Interview

"Wir sind nie einfach still"

Meike Fabian. (Foto: privat)

Meike Fabian. (Foto: privat)

Von Tanja Pfeffer

Wir sprechen immer - ob wir den Mund aufmachen oder nicht. Schauspieler setzen ihren Körper in besonderer Weise ein. Meike Fabian, stellvertretende Leiterin der Akademie für Darstellende Kunst in Regensburg, erklärt, wie wichtig Körpersprache auf der Bühne ist und wie Schauspieler bewusst ihren Körper steuern, um natürlich und glaubhaft ihre Rolle spielen zu können.

Frau Fabian, wie viel sprechen Schauspieler mit ihrem Körper?

Meike Fabian: Wir können niemals nicht nonverbal kommunizieren - das gilt für Schauspieler genauso wie für die Zuschauer, die ihm gegenüber sitzen, also für jeden Menschen. Verbal, also mit meiner Stimme, kann ich entscheiden, ob ich kommuniziere. Ich kann also auch die Klappe halten. Aber meinen Körper kann ich nie davon abhalten zu sprechen. Wir sind nie einfach still. Bei Schauspielern ist es zudem wichtig, ihre Körpersprache genauso wie ihre Stimme an die Rolle anzupassen. Das passiert zum Beispiel in der Körperhaltung oder auch in der Dynamik. Die Körpersprache der Rolle kann sich demnach unterscheiden von der Körpersprache des Schauspielers als Privatmenschen.

Wie wichtig ist die Aussage des Körpers für den Zuschauer?

Ein guter Schauspieler ist einer, bei dem die Rolle authentisch funktioniert. Das muss auf allen drei Ebenen der Kommunikation klappen, auf der verbalen, der tonalen und der nonverbalen. Schafft er es, den Text, der ihm von einem anderen in den Mund gelegt wurde, natürlich zu präsentieren? Das muss verbal funktionieren, also das was ich sage, und tonal, also wie sage ich etwas. Die Fähigkeit, sich fremde Worte zu eigen zu machen - auf verbaler und tonaler Ebene, das ist es, was wir Talent nennen. Ein guter Schauspieler schafft es dann auch, seine Körpersprache an die der Figur anzupassen, ohne dass es unnatürlich wirkt. Wenn ich nämlich meine Körpersprache bewusst ändere, ist die Gefahr riesig, dass es auf Kosten der Natürlichkeit geht. Dann passt die Rolle nicht mehr zu mir.

Warum hört man auf die Körpersprache denn so wenig?

Warum genau, weiß ich nicht. Ich erkläre es mir gern so: Als Baby haben wir ja alle nur die Körpersprache, da hat sie auch noch mehr Gewicht. Dann kommt langsam die Sprache dazu. Die wird dann ab einem Alter von zwei Jahren immer wichtiger. Vielleicht ist es auch einfacher und klarer. Mit Worten schaffe ich Fakten, auf die man sich berufen kann. Mit der Körpersprache geht das nicht. Beim Theater reagieren die Menschen übrigens sensibler auf Körpersprache. Man schaut gebannt hin, auch wenn keiner spricht. Es passiert immer was. Es wird ja quasi immer was gesagt.

Wie schwer ist es, sich zu verstellen? Dass ich etwas Böses sage, kann ich ja auswendig lernen, aber wie kann auch der Körper lügen?

Gute Schauspieler können das. Für einen begrenzten Zeitraum kann also auch der Körper lügen. Das geht für die Dauer eines Stücks. Im Alltag - über längere Strecken - kann man seinen Körper aber nicht verstellen.

Was, wenn ich die Person mir gegenüber nicht leiden kann, aber Sympathie spielen muss. Kann es passieren, dass mein Körper mich verrät?

Das kann grundsätzlich passieren. Aber Schauspieler lernen, dass diese drei Ebenen miteinander funktionieren und dass sie natürlich wirken müssen. Da lässt man private Sachen außen vor. Das ist eine Einstellungssache und eine Grundvoraussetzung für den Beruf des Schauspielers.

Kann man die Aussprache des Körpers üben?

Man kann sich seine eigene Körpersprache in einem Training sehr bewusst machen. Und man kann sich innerhalb eines Trainings mit der Wahrnehmung der Körpersprache beschäftigen. Man kann sensibler werden für die nonverbale Kommunikation. Ich halte es aber für schwierig, seine Körpersprache verändern zu wollen. Es ist ja etwas ganz Persönliches. Am ehesten glaube ich, kann man unliebsame Angewohnheiten reduzieren oder sich abgewöhnen. Spannender aber ist es, den anderen bewusster lesen zu können. Man kann so sein Gegenüber besser einschätzen.

Manche Menschen bekommen bei Nervosität einen roten Kopf oder Stressflecken, zum Beispiel bei Referaten. Kann man das beeinflussen?

Wenig. Ich kann zwar die Nervosität etwas über die Atmung in den Griff kriegen. Da gibt es verschiedene Techniken, die man lernen kann. Aber das A und O ist die gute Vorbereitung. Kenne ich mich gut aus und weiß, was ich will, spiegle ich das in meiner inneren und äußeren Haltung wider. Bei Referaten zum Beispiel hilft es schon sehr, wenn ich von meinem Thema begeistert bin. Wenn ich aber die innere Haltung habe, dass das der größte Mist ist, zeige ich das auch mehr nach außen.

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