Weihnachten im Ausland

Jonas Geisperger, 19 Jahre, aus Straubing über Weihnachten in Ecuador


Jonas lebte ein halbes Jahr in Ecuador und arbeitete dort für einem sozialen Projekt für alte Menschen.

Jonas lebte ein halbes Jahr in Ecuador und arbeitete dort für einem sozialen Projekt für alte Menschen.

Von Redaktion idowa

Nach 18 Jahren Weihnachten in der Familie, Gemeinsamkeit und Zusammensein mag die Vorstellung traurig sein, Heiligabend fast 10.000 Kilometer von zu Hause weg zu sein. Doch in Ecuador fällt man nicht leicht in eine einsame, triste Stimmung.

25 Grad statt Schnee

Es ist - anders als in unseren Breiten - weniger eine besinnliche Feier, sondern vielmehr ein temperamentvolles Jubelfest. Dieser Unterschied entsteht aber hauptsächlich durch das Klima, denn da Ecuador erzkatholisch ist, ist der rituelle Ablauf ziemlich ähnlich. Und weil man die Weihnachtszeit immer mit Kälte und Dunkelheit in Verbindung bringt, war es schon ein bisschen skurril, bei gemütlichen 25 Grad im Hochland in die Kirche zu gehen. Dort bekommt man an Heiligabend kaum noch einen Stehplatz und vorher gibt es einen Umzug durch die Stadt mit echten Pferden und Eseln, Maria, Josef, Hirten und Engeln. Ich bekam eine Gänsehaut, als die Menschenmassen ihre Weihnachtsfreude in die Welt hinausriefen. Statt Reis mit Kartoffeln, wie sonst jeden Tag, gab es an Weihnachten viel Fleisch und Würstchen, die wir im Hof grillten.

Wichteln mit dem "amigo secreto"

Wir hatten schon längere Zeit vorher eine Art Wichtelspiel vereinbart, bei dem jedem Familienmitglied ein anonymer Partner zugeteilt wurde. Bei der Bescherung standen dann eigentlich gar nicht die Geschenke an sich im Vordergrund, sondern die Auflösung des "amigo secreto" (geheimer Freund). Mein Gastbruder schenkte seiner Mutter zum Beispiel eine Dose Kaffee, ich bekam einen Schal und schenkte meinem "amigo secreto" einen Alpaka-Pullover. Wir mussten die ganze Zeit unglaublich viel lachen. Eine Weihnachtsstimmung, wie man sie sich nur wünschen kann, ganz ohne Christbaum, ausladendem Festschmaus und viel Drumherum. Anders als bei uns geht man am nächsten Tag schon wieder eher in die Alltagsroutine über. Es gibt genug zu tun, zum Beispiel Futter für die Meerschweinchen ernten. Ich packte am 25. Dezember schon mein Zeug und fuhr mit einigen anderen Freiwilligen an die Küste. Ich kann mich noch gut an den zweiten Weihnachtsfeiertag erinnern, als wir uns in die herrlich badewannen warmen Pazifikfluten stürzten und uns ein paar Mal vorsagen mussten, dass wirklich Weihnachten ist.

Zu den Weihnachtsfeierlichkeiten in Ecuador gehört ein Umzug durch die Stadt. Die Kinder sind als Engel und Hirten aus der Weihnachtsgeschichte verkleidet.

Zu den Weihnachtsfeierlichkeiten in Ecuador gehört ein Umzug durch die Stadt. Die Kinder sind als Engel und Hirten aus der Weihnachtsgeschichte verkleidet.