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Elchsichtung bei Deggendorf: Am Donnerstag badete er im Hackerweiher

Patrick Pleul/dpa
Nach Elchsichtungen zwischen Metten und Deggendorf sowie bei Mettenufer am Mittwoch wurde der Deggendorfer Polizei am Donnerstagnachmittag gemeldet, dass ein Elch im Hackerweiher bade. (Symbolbild)
Elchalarm im Landkreis Deggendorf! Am Mittwochvormittag beeindruckte das imposante Tier Autofahrer zwischen Metten und Deggendorf, am selben Nachmittag wurde es im Bereich Mettenufer gesichtet, und am Donnerstag gegen 14.20 Uhr ging bei der PI Deggendorf ein Anruf ein, demzufolge ein Elch im Hackerweiher bade. Kein Witz: Immer wieder hatte es in den letzten Monaten Elch-Sichtungen im Bayerischen Wald gegeben, zuletzt am vergangenen Wochenende in Teisnach.
Es liegt nahe, dass es sich bei dem jetzt im Raum Deggendorf herumwandernden Tier um dasselbe handelt. „Normalerweise ziehen die Elche an der tschechischen Grenze entlang. Aber seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Elchmeldungen in Bayern kontinuierlich zu. Während 2005 nur ein einziges Mal ein Elch beobachtet wurde, liegen aus dem Jahr 2006 bereits neun Meldungen vor, 2007 wurden dann sogar 21 Nachweise entdeckt. Laut dem vom Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten im Jahre 2008 herausgegebenen „Elchplan für Bayern - Strategien zum Umgang mit wandernden Elchen“ könnte dies auf einen Anstieg von „Wanderelchen“ zurückzuführen sein, aber auch auf eine erhöhte Aufmerksamkeit der Beobachter.
Elch-Monitoring
Doch was tun, wenn einem ein Elch begegnet? - Erst einmal muss man ihn als solchen erkennen. „Ein Kollege von mir, der immer mit dem Rad von Deggendorf nach Metten in die Arbeit fährt, hat das Tier auch gesehen, es aber für einen Hirsch gehalten“, berichtet der Geschäftsführer des Marktes Metten, Reinhold Augustin. Womit der Kollege gar nicht so falsch lag: Der Elch ist der größte Vertreter der Familie der Hirsche. Abgesehen davon ist Elchwild im mitteleuropäischen Raum eigentlich nur in Skandinavien, im Baltikum, in der Ukraine und in Polen beheimatet, vereinzelt auch in der Tschechischen Republik. Die nächstgelegene, seit Jahrzehnten etablierte Elchpopulation befinde sich im Bereich des Moldaustausees, heißt es im „Elchplan für Bayern“. Man vermute, dass aus dieser Population einzelne Elche die Grenzregion zu Bayern aufgesucht haben und sich auch künftig, zumindest zeitweise, im ostbayerischen Raum auf ihren Wanderungen aufhalten könnten. Bisher handele es sich aber immer um Einzeltiere, die Bayern nur durchwandern.
„Wenn wir als Jagdbehörde eine entsprechende Meldung erhalten, geben wir das an die Regierung weiter“, erklärt Landratsamtsmitarbeiter Heinz Hofmann. Auf diese Weise werde ein Monitoring möglich. Darüber hinaus würden aber weder die Jagdverwaltung noch die Jäger tätig. Schließlich gebe es für Elche im Jagdrecht eine ganzjährige Schonzeit. Erlegt werden dürften sie nur, wenn sie schwer krank oder infolge eines Unfalls massiv verletzt sind.
Kollision im Juni 2015
So geschehen im Juni 2015: „Damals ist eines der gewaltigen Tiere auf der A3 bei Iggensbach von einem Auto erfasst und getötet worden“, erinnert sich Heinz Hofmann. Er weiß: „Ein Elch auf der Straße bewegt sich in der Regel sehr gemütlich und legt kein überstürztes Fluchtverhalten an den Tag, selbst wenn er mit unbekannten Objekten konfrontiert wird.“
Wie gefährlich so ein Zusammenstoß sein kann, ging 1997 im Zusammenhang mit dem sogenannten „Elchtest“ durch die Medien. Damals war ein Auto der Mercedes-A-Klasse bei einem solchen Fahrstabilitäts-Test (Anm. d. Red.: Er simuliert das Ausweichen vor einem plötzlich auf der Straße auftretenden Hindernis) durch Journalisten in Schweden umgekippt. Als Konsequenz baute Daimler-Benz serienmäßig das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) ein - damals ein Novum außerhalb der Luxusklasse. Dennoch war der Ruf der A-Klasse zunächst beschädigt.
Im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr ruft der Elch dann auch die Polizei auf den Plan. „Die Tiere an sich sind ja nicht gefährlich. Soweit allerdings Fragen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, insbesondere der Verkehrssicherheit berührt sind, ist die Zuständigkeit von Polizei und Sicherheitsbehörden gegeben“, bestätigt Johanna Vogl, Pressesprecherin der PI Deggendorf.
Nachdem ihre Kollegen am Mittwochvormittag über einen potenziellen Elch neben der St 2125 zwischen Deggendorf und Metten informiert worden seien, hätten sich deshalb mehrere Streifen in Bewegung gesetzt und das Gebiet abgesucht. Fündig geworden seien die Beamten nicht - bereits am Nachmittag habe es aber erneut einen Anruf gegeben demzufolge der Elch zwischen Natternberg und Mettenufer gesehen wurde. Und auch am Donnerstagnachmittag machte der Elch von sich reden: „Jemand hat ihn am Hackerweiher beim Baden beobachtet!“
Elche sind gute Schwimmer
Ja, das darf er. Und ja, für Elche sei es ganz normal, dass sie ins Wasser gehen, versichert Heinz Hofmann von der Unteren Jagdbehörde. So bestätigt es der „Elchplan für Bayern“: Die Tiere könnten problemlos mehrere Kilometer weit schwimmen, auch Flüsse und Gewässer stellten keine Barriere dar, heißt es in der vom Bayerischen Landwirtschafts- und Forstministerium veröffentlichten Schrift. Zudem sei Elchwild sehr ausdauernd und könne in relativ großer Zeit weite Strecken zurücklegen. 10 bis 15 Kilometer pro Tag seien der Durchschnitt.
Dass der Hackerweiher für längere Zeit Elchrevier bleibt, ist demnach unwahrscheinlich. Spaziergänger und Autofahrer in der Region sollten aber die Augen offenhalten und bei einer Sichtung Abstand halten beziehungsweise Geschwindigkeit rausnehmen und bremsbereit sein.












