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Auch Tiere haben Gefühle: Ines Kiefl hat eine Rettungsstation für Esel auf Korfu besucht


Ines Kiefl hat eine griechische Eselrettungsstation besucht.

Ines Kiefl hat eine griechische Eselrettungsstation besucht.

Von Ines Kiefl

Ines Kiefl aus Zandt im Landkreis Cham hat Urlaub auf der griechischen Insel Korfu gemacht. Neben den typischen Touristenattraktionen hat die 18-Jährige auch eine Rettungsstation für Esel besucht. Viele der Tiere, die dort leben, wurden geschlagen. Sie haben eine traurige Vergangenheit.

"Ih-Ah" ertönt es laut hinter mir. Während ich mich umdrehe, höre ich nochmal ein fröhliches "Ih-Ah". Ich entdecke einen Esel. Sein Auge funkelt. Nur ein Auge. Das andere scheint erblindet zu sein. Das Tier sieht trotzdem zufrieden aus, aber auch als hätte es schon viele schlechte Erfahrungen hinter sich. Wo ich bin? Ich befinde mich gerade in Korfu, genauer gesagt bei einer Rettungsstation für Esel.

Hier verbringe ich meinen Urlaub. Neben Touristenattraktionen wie beispielsweise das Schloss, in dem die Kaiserin Sissi gesund wurde, hat mich vor allem die Esel-Rettungsstation sehr beeindruckt. Es werden sowohl blinde, als auch Esel mit Fehlstellungen der Füße, kranke, alte und misshandelte Tiere gepflegt. Insgesamt leben hier im Moment über 60 Tiere, um die sich die Station mit viel Liebe und Kraft kümmert.

Großer Stall und Wiese

Die Fahrt zur "Donkey-rescue-station" (wie sie auf der Insel heißt) kam mir furchtbar lange vor - und das war sie auch. Nicht wegen der Entfernung, sondern weil die Station schlecht ausgeschildert ist. Endlich angekommen springen mich bellende Hunde an. Sie wirken gesund und - wie ich später erfahre - sind sie das auch. Die Hunde gehören wie die Esel zur Station. Sie leben hier friedlich zusammen.

Die Esel-Rettungsstation sieht wie ein Bauernhof aus. Im großen Stall schlafen die Tiere oder ruhen sich aus. Draußen befindet sich eine Wiese, auf der sie umhergehen, fressen oder die Sonne genießen können.

Die Vergangenheit vieler Esel ist ihnen trotz der Bemühungen der Pfleger ins Gesicht geschrieben. Ein Esel mit einer Narbe, die zwischen Stirn und Augen verläuft, trottet an mir vorbei. Die Besitzer der Rettungsstation erklären mit trauriger Stimme, dass dieser Esel vermutlich geschlagen und misshandelt wurde. Mir wird klar, dass viele Tiere, die hier leben, eine schwere Vergangenheit hatten. Die meisten grauen Vierbeiner wurden in einem schlimmen Zustand aufgefunden und zur Station gebracht.

Auch glückliche Fälle

Es gibt aber auch einige glückliche Fälle, bei denen ehemalige Besitzer die Tiere nicht mehr gebrauchen konnten und diese deshalb gesund dorthin gebracht haben. Ein Pfleger erklärt mir auf Englisch, wie gerne er sich um die Esel kümmert. Ich merke, dass er wirklich mit Herzblut dabei ist. Liebevoll streichelt er einen Esel, der neben ihm steht. Es sieht aus, als würde der Esel lächeln, auch wenn er das wahrscheinlich nicht wirklich kann. Zufrieden schließt er seine Augen und genießt die zärtlichen Berührungen des Pflegers. Zwischen den beiden erkenne ich sofort eine vertraute Bindung. Auch ich streichle den Esel. Er öffnet panisch seine Augen und schaut, wer ich bin. Als er keine Gefahr in mir sieht, schließt er seine Augen wieder behutsam.

Die Esel-Rettungsstation ist nicht als Touristenattraktion gedacht - deshalb auch die schlechte Ausschilderung. Die Pfleger freuen sich zwar über das Interesse mancher Leute an deren Arbeit, jedoch möchten sie keinen Eintritt verlangen oder Massen an Touristen anlocken. Sie sind der Meinung, wenn sich jemand für das Wohl der Esel begeistern kann, findet er zur versteckten Station. Über eine kleine Spende freuen sie sich auch, fragen aber nicht direkt danach. Ihnen ist die Gesundheit und das Wohlbefinden der Esel wichtig und nicht das Geld.

Ich denke nach meinem Besuch dort noch oft an die Eindrücke zurück, die die Esel-Rettungsstation bei mir hinterlassen hat. Ich denke an die Menschen, die den Eseln grausame Dinge angetan haben. Ich denke daran, dass Tiere auch Gefühle haben. Ich denke aber auch daran, dass es Menschen gibt, die sich liebevoll um sie kümmern und lächle dann - fast so wie der Esel, der von dem Pfleger gestreichelt wurde.

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Nicht alle Esel, die in der griechischen Rettungsstation unterkommen, wurden misshandelt. Manche wurden gesund abgegeben.

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Über 60 graue Vierbeiner leben in der Esel-Rettungsstation auf der Insel Korfu.