöstlichen Kampfkünsten. Trotzdem hat es aber eine lange Vorgeschichte. „Es beruht auf den Techniken der alten Samurai“, erklärt Jungbauer. Über lange Zeit haben die japanischen Fürstenhäuser ihre teils sehr brutalen Selbstverteidigungskünste bewahrt und voreinander geheimgehalten.

Erst viele Jahrhunderte später wurden im Aikido die verschiedenen Techniken zusammengeführt. Der Verein Aikido Kojikan Straubing hat sich auf das Yoshinkan spezialisiert – eine ältere Aikidoform. „Im Verhältnis zum Nachkriegs-Aikido ist das das 'brutalere' Aikido. Die Bewegungen sind auch direkter.“

Aikido als Selbstverteidigung

Jungbauer selbst kam über das Judo zum Aikido. „Judo war für mich nicht ganz das Richtige“, sagt er heute. Erst von Aikido war er richtig überzeugt, Selbst als er zum Studieren nach München ging, hat ihn die Kampfkunst nicht losgelassen. „Noch bevor ich dort eine Wohnung hatte, hab ich mich dort schon fürs Aikido angemeldet.“ In München reifte dann auch die Entscheidung, selbst Trainer zu werden.

Wer Aikido zur Selbstverteidigung lernen will, braucht einen langen Atem. „Die Grundidee ist natürlich die Selbstverteidigung. Die tritt aber im Training etwas zurück. Man trainiert erst eher, selbst stabil zu werden und sich stabil zu bewegen und dann den Partner aus dem Gleichgewicht zu bringen“, erklärt Jungbauer. Stabilität ist die Grundlage, denn wer nicht richtig steht, riskiere, mit dem Gegner zu fallen. Um das zu trainieren, müsse man viel Zeit investieren. „Bei regelmäßigem Training braucht man für den braunen Gürtel ca. drei Jahre, für den schwarzen insgesamt etwa fünf bis sechs Jahre.“

 

Kämpfen lernen wie die alten Samurai Kämpfen lernen wie die alten Samurai

Kill Bill, The Last Samurai oder Matrix: Fernöstliche Kampfkünste kennen viele bereits aus diversen Hollywoodfilmen. Was wirklich hinter den weniger bekannten japanischen Kampfkünsten Aikido oder Shinkendo steckt, zeigt der Verein Judo und Shinkendo Verein Straubing e.V. und dessen Abteilung Aikido Kojikan.

Bevor Gert Jungbauer die Turnhalle betritt, bleibt er kurz stehen und verbeugt sich stumm. Sein Hakama, wie das traditionelle Beinkleid der Aikidoka heißt, raschelt dabei leise. Vor den dünnen Matten, die auf dem Hallenboden liegen, warten bereits seine Schüler. Sie tragen weiße Kimonos, aber kein Hakama darüber. So kann man deren Beinarbeit besser kontrollieren. Während sich die Schüler alle in eine Reihe auf die Matten knien, kniet der Trainer auf der gegenüberliegenden Seite. Mit einem japanischen Ausruf verbeugen sich Trainer und Schüler voreinander. Danach geht es los.

Gert Jungbauer holt Markus, einen der erfahreneren Aikidoka, zu sich. Die beiden Männer stellen sich einander gegenüber auf und verbeugen sich wieder kurz. Dann startet die Vorführung. Beide heben ihre Arme hoch und winkeln sie so ab, dass die Ellenbogen auf die Matten zeigen und sich die Hände vor dem Gesicht befinden. Jungbauer macht einen kleinen Schritt nach vorne. Mit einem leisen Klatschen trifft seine rechte Hand auf Markus verteidigende Hand. Gleichzeitig greift der Trainer blitzschnell nach dem rechten Unterarm seines Schülers. Er zieht ihn mit einer leichten Drehung in eine der Ecken der Matten.

Blanke Füße hört man dabei über den Boden schleifen. Jungbauer dreht sich um und drückt die abwehrende Hand von Markus weg. Das rechte Handgelenk hält er dabei weiterhin fest. Dann drückt er die Hand bestimmt nach unten und wirft Markus mit einem Schwung zu Boden. Mit der freien Hand fängt dieser den Sturz mit einem Klatschen ab, wird aber dennoch einmal herum auf den Bauch gedreht und durch einen Handgriff von seinem Trainer fixiert. Mit seiner anderen Hand schlägt Markus auf den Boden und signalisiert seine Aufgabe.

Gegner aus dem Gleichgewicht bringen

Nach der kurzen Vorführung sind die anderen Schüler dran. Immer im Wechsel üben sie erst einmal Schritt für Schritt Angriff und Abwehr. Im Aikido geht es um die richtige Technik. Jede kleine Winkeländerung, jede Stellungsänderung hat Auswirkungen auf das Gelingen eines Wurfes. „Wir nutzen die Energie des Partners, um ihn selbst aus dem Gleichgewicht zu bringen. So können wir ihn werfen oder mit einem Haltegriff festhalten“, sagt Jungbauer. „Mich fasziniert die Technik im Aikido, einfach zu sehen, dass man, wenn die Technik passt, nicht viel Kraft braucht.“ Und die Kraft brauche man nicht, um anderen weh zu tun, sondern um bewusst die richtige Stellung einzunehmen, damit der Gegner das Gleichgewicht verliert.

Damit eine Vorführung gelingt, müssen beide Partner wissen, wie sie sich bewegen müssen. „Beim Werfen des Gegners gibt man ja die Energie weiter. Wenn der Geworfene aber blockiert, dann tut es ihm weh“, erklärt auch Markus. Daher müssen die Aikido-Schüler lernen, wie sie bei einem Angriff mitgehen, um sich nicht selbst zu verletzen. Dazu gehört auch, dass man lernt, sich richtig abzurollen. Markus beugt sich leicht nach vorne und bestimmt mit seinen Beinen die Flugrichtung und wirft sich über die eigene Schulter. Mit seiner Hand fängt er gekonnt den Aufprall ab. Selbst seine Brille bewegt sich keinen Millimeter von seiner Nase. „Man fängt halt klein an. Erst versucht man es mit einem Purzelbaum, dann über die Schulter.“ 

Geschichte geht zurück auf die alten Samurai

Aikido zählt zu den jüngeren fernöstlichen Kampfkünsten. Trotzdem hat es aber eine lange Vorgeschichte. „Es beruht auf den Techniken der alten Samurai“, erklärt Jungbauer. Über lange Zeit haben die japanischen Fürstenhäuser ihre teils sehr brutalen Selbstverteidigungskünste bewahrt und voreinander geheimgehalten.

Erst viele Jahrhunderte später wurden im Aikido die verschiedenen Techniken zusammengeführt. Der Verein Aikido Kojikan Straubing hat sich auf das Yoshinkan spezialisiert – eine ältere Aikidoform. „Im Verhältnis zum Nachkriegs-Aikido ist das das 'brutalere' Aikido. Die Bewegungen sind auch direkter.“

Aikido als Selbstverteidigung

Jungbauer selbst kam über das Judo zum Aikido. „Judo war für mich nicht ganz das Richtige“, sagt er heute. Erst von Aikido war er richtig überzeugt, Selbst als er zum Studieren nach München ging, hat ihn die Kampfkunst nicht losgelassen. „Noch bevor ich dort eine Wohnung hatte, hab ich mich dort schon fürs Aikido angemeldet.“ In München reifte dann auch die Entscheidung, selbst Trainer zu werden.

Wer Aikido zur Selbstverteidigung lernen will, braucht einen langen Atem. „Die Grundidee ist natürlich die Selbstverteidigung. Die tritt aber im Training etwas zurück. Man trainiert erst eher, selbst stabil zu werden und sich stabil zu bewegen und dann den Partner aus dem Gleichgewicht zu bringen“, erklärt Jungbauer. Stabilität ist die Grundlage, denn wer nicht richtig steht, riskiere, mit dem Gegner zu fallen. Um das zu trainieren, müsse man viel Zeit investieren. „Bei regelmäßigem Training braucht man für den braunen Gürtel ca. drei Jahre, für den schwarzen insgesamt etwa fünf bis sechs Jahre.“

 

Kämpfen lernen wie die alten Samurai Großer Traum: Einmal nach Japan reisen

Mit weniger Körperkontakt kommt die japanische Kampfkunst Shinkendo aus. Dabei handelt es sich um die Symbiose aus alten Schwertkampfkünsten aus der Zeit der Samurai. "Shinkendo schult das Körpergefühl, die Koordination und das Gleichgewicht. Das ist auch im alltäglichen Leben wichtig", sagt der Shinkendo-Trainer, Karl Heinl. Mit aus Holz gefertigten Schwertern, die teils dem Aussehen und Gewicht von echten Samuraischwertern nachempfunden sind, trainieren die Schüler nicht nur auf den Kampf bezogen, sondern vor allem auch für den perfekten Schnitt. Und dafür muss jede Bewegung, jeder Schwung und die Haltung bis ins kleinste Detail stimmen. „Wenn man geschnitten hat, hat man geschnitten und das ist halt so. Entscheidungen kann man eben nicht rückgängig machen", sagt Heinl, der selbst ein großer Japanfan ist. „Mein großes Ziel ist, einmal nach Japan zu reisen. Dort ist mein Schwager schon vor vielen Jahren hin ausgewandert und ich habe es immer noch nicht geschafft, ihn zu besuchen.“

Wie das Tachi Uchi, also der Zweikampf mit einem Partner im Shinkendo, aussieht, sehen Sie in folgendem Video. Mehr Informationen gibt es auch unter www.judo-shinkendo.de und www.kojikan.jimdo.com

von

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading