Leben im Libanon

Strandgast mit Kultstatus: Libanons liebster Pelikan

«Pelikanchen» ist vor drei Jahren im Libanon gestrandet und hat die Küstenstadt Batrun seitdem nicht mehr verlassen.

«Pelikanchen» ist vor drei Jahren im Libanon gestrandet und hat die Küstenstadt Batrun seitdem nicht mehr verlassen.

Von dpa

„Madame, es ist Zeit aufzustehen. Die Klasse beginnt jetzt. Du versperrst den Platz für die Teilnehmerinnen.“ Ein kurzer Blick, doch keine Bewegung in Sicht. Yoga-Lehrerin Alik Ohanian klatscht in die Hände und tippt auf den Platz vor sich - ein Zeichen, um die Angesprochene zum Aufstehen zu bewegen. Doch noch rührt sie sich nicht.

Es ist Samstagmorgen in der libanesischen Küstenstadt Batrun im Norden des Landes. In der Bucht am Hafen sind neun Stand-up-Paddel in symmetrischer Form gegenüber voneinander aufgereiht, das von Ohanian schwimmt in der Mitte. Hier findet heute Yoga auf dem Meer statt. Zu Gast ist - wie jeden Samstag - Libanons berühmte Pelikan-Dame.

„Pelikanchen“, wie sie mittlerweile liebevoll genannt wird, ist der wohl berühmteste Vogel im Libanon, obwohl Pelikane hier nicht einmal heimisch sind. In Batrun ist sie eines Tages während des Vogelzugs zwischen Europa und Afrika gestrandet. Der Libanon liegt auf der Migrationsroute der Zugvögel. „Sie ist hier zwischengelandet“, sagt der Meersalzproduzent und Restaurantbetreiber Assal Assal. Zu ihm wurde das Tier im Herbst 2023 gebracht, als man sie verletzt an der Küste vorfand.

„Ich habe gedacht, sie überlebt das nicht“, sagt Assal. Sie habe sich damals in einem Stacheldrahtzaun verfangen. Nach einem Tierarztbesuch und ein paar Tagen des Aufpäppelns sei sie jedoch immer mehr zu Kräften gekommen. „Sie kann zwar wieder fliegen, aber sie hat sich in Batrun verliebt.“

Heute spaziert sie wie selbstverständlich täglich durch den kleinen Mittelmeerort, begrüßt die Bewohner und Besucherinnen im watschelnden Gang. Batrun ist der wohl beliebteste Strandort im Libanon. Hier zieht es nicht nur „Pelikanchen“ hin, sondern besonders am Wochenende gefühlt das ganze Land. Wer den Libanon besucht, kommt um einen Besuch in Batrun nicht herum.

Hier reiht sich Strandclub an Strandclub, Café an Café, Restaurant an Restaurant, Bar an Bar. Durch die engen Gassen der historischen Altstadt und den alten Suk - den alten Markt - schieben sich am Wochenende die Besucherinnen und Besucher. Blaue, rote oder gelbe Vespas cruisen durch den Ort. Entlang der Küste erstreckt sich eine historische Seemauer, deren Ursprünge bis in die Zeit der Phönizier zurückreicht. Heute ist Batrun besonders bekannt für seine Zitronenlimonade. „Pelikanchen“ kennt sie alle - die Hotspots der Stadt.

„Sie spaziert herum und weiß, dass die Leute ihre Anwesenheit genießen“, sagt Assal. Anfangs sei sie scheu gewesen, doch nach bald drei Jahren in Batrun habe sie ihre Routinen entwickelt: Am Morgen am Hafen, dann watschelt sie eine kleine Runde an der Strandpromenade entlang und macht danach gerne auch mal einen kurzen Abstecher aufs Meer. Da setzt sie sich bevorzugt mit auf ein Kanu und lässt sich entlang der Küste schippern. Am Wochenende dann eben die Yoga-Klassen.

„Ich habe zuvor noch nie einen Pelikan in meinem Leben gesehen. Was macht man mit einem so einem Tier in der Yoga-Klasse?“, sagt Lehrerin Ohanian. „Na gut, cool, dachte ich mir: Danke fürs Auftauchen!“, lacht die 36-Jährige. Seitdem sitzt „Pelikanchen“ auf der Spitze ihres Stand-up-Paddels während sie den Unterricht leitet.

Einatmen, ausatmen, kontrolliert in den herabschauenden Hund während das Pelikanweibchen mit ihrem großen Schnabel an ihren Haaren zwickt und die Aufmerksamkeit eigentlich nur für sich alleine haben will. „Habibti, ich muss mich etwas konzentrieren“, sagt sie dem Tier, während es versucht, weiter mit ihr zu spielen. „Ich liebe sie“, sagt Ohanian. Aber manchmal sei es ganz schön herausfordernd. „Sie ist ein wildes Tier. Ich kann ihr nicht sagen, was sie zu tun hat.“ Doch wenn „Pelikanchen“ wolle, dann würde sie auch zuhören.

„Sie ist ein Teil von mir“, sagt Ohanian. Wenn sie schwimmen gehe, dann folge ihr der Vogel. „Komm Pelikanchen, wir gehen schwimmen“, sage sie ihr und sie folge ihr auf den Schritt. Wenn Ohanian untertaucht, taucht auch der Pelikan unter. Ein eingespieltes Team, auch außerhalb der Yoga-Klasse. „Auch wenn es cheesy klingt, ich würde sagen: Unsere Freundschaft war wohl vorherbestimmt.“

Auch auf Social Media ist „Pelikanchen“ schon zum Star geworden. Anwohner aus Batrun haben ihr ein Profil erstellt. Fast 20.000 Menschen folgen der berühmten Pelikan-Dame dort schon. Viele in den Kommentaren sind sich einig: „Pelikanchen muss einmal ein Mensch gewesen sein, so zutraulich wie sie ist.“ Auf Videos ist zu sehen, wie sie selbst Partys in Beachclubs genießt und sich zu den Gästen an den Pool hockt. In den Titelbeschreibungen heißt es: „Ein Besuch in Batrun ist nur komplett mit einem Treffen mit "Pelikanchen".“

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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