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Artikel vom 15. Januar 2013 10:37, 511 mal gelesen

Landau

Der Geburtenhilfe droht ab April das Aus

Gynäkologische Versorgung am Standort Landau soll aber sichergestellt werden

Autor: cis
Leider halfen auch eine Kundgebung, eine Lichterkette und das Drängen aus der Landauer Bevölkerung nichts: Die Geburtenhilfe musste zum 1. Februar schließen.

Leider halfen auch eine Kundgebung, eine Lichterkette und das Drängen aus der Landauer Bevölkerung nichts: Die Geburtenhilfe musste zum 1. Februar schließen.

"Wenn kein Wunder geschieht", kann die Geburtenhilfe in Landau ab April nicht mehr aufrechterhalten werden. Denn bei den Hebammen müsste 24 Stunden rund um die Uhr Personal zur Verfügung stehen, sonst droht die vorübergehende oder endgültige Abmeldung. Genau das scheint nun in Landau der Fall zu sein.

Gute Nachrichten hingegen vermeldet der Verwaltungsrat des Donau-Isar-Klinikums Deggendorf-Dingolfing-Landau für den Weiterbetrieb der gynäkologischen ambulanten und stationären Versorgung am Standort Landau: Die Versorgung ist auch für die Zeit nach dem Weggang von Dr. Veit Anders und Natalya Klassen gesichert, heißt es in einer Pressemitteilung der Krankenhausgruppe mit Vorstand Dr. Inge Wolff.

"Mehrere Ärzte aus Deggendorf werden versuchen, die Zeit bis zu einer endgültigen Regelung vollständig zu überbrücken." Damit werden jetzt in allen drei Kliniken des Donau-Isar-Klinikums gleiche Standards in diesen Bereichen umgesetzt, heißt es weiter. Als Dauerlösung sollen neue Gynäkologen für das MVZ gefunden werden. Derzeit läuft die Ausschreibung für die Stellen im MVZ.

Der Dienstplan im Hebammenbereich ist derzeit bis Ende Januar sichergestellt. Ab Februar wird eine zusätzliche Hebamme das Team der Landauer Geburtshilfe unterstützen. Problematisch bleibt die Zukunft der Geburtshilfe ab April 2013 in Landau trotzdem. Mit dem aktuell vorhandenen ärztlichen Personal können keine drei Rufdienste für die Geburtshilfe aufrechterhalten werden, da eine räumliche Nähe gegeben sein muss.

Archiv: Bilder der Menschenkette für Rettung der Geburtenhilfe (32 Einträge)

 


In einem Gespräch mit dem Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter war zu erfahren, dass die Ärzte bei Medizinischen Versorgungszentrum angestellt sind. Deshalb braucht es eine Zulassung der Kassenärztlichen Vereinigung KV. Bis zur nächsten Sitzung am 4. März müsste das Krankenhaus bereits neue Ärzte vorweisen. Allerdings wird über die Stellenausschreibung, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Ärzteblatt, nach Ärzten mit Eintrittsdatum 1. April 2013 gesucht. Bernreiter ist skeptisch, ob bis zur nächsten KV-Sitzung bereits neue Ärzte präsentiert werden können. "Das wäre wie ein Sechser im Lotto."

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Steht die Geburtshilfe des Landauer Krankenhauses erneut vor dem Aus?

Bei den Hebammen muss 24 Stunden rund um die Uhr Personal zur Verfügung stehen, bei den Ärzten innerhalb der Rettungszeit der Einsatz gewährleistet sein. Sonst muss die Geburtenhilfe vorübergehend oder sogar dauerhaft abgemeldet werden. Das genau ist nun der Fall, erklärt Bernreiter. "Unser Ziel ist es, die Gynäkologie auf alle Fälle aufrechtzuerhalten." Bis Herbst müsse daher der Standort Landau mit neuen Gynäkologen besetzt sein. Es sei sehr unrealistisch, dass Deggendorfer Ärzte Landau auf Dauer mitbetreuen, so der Deggendorfer Landrat. Alles deutet darauf hin, dass sich die Geburtenhilfe auf den Standort Dingolfing konzentrieren könnte. Ursache ist auch, dass die Landauer Hebammen nunmehr wieder in der Luft hängen. Deshalb hat Bernreiter die Bitte, dass sich ein eigenes Hebammenteam im Landkreis bildet und sich die Hebammen nicht an den Nachbarlandkreis abwenden. Für den Standort Dingolfing war zu erfahren, dass eine Abmeldung der dortigen Geburtenhilfe offenbar auch mit einer eventuellen Rückzahlung von Fördermitteln verbunden ist.

Rechtliche Beurteilung

Die Geburtshilfe kann laut Landrat Christian Bernreiter, "wenn kein Wunder geschieht", ab April nicht mehr aufrechterhalten werden. Sie müsste zumindest vorübergehend geschlossen werden: Der Betrieb eines der Geburtshilfe dienenden Krankenhauses setzt voraus, dass das Krankenhaus darauf eingerichtet ist, mit Hilfe von jederzeit verfügbarem ärztlichem Pflege- und Funktions- und medizinisch-technischem Personal Geburtshilfe zu leisten. Dazu gehört auch die Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch eine Hebamme. Während der Schwangerschaft sowie bei und nach einer ambulanten oder stationären Entbindung besteht ein Anspruch auf die ärztliche Betreuung und Hebammenhilfe. Dementsprechend sieht auch die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe der "Mindestanforderungen an prozentuale, strukturelle und organisatorische Voraussetzungen für die geburtshilfliche Abteilung" vor, es müsse mindestens eine Hebamme ständig rund um die Uhr im Bereitschaftsdienst verfügbar sein, heißt es in einer rechtlichen Würdigung der Regierung von Niederbayern. Soweit die Rund-um-die-Uhr-Versorung nicht mehr gewährleistet ist, muss der Krankenhausträger die Geburtshilfeabteilung kurzfristig abmelden, um die damit verbundenen Haftungsrisiken zu vermeiden.

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Landau an der Isar, Bayern, Deutschland

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