Interview

Jugendbuchautorin Holly Black über ihr neues Buch "Die Puppenkönigin"


Die Autorin Holly Black lebt in New Jersey. Bekannt wurde sie mit der Bestseller-Kinderbuchreihe "Die Spiderwick-Geheimnisse". (Foto: Michael Meller Literary Agency)

Die Autorin Holly Black lebt in New Jersey. Bekannt wurde sie mit der Bestseller-Kinderbuchreihe "Die Spiderwick-Geheimnisse". (Foto: Michael Meller Literary Agency)

Mit ihren Geschichten der "Spiderwicks" hat sich die amerikanische Autorin Holly Black in die Herzen von jungen und erwachsenen Lesern gleichermaßen geschrieben. Jetzt erzählt sie in "Die Puppenkönigin" eine unheimliche und melancholische Geschichte um drei Jugendliche, die kurz vor dem Erwachsenwerden stehen und dabei das Abenteuer ihres Lebens erleben. Der Freistunde verriet Holly Black Details zu ihrem neuen Roman.

Hallo Frau Black! Sie haben schon über dunkle Feen und Goblins geschrieben und jetzt schreiben Sie über unheimliche Puppen. Man könnte fast meinen, Sie mögen unheimliche Dinge.

Holly Black: Ich mag sie sogar sehr gern.

Und wie sieht es mit Puppen aus? Normalerweise liebt man sie oder sie ängstigen einen zu Tode.

Puppen habe ich schon immer gemocht. Bei mir daheim steht eine Sammlung koreanischer Puppen mit unterschiedlichen Augen und Perücken. Sie sind alle wunderschön. Ich weiß, dass viele Leute Angst vor Puppen haben - mein Mann gehört dazu. Aber ich finde sie überhaupt nicht unheimlich.

Wie sind Sie auf die Idee zu "Die Puppenkönigin" gekommen?

Für "Die Puppenkönigin" sind viele kleine Dinge zusammengekommen. Als mein Mann Theo noch klein war, ging seine Mutter mit einem Mann aus, der einen Sohn etwa in Theos Alter hatte. Sie haben zusammen mit ihren Star-Wars-Figuren gespielt und sie immer zum Haus des anderen mitgenommen. Als Theos Mutter mit dem Mann Schluss machte, waren seine Star-Wars-Figuren gerade in dem anderen Haus. Seine Mutter wollte sie nicht holen und so verlor mein Mann mit einem Schlag alle seine Star-Wars-Spielsachen! Er war am Boden zerstört und als er mir die Geschichte erzählte, verwendete ich einiges davon für Zach. Ich habe als Mädchen auch sehr gerne mit Puppen gespielt, und es ist mir schwergefallen, damit aufzuhören. Schließlich war da noch meine Mutter, die schon immer an Geister geglaubt hat. Sie hat mir erzählt, dass es in dem Haus, in dem wir gewohnt haben, spukt. Als meine Großmutter noch lebte, spielte meine Mutter immer mit den Geistern, die auf dem Dachboden wohnten. All das zusammen hat dann "Die Puppenkönigin" ergeben.

Die Hauptcharaktere von "Die Puppenkönigin" sind in einer wichtigen Phase ihres Lebens, in der sich viel verändert. Wann haben Sie das erste Mal das Gefühl gehabt, dass sie kein Kind mehr sind? Wünschen Sie sich diese Zeit manchmal zurück?

Ich fand es sehr schwierig, dass mir jeder gesagt hat, ich müsste meine Geschichten aufgeben, um erwachsen zu werden. Meine damalige beste Freundin hörte irgendwann nur noch den Musiker Adam Ant und wollte andauernd über ihn und seine Musik reden, anstatt mit Barbies zu spielen. Es hat mir das Herz gebrochen, das diese ganzen Geschichten, die wir zusammen gespielt haben, auf einmal für immer verschwunden sein sollten und nicht mehr zurückkommen. Jetzt als Erwachsene darf ich zum Glück wieder Geschichten schreiben und sie erzählen, mit anderen erfinden und das auch noch als Beruf machen. Allerdings wünsche ich mir schon manchmal die ewig langen Tage zurück, die man als Kind hatte - und die unendlichen Möglichkeiten, die damit kommen.

Was, denken Sie, ist das Hauptthema Ihres Buches?

Das ist für einen Autor immer schwer zu sagen. Bei Büchern überlege ich mir lieber, welche Fragen sie stellen, als welche Antworten sie geben können. In "Die Puppenkönigin" ist das ganz klar die Frage, die Zach stellt: Verliert man automatisch sich selbst, nur weil man erwachsen wird?

Stellenweise kann man bei "Die Puppenkönigin" richtig Angst bekommen. Wie furchteinflößend darf man denn Ihrer Meinung nach als Autor schreiben, gerade wenn man sich an ein Buch für Kinder und Jugendliche setzt?

Für mich ist das vor allem eine Frage, was passiert und wie man damit als Autor umgeht. Das sollte man im Blick haben, vor allem, wenn man für Kinder schreibt. Bei einem Buch wie "Die Puppenkönigin" ist es aber manchmal sogar so, dass erwachsene Leser ein bisschen mehr Angst haben als die Kinder. Erwachsene haben meist mehr Angst vor Puppen. Kinder dagegen so gut wie gar keine.

Holly Blacks Roman "Die Puppenkönigin - Das Geheimnis eines Sommers" ist im cbj Verlag erschienen (ISBN 978-3570156438).

Holly Blacks Roman "Die Puppenkönigin - Das Geheimnis eines Sommers" ist im cbj Verlag erschienen (ISBN 978-3570156438).